+

Schöffengericht 

Tölzer baut Marihuana an: „Für Outdoor-Zucht ganz akzeptabel“

Marihuana-Plantage am Brandberg: Tölzer wird zu zehn Monaten Bewährungsstrafe verurteilt.

Lenggries/Wolfratshausen Zwei Männer tragen eine Kiste mit Grünzeug durch den Wald. Ein paar Monate später, Anfang September vorigen Jahres, stöbert ein Förster rund 100 Meter entfernt am Brandberg nahe der B 13 bei Lenggries drei erntereife Marihuana-Pflanzen auf. Die bescherten einem 39-jährigen Tölzer nun eine Verhandlung vor dem Schöffengericht – und eine Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung wegen unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Der Verurteilte ist einer der beiden Männer auf dem von einer Wildkamera aufgenommenen Foto, was er selbst allerdings erst gegen Ende der Gerichtsverhandlung einräumte.

208 Gramm „Cannabis vom Typ Marihuana“ mit einem Wirkstoffgehalt von mehr als acht Prozent THC hatte die „Ernte“ der Pflanzen erbracht. „Für eine Outdoor-Zucht ist das ganz akzeptabel“, erläuterte ein Gutachter des Bayerischen Landeskriminalamts, der sich hinsichtlich der etwas unscharfen Fotokopie in der Ermittlungsakte zurückhaltend äußerte. „Könnte Marihuana sein“, so der Sachverständige, „aber es könnten auch Ahornblätter sein.“

Der Angeklagte äußerte sich selbst nicht zu diesem Vorwurf. Aufgrund der dürftigen Beweislage könne er nicht verstehen, warum sein Mandant angeklagt worden sei, sagte Rechtsanwalt Winfried Hupe. „Ein hinreichender Tatverdacht ist nicht gegeben.“

Das gelte auch für den zweiten Anklagepunkt: Am 18. Januar dieses Jahres waren bei einer Wohnungsdurchsuchung bei dem Beschuldigen 1,9 Gramm Haschisch sowie 20 Cannabis-Samen gefunden worden. Das Rauschgift habe ein Gast nach der Silvesterparty liegen lassen. „Es war leichtsinnig und blöd, dass ich’s nicht gleich entsorgt habe“, sagte der Angeklagte. Und der Samen, der neben dem Haschisch in der Schublade seines Nachttisches lag, sei uralt gewesen. „Das Nachtkästchen ist wie eine Zeitkapsel. Da wandert alles rein. Das wird nie ausgeleert und zieht immer mit um“, beteuerte er.

Auf die Spur des Tölzers war die Polizei eher zufällig gestoßen. Im Sommer vorigen Jahres war am Falkenberg beim Sylvensteinsee eine Plantage mit 19 Marihuana-Pflanzen entdeckt worden. In dem Zusammenhang erinnerte sich ein Jäger an das Foto aus der Wildkamera. Sein Revierkollege machte sich auf die Suche. Er entdeckte die Miniplantage an der „Langen Wand“ nahe der B 13 und erkannte den Mann auf dem Foto.

Nach Auffassung des Schöffengerichts bestand kein Zweifel an der Schuld des bislang unbescholtenen Angeklagten. Man laufe nicht mit Cannabistrieben in der Kiste („das Gericht meint, dass es sich nicht um Ahorn handelt“) durch den Wald, noch dazu in der Nähe des späteren Fundorts, skizzierte Richter Helmut Berger ein Puzzle, das durch den Cannabissamen im Nachtkästchen vervollständigt werde. Als Auflage – die zehn Monate Haft sind für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt – muss der Verurteilte 1000 Euro an die Caritas-Suchtberatung zahlen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rudi Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schmerzhafte Hiebe mit der Gerte
Eine Reiterin (53) verletzt ihre Kollegin (30) mit dem Reitstock: Das Amtsgericht verurteilt sie zu sechs Monaten Bewährungsstrafe.
Schmerzhafte Hiebe mit der Gerte
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
So sieht der Siegerentwurf zur Heilbrunner Ortsmitte aus
So sieht der Siegerentwurf zur Heilbrunner Ortsmitte aus
Neue Gärtnerei: Baubeginn voraussichtlich in 14 Tagen
Neue Gärtnerei: Baubeginn voraussichtlich in 14 Tagen

Kommentare