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„Diese Rufnummer ist nicht vergeben.“ Diese Ansage bekommen Anrufer, wenn sie die Nummer d er Firma Kilian Willibald wählen. 

Firma Willibald

Nach Ärger mit der Telekom: Schlegldorfer Bauunternehmer jetzt wieder erreichbar

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Es klingt wie der Albtraum jedes Unternehmers – für den Lenggrieser Kilian Willibald aber wurde es vergangenen Samstag um Schlag Mitternacht Realität. Seither ist der Telefonanschluss der Firma in Schlegldorf tot.

Update 6. Dezember:

Unternehmer Kilian Willibald teilt mit, dass seine Firma seit Mittwochmittag wieder wie gewohnt erreichbar ist. Zugleich beklagt er, dass sich die Telekom nie bei ihm persönlich entschuldigt hat.

Zuvor hatte die Telekom fünf tage nach der Anfrage des Tölzer Kurier eine schriftliche Stellungnahme an die Redaktion geschickt.

Update 4. Dezember:

Wer die Telefonnummer des Lenggrieser Bauunternehmens Kilian Willibald wählte, der bekam auch am Dienstagnachmittag noch die Ansage zu hören: „Die gewählte Rufnummer ist uns nicht bekannt.“ Wie berichtet hat die Telekom den Anschluss mit vier Rufnummern und rund 30 Nebenstellen zum 24. November abgeschaltet. Fünf Tage nach der ersten Anfrage des Tölzer Kurier zu dem Fall hat die Telekom nun eine schriftliche Stellungnahme übermittelt. Vorangestellt ist dem Schreiben eine Entschuldigung „in aller Form für die Unannehmlichkeiten, die Herrn Willibald entstanden sind“. Weiter heißt es: „Herr Kilian Willibald hatte seine Anschlüsse schriftlich gekündigt, ein paar Tage vor Kündigungstermin aber diese zurückgezogen. Diese Zurückziehung der Kündigung konnte leider nicht mehr berücksichtigt werden.“ Der Lenggrieser Unternehmer hatte gegenüber dem Tölzer Kurier ebenfalls berichtet, dass er seinen Telekom-Vertrag Mitte des Jahres vorsorglich gekündigt hatte. Das Storno seiner Kündigung hat die Telekom ihm am 8. November bestätigt – also gut zwei Wochen, bevor sein Anschluss ohne weitere Vorwarnung abgestellt wurde. Zum weiteren Vorgehen teilt die Telekom mit, dass die Wiederbereitstellung der betroffenen Hauptrufnummer „umgehend eingeleitet“ worden sei. Ziel sei es, dass die Nummer noch diese Woche wieder erreichbar sei – zunächst über eine Rufumleitung, endgültig dann wieder Mitte Dezember

Der Bericht vom 1. Dezember

Lenggries –  Die bisherigen vier Telefonnummern mitsamt rund 30 Nebenstellen: gelöscht. Die Telekom hat ihm gegenüber bereits eingeräumt, dass die Abschaltung auf einen Fehler des Kommunikationsunternehmens zurückgeht. Was Willibald zusätzlich frustriert: Der Ausweg aus der Misere gestaltet sich äußerst schwierig.

Die Geschichte begann mit einem eigentlich alltäglichen Vorgang: „Wir haben im Frühjahr vorsorglich unsere Anschlüsse gekündigt“, berichtet der Bauunternehmer. Am Standort in Schlegldorf sind die Firmenverwaltung, die Werkstatt und der Betriebshof ansässig. Hier gibt es zwölf feste Schreibtisch-Arbeitsplätze, von denen aus laut Willibald der Geschäftsbetrieb mit zirka 100 Mitarbeitern organisiert wird – und zwar größtenteils per Telefon.

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Die Kündigung des Telekom-Vertrags tätigte Willibald vorsorglich – um ihn im Idealfall mit verbesserten Konditionen fortführen zu können. Tatsächlich widerrief der Unternehmer die Kündigung im Oktober. Dafür erhielt er am 8. November eine schriftliche Bestätigung. So traf es ihn wie aus heiterem Himmel, als er am 24. November von einem Geschäftspartner eine E-Mail erhielt. Wann immer der bei der Firma anrufen wollte, ertönte die Durchsage: „Diese Rufnummer ist nicht vergeben.“ Willibald merkte bald, dass dasselbe für sämtliche Nummern und Nebenstellen seines Betriebs inklusive Fax galt.

