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Auf den richtigen Abstand kommt es an (v. li.): Julia Jäger, Lena Kreiß, Sophie Frei, Lina König und Laura Brückner pflanzen Hainbuchen an, die später die Hecken des Irrgartens bilden werden.  

Tolles Projekt von Lenggrieser Schülerinnen

920 Hainbuchen für einen Irrgarten

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Königsdorf/Lenggries - Bei der Jugendsiedlung in Königsdorf entsteht gerade ein Irrgarten aus Hainbuchen. Schülerinnen des Hohenburger Gymnasiums gestalten dort einen begehbaren ökologischen Fußabdruck.

 Nicht nur Menschen, auch Hainbuchen haben eine Schokoladenseite. So erklären das zumindest Constanze Scherer und Sophie Frei. Die beiden Zehntklässlerinnen des Hohenburger Gymnasiums sind gerade dabei, einen Hecken-Irrgarten zu pflanzen. Ihre oberste Pflicht: „Die schöne Seite gehört nach außen, also zum Weg hin“, sagt Constanze (16) und schnappt sich den Spaten, um Platz für die nächste Pflanze zu schaffen.

Auf Initiative einer Hohenburger Seminargruppe entsteht derzeit ein ökologischer Fußabdruck. Dafür schufteten gestern Schülerinnen, Lehrkräfte, Landschaftsgärtner und drei Asylbewerber aus Lenggries in der Jugendsiedlung Hochland bei Königsdorf. Dort ist Platz für den 40 Meter langen und zwischen 10 und 18 Meter breiten Lehrpfad in Form eines Menschenfußes.

Tamara Höcherl steht in den Zehen. Dort soll demnächst eine Weltkarte auf die Problematik des Fliegens und eine Kuh auf unüberlegten Fleischkonsum aufmerksam machen. Und einen „Zickzack-Balken“ möchten sie anlegen. „Damit man sein ökologisches Gleichgewicht findet“, sagt Höcherl. Sie leitet das Projektseminar, in dem Zwölftklässlerinnen seit vielen Monaten an der Planung und Umsetzung arbeiten. Wenn 17-jährige Mädchen die Arbeit eines ganzen Planungsbüros übernehmen, ist das durchaus ungewöhnlich – auch wenn sie natürlich von Baufirmen und Landschaftsgärtnern unterstützt werden.

Letzte Woche rollte ein Lastwagen mit 920 Hainbuchen in die Jugendsiedlung. „Ein fahrender Wald“, staunt Höcherl immer noch. Rund 300 von ihnen haben die Schülerinnen in den vergangenen Tagen verpflanzt. „Man muss auf die richtigen Abstände zwischen den Bäumchen achten“, erklärt die Achtklässlerin Lena Kreiß. Sie hat sich im Rahmen der Kulturtage des Gymnasiums dafür entschieden, beim ökologischen Fußabdruck anzupacken.

Der geht übrigens zurück auf ein wissenschaftliches Konzept, das Lebensstile messbar machen soll. Wer (ver)braucht wie viel Natur? Und wer zu viel? Ein Buchhaltungssystem für die Umwelt. Wenn der Hecken-Irrgarten, der nach dem Vorbild im Nationalpark Gesäuse in der Steiermark kreiert wird, fertig ist, muss der Besucher darin ökologische Fragen beantworten. Falsche Antworten führen ihn in Sackgassen – und zu lehrreichen Erklärungen. Es geht um alltagspraktische Dinge, die man sich von der Ferse bis in die Zehenspitzen bewusst machen kann. Umweltfreundliche Verkehrsmittel, Früchte im Winter, Lüften und Heizen – das sind nur drei Themen. Acht Schilder mit Fragen soll es geben, für die gerade die Fundamente eingesetzt werden. Rund 52 000 Euro kostet das Anlegen des Irrgartens. 30 700 Euro haben die Hohenburger von der Regierung von Oberbayern bewilligt bekommen. Der Rest soll über Spenden aus Gesellschaft und Wirtschaft und Benefiz-Aktionen finanziert werden.

Voller Elan hätten die Schülerinnen vergangene Woche gepflanzt, berichtet Lehrerin Höcherl. Auf Kosten der Genauigkeit: Gestern mussten einige Hainbuchen enger zusammengerückt werden. „Damit die Hecke richtig dicht wird.“ Laut den Gärtnern soll das zweieinhalb Jahre dauern, sagt Höcherl. Ohne professionelle Anleitung geht natürlich nichts: Die Lenggrieser Firma „Fuchs baut Gärten“ koordiniert das Treiben in der Königsdorfer Jugendsiedlung. Während die Mädchen mit den Hainbuchen hantieren, planiert Baustellenleiterin Belinda Maag den Boden. „Über den Schotterrasen können sich später auch Rollstuhlfahrer bewegen“, erklärt sie.

Erst die Hälfte des Fußabdrucks ist – am besten aus der Luft – zu erkennen. Verlaufen kann man sich trotzdem schon. Bedachte Schritte erfordern auch die Bauarbeiten. Maag: „Wir können nicht alles auf einmal pflanzen. Sonst bauen wir uns zu.“

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