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Komplett eingerüstet: der renovierungsbedürftige Turm von St. Jakob. Derzeit arbeiten die Handwerker wegen der brütenden Turmfalken nur im unteren Bereich.

Sanierung der Pfarrkirche St. Jakob

Turmfalken legen Baustelle lahm

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Der Lenggrieser Kirchturm bleibt deutlich länger in ein Gerüst verpackt als geplant: Turmfalken brüten unterhalb der Zwiebel. Erst, wenn die Küken das Nest verlassen haben, kann oben gearbeitet werden. Den Bauherrn dürfte diese Verzögerung mehrere tausend Euro kosten.

Lenggries – Zuerst machte das schlechte Wetter den Handwerkern einen Strich durch die Rechnung. Jetzt gerät die Sanierung des Lenggrieser Kirchturms vollends aus dem Zeitplan: Arbeiter haben ein Turmfalken-Nest entdeckt. Die Vögel brüten auf einem Sims unterhalb der Zwiebel vier Eier aus. „Das war eine Überraschung“, sagt Kirchenpfleger Peter Dichtl.

Aus Sicht des Bauherrn keine allzu erfreuliche. Denn die Kirchenstiftung muss nun mit deutlichen Mehrkosten rechnen, weil das Gerüst etliche Wochen länger stehen bleiben muss als gedacht. „Das sind bestimmt ein paar tausend Euro“, schätzt der leitende Architekt Hermann Thurner aus Ellbach. Die genauen Kosten hängen davon ab, wann die Küken schlüpfen und flügge werden.

Bis dahin darf im oberen Turmbereich nämlich nichts getan werden, was die Turmfalken stören könnte. Auf Anordnung der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt arbeiten die Handwerker derzeit nur im unteren Bereich. Wenn sie in ein paar Tagen mit den Kirchenmalereien dort fertig sind, herrscht erst einmal Stillstand auf der Baustelle. Wie es danach weitergeht, müssen Experten von der Regierung von Oberbayern entscheiden, die in den nächsten Tagen zu einem Ortstermin nach Lenggries kommen. Dann wird laut Thurner abgeklärt, welche Arbeiten möglich sind und wie nah die Handwerker dem Nest kommen dürfen. „Derzeit halten wir ungefähr zehn Meter Abstand“, sagt der Architekt.

Wie berichtet, braucht die fast 300 Jahre alte Pfarrkirche St. Jakob dringend eine Verjüngungskur. Heuer ist zunächst der Turm an der Reihe. Bis Ende August sollte das Mauerwerk ausgebessert werden, da an vielen Stellen der Putz abbröckelt. Außerdem ist ein neuer Anstrich geplant. „Die Farbgestaltung bleibt die alte“, sagt Kirchenpfleger Dichtl. Auch der Sockel muss saniert werden. Dort dringt aktuell noch stellenweise Wasser ein.

400 000 Euro hatte die Kirchenstiftung ursprünglich für diese Arbeiten vorgesehen. Da die Aufträge günstiger als gedacht hatten vergeben werden können, rechnete Dichtl zuletzt mit 300 000 bis 350 000 Euro. Dadurch, dass das Gerüst nun länger stehen bleiben muss, wird es nun doch wieder teurer.

Wann das Kirchenschiff renoviert wird, steht weiterhin nicht fest. An dessen Dach lösen sich die Schindeln auf. Außerdem gibt es im Innenraum an der Decke etliche dunkle Flecke. Zwei bis zweieinhalb Millionen Euro dürfte es kosten, diese Mängel zu beheben. Noch hat die Lenggrieser Pfarrei aber keine Rückmeldung vom Ordinariat. Dichtl rechnet auch nicht damit, dass die Maßnahmen heuer noch genehmigt werden. Ziel der Pfarrei ist es, dass zum 300-jährigen Bestehen der Kirche im Jahr 2022 alle Arbeiten über die Bühne gegangen sind.

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