Bei der Störungsstelle der Telekom erhielt er die Auskunft, ihm könne nicht geholfen werden. Der Grund: Seine Telefonnummer existiere ja gar nicht. Über den Umweg des Geschäftskundenvertriebs wurde der Firmeninhaber zum Telekom-Kundencenter in Ludwigshafen weitergeleitet, so berichtet er. „Die dortigen Mitarbeiter waren sehr freundlich, aber sie konnten mir nicht weiterhelfen, weil ihr eigenes Computersystem an diesem Wochenende im Wartungsmodus war.“

Unternehmer muss neuen Anschluss beantragen

Am Ende stand Willibald ohne echte Hilfe da – dafür mit der Information, dass das Storno seiner Kündigung aus Versehen nicht ins Computersystem der Telekom eingepflegt worden war. Der Anschluss war dann ohne weitere Vorwarnung abgeschaltet worden. Er müsse nun einen ganz neuen Anschluss beantragen. Ob er dabei seine alte Nummer wiederbekomme, sei fraglich.

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Für Willibald und sein Team begann die Woche mit dem eiligen Versenden von über 500 E-Mails, um Kunden, Lieferanten, Partner und Behörden darüber zu informieren, dass die Firma nur noch über einige Handynummern zu erreichen sei. Mails konnten noch verschickt werden. Denn fürs Internet hat die Firma eine Funklösung gebucht, sich von der Telekom unabhängig gemacht – notgedrungen. Denn als der Konzern 2017 Glasfaserkabel fürs schnelle Internet verlegte, endete dies „einen Kilometer südlich und 500 Meter nördlich von uns“, wie Willibald konsterniert feststellt. Das Bauunternehmen ist nur über ein altes Kupferkabel angeschlossen, dass Surfen mit einer Maximalgeschwindigkeit von 0,8 MBit/Sekunde erlaubt.

Und genau diese mangelhafte Infrastruktur scheint Willibald jetzt auch noch zum Verhängnis zu werden, wenn es um die Wiederherstellung seines Telefonanschlusses geht. Denn einen ISDN-Anschluss wie bisher lässt ihn die Telekom nicht mehr neu beantragen. Ihm wurde beschieden, dass er dafür ohnehin Ende des Jahres die Zwangskündigung erhalten hätte. Denn die Telekom forciert schon seit Jahren die Umstellung auf IP-Anschlüsse, also auf die Telefonie übers Internet. Willibald ist sich aber sicher: IP-Telefonie würde bei einer Anlage mit so vielen Anschlüssen und Nebenstellen wie in seiner Firma wegen der dürftigen Internetanbindung nicht funktionieren. Da ihm aber nichts anderes übrig blieb, bestellte er den IP-Anschluss.

Daraufhin bekam er die Nachricht, er werde die nötigen Geräte per Post bekommen – und zwar „zur Selbstmontage“. Nun ist Willibald als Bauunternehmer technisch alles andere als hilflos. Aber die professionelle Telekom-Anlage in einem eigenen Technikraum wollte er dann doch nicht anfassen. „Mir wurde erwidert, wir befinden uns in der Vorweihnachtszeit, und die Telekom habe keine Techniker zu Montage frei. Wir müssen uns selbst behelfen.“

Wann es wieder geht? Vielleicht am 12. Dezember

Nach aktuellem Stand sollen in der Firma Willibald laut Telekom ab Montag zumindest wieder vier Nebennummern funktionieren. Allerdings hat die Firma Willibald diese Nummern bislang nach außen nicht kommuniziert – mit dem Empfangen von Anrufen wird es also schwierig bleiben. Die Freischaltung der Hauptnummer mit ihren 30 Nebenstellen – nur diese Nummern sind den Geschäftspartnern bekannt – wurde Willibald für den 12. Dezember in Aussicht gestellt. „Wir wären dann fast drei Wochen ohne telefonische Erreichbarkeit“, beklagt der Unternehmer. „Eine funktionierende Telefonanbindung und Erreichbarkeit ist für den Bestand unseres Unternehmens aber existenziell.“ Das Verhalten der Telekom bezeichnet er zusammenfassend als „arrogant und unverschämt“.

Eine Stellungnahme der Telekom gab es auf Anfrage des Tölzer Kurier bislang nicht. Man könne sich erst äußern, so die Auskunft, wenn man „den Sachverhalt ordentlich geklärt“ habe.

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