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Laut aber etwas weniger „wuid“: Django 3000 um Frontmann Kamil Müller hauten die Klassiker raus, brauchten aber etwas Zeit, um aufzutauen.

Lenggrieser Festwoche

Übertrumpfungsgefahr - Django 3000 und Keller Steff im Bierzelt 

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Da lohnen sich 30 Euro Eintritt: Erst reißt die enorm engagierte Keller Steff Big Band 1200 Menschen mit, dann lassen die Gypsy-Rocker von Django 3000 ihre Fans so hemmungslos tanzen, dass die Gläser von den Tischen fallen. Ein wilder Konzertabend im Lenggrieser Bierzelt.

Lenggries Ist die Vorband zu schlecht, langweilt sie die Konzertbesucher. Ist sie zu gut, wird sie gefährlich – für den Hauptact. Akute Übertrumpfungsgefahr herrschte am Montagabend im Lenggrieser Bierzelt. Die Keller Steff Big Band hat Django 3000 zwar nicht die ganze Show gestohlen. Aber sie hat über eine Stunde lang so mächtig Druck gemacht, dass schon das Wort „Vorband“ für den Keller Steff und seine sechs fitten Musiker eine Beleidigung wäre.

Die Rolle der klassischen Vorband fiel „Los Brudalos“ zu – einer Isarwinkler Formation, die in „Bsuffn ohne Grund“-T-Shirts auftrat und zum Beispiel auf die „Eagle-Eye Cherry“-Melodie von „Save tonight“ die Worte „Sauf heid Nacht“ rappte. Geschmackssache.

Laut aber etwas weniger „wuid“: Django 3000 um Frontmann Kamil Müller hauten die Klassiker raus, brauchten aber etwas Zeit, um aufzutauen.

Um 20.18 Uhr betrat der Keller Steff mit umgeschnallter Akustik-Gitarre die Bühnen-Bretter. Aufgedreht, ja fast ein wenig hyperaktiv wirkte der bairische Songwriter vom Chiemsee. Aber auch die, die ihn zum ersten Mal live sahen, verstanden gleich: Der ist halt genau so. Laut, wild, geschwätzig – aber vor allem sympathisch und echt. Einer von ihnen. Und er profitiert von seiner Big Band, die einem ein tanzbares Soundbrett ins Gesicht knallte. Schlagzeuger Chris Stöger peitschte die facettenreiche Gruppe nach vorne. Zu gern möchte man wissen, was passiert, wenn der Mann mal nicht auf einem reduzierten Set spielt. Für den Groove sorgte Gerhard Zimmermann, er begehrte und schlug seinen Kontrabass so heftig, als verbinde ihn eine intensive Hassliebe mit ihm.

Und der Keller Steff? Der tat alles, damit es den 1200 Menschen im Zelt gefiel. Und alle kurbelten beim „Bulldogfahren“ und halfen beim „Kaibeziang“ kräftig mit. Da stand eine Band auf der Bühne, bei der jeder genug Raum bekam. Der Lohn für die Zuhörer waren Trompeten-, Bass- und Mundharmonika-Soli vom Feinsten.

Laut aber etwas weniger „wuid“: Django 3000 um Frontmann Kamil Müller hauten die Klassiker raus, brauchten aber etwas Zeit, um aufzutauen.

Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht: Auch bei Django 3000 tanzten die Fans hemmungslos. Sie hüpfen und rutschten auf dem Holzboden, dass die Gläser von den Tischen fielen. Doch gerade die Songs des neuen Django-Albums „Im Sturm“ sind ein wenig poppiger als die der drei Vorgänger. Mehr Keyboard-Teppiche und Klaviernoten: Das kann spannend sein und für Abwechslung sorgen, wie der Song „Dreggade Dog“ beweist. Der Weg weg vom handgemachten Gypsy-Pop à la „Danz ums Feia“ oder „Zeit fia ois“ könnte aber beim nächsten Schritt in die Radio-Beliebigkeit führen.

Auch von der Performance her hat man Django 3000 schon mal leidenschaftlicher erlebt. Sänger Kamil Müller – wohl der einzige Typ, der sogar mit Dreiviertelhose cool aussieht – taute immerhin im Laufe des Abends auf und band das Publikum in typischem Befehlston mehr ein. Florian R. Starflinger, ohne Haare und mit weniger Bart, brachte seine Geige zum leisen Schluchzen und lauten Aufheulen. Die geballte Spielfreude hat der Mann, der auf der Bühne gern am Weinglas nippt, inhaliert.

Die Fans feierten Djangos Off-Beat-Klassiker, während sich andere in der zweiten Konzerthälfte Richtung Bar und Raucherecke zurückzogen. Der Live-Musikliebhaber aus dem Isarwinkel aber bekam an diesem langen Abend „all inklusive“: Bairischen Witz und gestochenen Sound von absoluten Profis.

Bilder: Django 3000, Keller Steff und Los Brudalos im Lenggrieser Bierzelt

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