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"Hier entsteht NICHTS. Zumindest nicht sehr bald." Dieses Plakat hat Wolfgang Haas am Eingangstor zum ehemaligen Kasino der Lenggrieser Kaserne angebracht.

Haas zieht sich zurück

Traum von Kunst in der Kaserne ist geplatzt

Lenggries – Das Projekt war noch gar nicht richtig gestartet – da ist es auch schon wieder am Ende.

Der Gaißacher Wolfgang Haas hat seine Pläne beerdigt, das ehemalige Kasino der Lenggrieser Kaserne zu einer Atelier- und Gewerbetreibenden-Gemeinschaft umzugestalten. Als Hauptgrund für seinen Rückzug nennt der 60-Jährige, dass er „langfristig nicht von einer Bau- und Nutzungsgenehmigung ausgehen“ könne.

Mit viel Enthusiasmus hatte der ehemalige Generalstabsoffizier wie berichtet sein Projekts „Isar Ateliers“ in Angriff genommen. Einige Räume des zuvor 13 Jahre ungenutzten Heims hatte er renoviert, teilweise eingerichtet und dort zweimal zu Veranstaltungen für geladene Gäste gebeten. Haas’ Angaben zufolge kamen jeweils etwa 200 bis 300 Menschen. Die früheren Wohnungen wollte er an Künstler und „kunstnahe Gewerbetreibende“ weitervermieten. „Bis Ende des Jahres hätte ich 100 Prozent vermietet haben können“, erklärt er. Als Hauptmieter habe eine Kunstakademie konkretes Interesse bekundet.

Haas’ Kehrtwende kommt nun recht plötzlich. Er führt dafür auf Anfrage mehrere Gründe an. Punkt eins: „Die Situation zwischen Eigentümer und Gemeinde ist verfahren, und ich möchte nicht zwischen den Fronten stehen.“ Der Eigentümer der Immobilie, die Luitpolder Höfe GmbH mit Gesellschafter Peter Wasner, hatte bekanntlich gegen den Bebauungsplan der Gemeinde geklagt. Der schreibt auf dem Areal ausschließlich eine gewerbliche Nutzung vor, während der Eigentümer eine Wohnbebauung vorziehen würde. Vor dem Münchner Verwaltungsgerichtshof bekam die Gemeinde Recht.

Wasners Anwalt Michael Wondra kündigte sofort danach die Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig an. Haas hatte dies offenbar zunächst nicht ins Kalkül gezogen. Nun sagt er: Wegen des anhaltenden Rechtsstreits gehe er nicht davon aus, dass der Eigentümer in absehbarer Zeit einen neuen Bauantrag fürs alte Kasino stellt. Der ist aber nötig, um eine Nutzungsgenehmigung zu haben.

Außerdem habe er den Eindruck, dass sein Vorhaben bei der Gemeinde nicht erwünscht sei, so Haas. „Deswegen kann ich auch auf keinerlei Entgegenkommen aus dem Rathaus hoffen.“ Zuletzt hatte Bürgermeister Werner Weindl dem Landratsamt gemeldet, dass Haas’ Aktivitäten aus seiner Sicht eine Schwarznutzung des Gebäudes darstellten.

Nicht zuletzt ist Haas davon überzeugt, dass aus dem Teil der Kaserne, den die Gemeinde kürzlich erworben hat, über kurz oder lang eine Erstaufnahmeeinrichtung oder andere Großunterkunft für Asylbewerber wird. „Wo im Landkreis wäre so etwas denn sonst möglich?“, argumentiert der 60-Jährige. „Die Bürger werden sich nicht bieten lassen, dass auf Dauer Sporthallen belegt werden oder dass eine Traglufthalle gebaut wird.“ In der Nachbarschaft eines solchen „sozialen Brennpunkts“ aber sei das Kasino kein geeigneter Standpunkt mehr für Kunstateliers und -akademien mit ihrer „anspruchsvollen Klientel“.

Die geplante sechsmonatige Testphase, in der Haas das Offiziersheim von Peter Wasner zur Verfügung gestellt bekam, hat der Gaißacher jetzt nach fünf Wochen abgebrochen. In Lenggries will er kein neues Projekt mehr in Angriff nehmen.

Andreas Steppan

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