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Das Roche-Werk in Penzberg gehört zu den drei wichtigsten Standorten innerhalb des Untenehmens. Hier wird geforscht, entwickelt und produziert – zum Beispiel das Brustkrebs-Mittel Herceptin.

Im Porträt: Ulrich Opitz

Vom Schiffs- zum Hafenkapitän

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Mit fast 6000 Arbeitsplätzen ist die Firma Roche einer der größten Arbeitgeber südlich von München. An der Spitze steht seit Juli ein Lenggrieser: Dr. Ulrich Opitz.

Lenggries/Penzberg– Von der Regenjacke perlen noch ein paar Tropfen, als Ulrich Opitz sein Büro betritt. Das Gelände der Biotech-Firma Roche im Nonnenwald in Penzberg ist riesig, doch Opitz kennt sich bestens aus. Schließlich hat er den gewaltigen Wachstumsprozess selbst miterlebt. Vor 29 Jahren, als Opitz hier anfing, waren es 1500 Mitarbeiter, jetzt sind es 5800. Opitz hat sich hochgearbeitet, war zuerst Gruppenleiter, dann Abteilungs-, Hauptabteilungs- und Bereichsleiter, zuständig unter anderem für Prozessentwicklung, Anlagenplanung und internationale Projekte. Zuletzt war er acht Jahre Leiter der Pharma-Biotech-Produktion.

Dr. Ulrich Opitz (58) Werkleiter Roche Penzberg

Opitz Büro liegt im vierten Stock, unten, im Erdgeschoß, ist die Kantine. Auf die Frage, ob er denn da noch hingehe, schmunzelt der 58-Jährige. „Natürlich“, sagt er. Opitz kennt viele, und viele kennen ihn. Das „wir“, so ist im Laufe des Gesprächs immer wieder klar heraus zu hören, ist ihm wichtig.

Opitz stammt aus Regensburg. In der Schule habe er seinen Eltern „nicht immer nur Freude bereitet“, erzählt er. Doch im Leistungskurs Bio packte ihn dann das Interesse, und auf der Uni verfolgte er es weiter. „Regensburg war damals schon stark im Forschungsbereich Biochemie, das fand ich spannend.“ Was ihn reizte, war die Anwendbarkeit von Analysen. In der Diplom- und folgenden Doktor-Arbeit beschäftigte sich Opitz mit der Struktur von Eiweißmolekülen, „wie sie sich bilden und warum“, erklärt er für den Laien.

Weil seine Frau Birgitta eine Anstellung als Lehrerin in Wegscheid fand, zog das Paar nach Lenggries, und Ulrich Opitz bewarb sich in Penzberg, damals noch beim Roche-Vorgänger Boehringer Mannheim. Mit einem Team entwickelte er unter anderem das Medikament Reteplase, das bei der Bekämpfung von Herzinfarkten zum Einsatz kommt. Viele Entwicklungen im Pharma-Bereich hat Opitz von Grund auf mitverfolgt, etwa auch den Anlagenbau von Maschinen. Das Werk in Penzberg gehört mittlerweile zu den drei wichtigsten Standorten innerhalb des Unternehmens. Im Nonnenwald wird geforscht, entwickelt und produziert – laut Roche kann „kein anderer Standort die gesamte Wertschöpfungskette sowohl für Pharma als auch für Diagnostics an einem Ort anbieten“. In Penzberg wird zum Beispiel das Brustkrebs-Mittel Herceptin hergestellt. Es kommt weltweit zur Anwendung.

Opitz, Vater von drei erwachsenen Kindern, ist zwar Werkleiter in Penzberg und damit „das Gesicht nach außen“, wie er selbst sagt, aber organisatorisch für „nur“ 700 Mitarbeiter unmittelbar verantwortlich. Der 58-Jährige ist ruhig, wenn er spricht, stets sachlich und präzise. Er trägt keinen Anzug mit Krawatte, sondern Hemd, Pulli und Hose. War es nicht schwierig, immer wieder vom Kollegen zum Chef zu werden, über all die Jahre hinweg? Opitz schüttelt den Kopf. Vor einer Bewerbung habe er immer Wert auf Gespräche mit Kollegen gelegt: Traut ihr mir das zu? „Ihr Feedback war mir wichtig, immer ein Teil der Entscheidung.“

Auch heute, sagt er, habe er seinen Führungsstil nicht verändert. Vertrauen sei ihm wichtig. „Ich bin ein Mensch, der jedem einen Vertrauensvorschuss gibt, und ich gehe davon aus, dass jeder Gutes tut.“ Nur wenige Male sei er enttäuscht worden. Für den Wechsel in die Werkleitung hat Opitz selbst ein Bild vor Augen: „Ich bin vom Schiffskapitän zum Hafenkapitän geworden.“

Apropos Hafen: Sein persönlicher Hafen ist die Familie. In Lenggries kennt man vor allem Birgitta Opitz durch ihr großes soziales Engagement für Menschen, denen es im Leben nicht so gut geht. Für diese Arbeit bekam sie 2015 die Bürgermedaille. Ulrich Opitz zieht vor seiner Frau den Hut. „Ihr Einsatz war auch der Grund für mich, nie an einen anderen Firmen-Standort zu gehen“, sagt er offen. Und: „Diese Arbeit sorgt auch dafür, dass ich mit den Füßen auf dem Boden bleibe.“

Opitz legt Wert darauf, Freundschaften auch außerhalb des Roche-Umfelds zu pflegen. Er hilft im Vorstand des „Fördervereins Jugend- und Senioren“ und singt in zwei Chören. Außerdem kocht er gerne oder sitzt am Ende einer langen Arbeitswoche am liebsten mit einem „guten Glas Rotwein vor dem Kamin“.

Und wie hält sich der Chef eines Gesundheitskonzerns selbst fit? Opitz schmunzelt. „Im Sommer fahre ich gerne mit dem Rennrad zur Arbeit. Da bekommt man den Kopf frei.“ Aber ein kleines Laster hat er schon auch, oder? Opitz lacht: „Bei einem schottischen Whiskey sage ich nicht Nein“.

Apropos Gesundheit: Wie sieht’s denn aus mit seinen regelmäßigen Checks beim Arzt? Schnell wird Opitz wieder ernst: „Ganz wichtig. Je früher man etwas erkennt, desto besser kann der Arzt helfen.“ Auch ein Patient, sagt er, solle alle Informationsquellen nutzen, um mit dem Arzt über viele Therapiemöglichkeiten sprechen zu können.

Noch hat Ulrich Opitz keine Enkel. Aber wie soll diese Welt in puncto Gesundheit für sie in 40, 50 Jahren aussehen? Was wünscht sich der Forscher? Opitz denkt kurz nach. „Ich hoffe, dass einige der Krankheiten, die uns heute plagen, besiegt sein werden.“ Als Beispiel nennt er die Alzheimer-Forschung. „Digitalisierung und personalisierte Medizin werden dabei eine große Rolle spielen“. Trotzdem, sagt der 58-Jährige, und seine Augen umspielt ein Lächeln – ewiges Leben werde man nicht erfinden können. „Die Natur wird immer einen Grund finden, uns umzubringen.“

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