Vor einem Stück Elektrozaun mit Untergrabschutz, das sie als Anschauungsobjekt für einen Herdenschutz auf Almen errichtet haben, stehen (v.li.) Josef Wohlmuth, Nikolaus Kohlhauf, Johann Probst und Stefan Heiß.
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Vor einem Stück Elektrozaun mit Untergrabschutz, das sie als Anschauungsobjekt für einen Herdenschutz auf Almen errichtet haben, stehen (v.li.) Josef Wohlmuth, Nikolaus Kohlhauf, Johann Probst und Stefan Heiß.

Sorge um Bestand

Schutz gegen Wölfe: Almbauern machen Aktion mit großem Zaun am Brauneck

Vier Bergbauern aus Lenggries haben am Brauneck einen „Demo-Herdenschutzzaun“ aufgestellt. Die Sorge vor dem Wolf und der weiteren Entwicklung in den Alpen treibt sie um.

Lenggries – Ein heftiges Unwetter konnte am Montagabend vier Lenggrieser Bergbauern nicht davon abhalten, trotz dieser längeren Unterbrechung oben am Brauneck einen „Demo-Herdenschutzzaun“ mit Infotafeln zu errichten. Sie möchten damit Wanderern und Urlaubsgästen vor Augen führen, welche drastischen Konsequenzen in den Wandergebieten eine „Verzaunung“ der alpinen Landschaft und der Einsatz von Herdenschutzhunden zum Schutz gegen Wolfsangriffe tatsächlich nach sich ziehen würden.

Die Almbauern sind verzweifelt. Sie sind in Sorge um den Fortbestand der Almwirtschaft, falls hier mehr Wölfe auftauchen und das Vieh auf den Bergweiden attackieren. Der Vorschlag, man könne das Weidevieh doch mit hohen Zäunen und mit Herdenschutzhunden effektiv schützen, sei einfach nicht umsetzbar. Bezirksalmbauer Johann Probst aus Wegscheid sagt: „Das funktioniert nicht. Gegen besseres Wissen verschweigen sie auch, dass Herdenschutzhunde ihr Territorium verteidigen und auf Wanderer genauso aggressiv losgehen wie auf Beutegreifer.“ Das dürfe nicht passieren, „erst recht nicht im beliebten Wandergebiet am Brauneck, wo auch viele Eltern mit ihren Kindern unterwegs sind“, betont Probst.

Er befürchtet schwere Unfälle und Regressforderungen von Touristen gegen die Almbauern. Über solche Fälle habe man ihn bei einer Fachexkursion zu Schweizer Almen in Graubünden unterrichtet.

30 Meter langer Zaun mit Elektrodrähten und Untergrabschutz

In knapp zwei Stunden errichteten Johann Probst – auch bekannt unter dem Hofnamen Laßl – und sein Stellvertreter Nikolaus Kohlhauf (Hoißn) sowie Stefan Heiß (Demmelbauer) und Josef Wohlmuth (Streidlhof) rund 30 Meter Herdenschutzzaun mit Elektrodrähten und Untergrabschutz. Davon würde man nach Kohlhaufs Berechnung allein im weitläufigen Brauneckgebiet 30 bis 40 Kilometer benötigen. „Das ist absolut nicht machbar, zumal man die Zäune vor jedem Winter wieder abbauen muss.“

Ganz abgesehen von den Behinderungen für Wanderer würden die Zäune auch die Lebensräume anderer Wildtiere zerschneiden und für manche ebenfalls geschützte Art sogar zu tödlichen Hindernissen werden. Vergitterung statt Vernetzung von Lebensräumen könne doch niemand im Sinn haben. „Außerdem bräuchten wir für das Brauneckgebiet auch mehrere Dutzend Herdenschutzhunde“, ergänzt Stefan Heiß.

Solch einen „irrsinnigen Aufwand“ kann Johann Probst überhaupt nicht verstehen: „Der Wolf ist auf der ganzen nördlichen Erdhalbkugel verbreitet und in keinster Weise in seinem Bestand gefährdet. Was soll der rigorose Schutzstatus?“

„Man muss den Menschen die Augen öffnen“

Für diesen Beutegreifer würde „die Politik unser Agrarkulturerbe aufs Spiel setzen, obwohl auch Stadtmenschen die von Almbauern geschaffene Kulturlandschaft als Wanderer so sehr lieben.“ Man müsse, sagt Probst, den Menschen „deshalb die Augen dafür öffnen, welche Folgen Beutegreifer und Herdenschutzmaßnahmen für ihre Freizeit in den Bergen nach sich ziehen.“

„Von der Politik fühlen wir Almbauern uns total im Stich gelassen“, beklagt Wohlmuth. Er könne sich das nur so erklären, dass man Rücksicht darauf nimmt, dass es „in der Stadt so viel mehr Wähler gibt“. Und Probst sagt: „Das nenne ich Populismus.“ Der einflussreichen Wolfslobby wirft er vor: „Für die zählt nur die Rückkehr des heiligen Wolfes, alles andere interessiert die nicht.“
(Rainer Bannier)

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