Musterstücke zur Inspiration ihrer Kundinnen fertigt die Tölzer Trachtenschneiderin Michaela Poschenrieder an.
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Musterstücke zur Inspiration ihrer Kundinnen fertigt die Tölzer Trachtenschneiderin Michaela Poschenrieder an.

Corona-Auswirkungen

Trachtenschneider aus dem Tölzer Land spüren Corona-Flaute

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Die Nähmaschinen laufen zwar noch in fast allen Trachtenateliers im Landkreis. Doch die Auftragslage – vor allem für Maßanfertigungen – ist mau. Da es aufgrund der Pandemie nichts mehr zu feiern gibt, hat auch die Trachtenbranche keinen Grund zur Freude.

Lenggries/Bad Tölz - „Momentan ist tote Hose“, sagt Michaela Poschenrieder, Schneidermeisterin aus Bad Tölz. Seit 30 Jahren ist sie selbstständig. Aber erst vor zwei Jahren fokussierte sie sich auf maßangefertigte Dirndl und Brautmode. „Kaum ist es losgegangen bei mir, kam auch schon Corona“, berichtet sie ernüchtert. Seither bekomme sie kaum mehr Aufträge. „Im Sommer mal vereinzelt einen Rock oder so. Ansonsten mache ich nur noch Standard-Reparaturen. Aber das reicht freilich nicht.“ Das Handtuch zu werfen, sei aber keine Option. „Ich habe ja nichts anderes gelernt, man muss jetzt durchhalten und darauf hoffen, dass bald alle Feste und Hochzeiten nachgeholt werden können“, sagt Poschenrieder. Aktuell fertige sie einige Stücke für sich selbst an. „Die kann ich dann als Muster meinen Kundinnen zeigen.“

Seit der Pandemie ist die Nachfrage bei Maßanfertigungen stark zurückgegangen

Die coronabedingte Verschiebung vieler Hochzeiten spürt auch Elisabeth Ertl, Inhaberin der Lenggrieser „Trachten- und Lodenstub’n“ deutlich. „Wir nähen gerade nur noch Aufträge ab, die vor dem Lockdown reingekommen sind“, berichtet sie. Neuaufträge gebe es nur noch vereinzelt. „Die meisten warten jetzt wohl.“ Normalerweise müssen ihre Kunden zwischen sechs und neun Monaten auf einen maßgefertigten Trachtenanzug warten. „Aktuell könnten wir das in wenigen Wochen fertigstellen“, meint sie. Glücklich ist Ertl über die lokale Unterstützung. „Ein paar Einheimische bestellen noch was oder auch die Lenggrieser Schützenkompanie. Darum bin ich sehr froh“, sagt sie.

In ihrer Säcklerei Bammer arbeitet Susanne Schöffmann aktuell fast nur noch alte Aufträge ab.

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Auch Anni Dreer aus Wegscheid nutzt die Zeit im Lockdown nun, um ihre bisherigen Aufträge in Ruhe abzuarbeiten. „Jetzt habe ich viel mehr Zeit, weil wenig Neues reinkommt und sich gerade auch die Anproben schwierig gestalten.“ Davor sei sie zwölf Monate im Voraus ausgebucht gewesen. „Nun habe ich weniger Stress und bin auch etwas spontaner verfügbar“, berichtet Dreer. Auch sie merke den Rückgang bei der Nachfrage, aber sagt klar: „Ich bin noch zufrieden. Es melden sich zwar wenige für ein neues Dirndl, aber ich bekomme noch ein paar Aufträge rein, um aus alten Dirndln neue zu machen“, berichtet die 73-Jährige und fügt entschlossen hinzu: „Ich liebe meinen Beruf heiß und innig. Seit 50 Jahren mache ich das tagtäglich. Auch Corona bringt mich nicht dazu, an die Rente zu denken.“

Hauptproblem: Ausfall der Feste und Feierlichkeiten

Susanne Schöffmann ist Inhaberin der Lenggrieser Säcklerei Bammer. Auch bei ihr zeichnet sich kein anderes Bild ab, als bei den Dirndl- und Trachtenanzugschneidern. „Man darf aber nicht jammern, wir hatten vor Corona sehr gute Jahre“, sagt sie. „Dennoch ist es aktuell schwierig.“ Vor der Pandemie musste man im Schnitt 18 Monate auf eine maßangefertigte Lederhose von „Bammer“ warten. Der Ausfall der Feste sei für sie das Hauptproblem, erklärt Schöffmann. Denn: „Im Großen und Ganzen leben wir genau davon.“ Das wurde auch zwischen den beiden Lockdowns deutlich – als im Sommer wieder vieles hochgefahren wurde. „Da gab es schon vereinzelte Bestellungen, aber kein Vergleich zu früher. Auch während der Lockerungen in den Sommermonaten gab es ja keine Volksfeste und großen Hochzeiten.“ Melanie Poschenrieder ist sich trotz der aktuellen Miesere aber sicher: „Sobald sich alles wieder normalisiert, steigt die Nachfrage wieder.“ Davon geht auch Elisabeth Ertl aus. Bis dahin sei aber, so Poschenrieder, „keine Zeit für große Sprünge“.

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