Lenggrieser Bürgermeister Stefan Klaffenbacher am neuen Ratstisch
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Von seinem Platz im neuen Saal hat Bürgermeister Stefan Klaffenbacher alles im Blick. Die 24 Gemeinderatsmitglieder sitzen an den in U-Form aufgestellten Tischen.

Großprojekt fast abgeschlossen

Umbau des ehemaligen Lenggrieser Posthotels: Ein U für den Gemeinderat

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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Mit acht Millionen Euro ist der Umbau des ehemaligen Posthotels eine der größten Investitionen der vergangenen Jahre für die Gemeinde Lenggries. Schmuckstück ist sicherlich der neue Mehrzwecksaal. Geht alles glatt, tagt der Gemeinderat dort zum ersten Mal im März.

Lenggries – Seit knapp zwei Jahren laufen die Umbaumaßnahmen in dem imposanten Gebäude an der Marktstraße, das einst als Waisenhaus diente, später als Posthalterei und dann als Gasthaus und Hotel. Viel ist in diesen zwei Jahren passiert: Der zweigruppige Kindergarten wurde bereits im vergangenen Herbst bezogen (wir berichteten). Derzeit findet aber wegen des Lockdowns nur eine Notbetreuung statt.

Aufzug sorgt jetzt für Barrierefreiheit

An der Treppe, die nach oben führt, wurde zuletzt noch gearbeitet. Der Unterbau stand schon in dem denkmalgeschützten Gebäude, die Holzstufen sind neu. Die Treppe müssen Besucher, die in die oberen Etagen wollen, aber gar nicht zwingend benutzen. Um das Haus barrierefrei zu gestalten, gibt es eine Rampe am Eingang und einen Aufzug. Der sieht innen noch ein wenig nach Baustelle aus, weil die Wände noch abgedeckt sind. „Darunter sind Spiegel“, erklärt der technische Bauamtsleiter Karl Ertl die Notwendigkeit der Schutzverkleidung.

Oberlichte, Lampen, Beamer - alles lässt sich im Sitzungssaal mit dem Tablet steuern

Im Prinzip fertig ist der erste Stock. Wie im Kindergarten bedeckt Eichenparkett im Fischgrätmuster den Boden, die Toilettenbereiche zieren Retrofliesen. Im großen Mehrzwecksaal mit historischer Bühne sind schon die Möbel aufgebaut. Die Tische stehen in einem offenen U. An ihnen sollen demnächst die 24 Gemeinderäte Platz nehmen – auf leicht rollbaren Stühlen, die kein Vergleich zu den schweren Massivholzexemplaren im Rathaussaal sind. Vor der kleinen Bühne steht ein weiterer Tisch, an dem der Bürgermeister sitzen wird. Weil die Beamer-Leinwand in seinem Rücken ist, hat Rathauschef Stefan Klaffenbacher noch einen großen Bildschirm vor sich, damit auch er die Sitzungsvorlagen und Pläne sehen kann.

Fliesen in Retrooptik wurden in den Sanitärbereichen verlegt.

Die Vorhänge – sie verbessern in erster Linie die Akustik im Saal – hängen, genauso wie die Lampen. Die Lichtfärbung – von Kalt- zu Warmweiß – und die Intensität lassen sich mit einem Tablet steuern. Das gilt auch für die Oberlichte an den Fenstern. Eine Bedieneinheit hängt neben der Tür an der Wand. Darauf herumdrücken können Besucher aber nicht so einfach – das Tablet verlangt die Eingabe einer Pinnummer. Klaffenbacher kann alles von seinem Platz aus steuern. „Er hat das Heft des Handelns in der Hand“, sagt Ertl und lacht.

Veranstaltungsraum für bis zu 100 Besucher

Im März soll der Gemeinderat zum ersten Mal im neuen Raum tagen. Derzeit finden die Sitzungen im Alpenfestsaal statt. Die Plätze dort sind mit Plexiglasscheiben voneinander getrennt. Diese ziehen mit in den neuen Saal, um alle Coronaauflagen zu erfüllen. In ihrem neuen Domizil werden die Räte zwischen den Scheiben aber deutlich besser zu verstehen sein, denn dort gibt es eine Tonanlage – auch für die Zuhörer eine deutliche Erleichterung.

„Wir können die Tische aber auch schnell abbauen und eine reine Bestuhlung aufbauen“, sagt Ertl. Kleinere Veranstaltungen oder auch größere Trauungen mit bis zu 100 Besuchern sind so möglich. „Es soll aber keine Konkurrenz zum Alpenfestsaal sein“, betont Klaffenbacher. Daher werde es auch keine Bewirtung im Saal geben. Lediglich in einem Nebenraum können Getränke oder ein kleines Catering vorbereitet werden.

Büros im zweiten Stock warten auf Mieter

Im zweiten Stock fehlt ebenfalls nicht mehr viel, bis alles fertig ist. Sechs Büroräume mit je 36 Quadratmetern sind dort entstanden, dazu eine Teeküche und sanitäre Anlagen. Zwei Büros könnten – bei Bedarf – auch noch mit einem eigenen WC ausgestattet werden, sagt Ertl. Alle nötigen Leitungen seien dafür verlegt. Diese Etage möchte die Gemeinde gerne vermieten, um Einnahmen zu generieren. „Es gibt Interessenten“, sagt Klaffenbacher. Mehr könne er im Moment noch nicht dazu sagen.

Helles Grau statt Gelb: Der neue Anstrich ziert das ehemalige Posthotel.

Günstiger Wohnraum für zwei Familien unterm Dach

Glücklich schätzen können sich jedenfalls die Mieter, die unter dem Dach einziehen werden. Zwei Wohnungen mit 100 beziehungsweise 120 Quadratmetern und Blick auf Geierstein oder Brauneck bekommen dort derzeit den letzten Schliff. Für den Bau hat die Gemeinde Fördermittel für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum bekommen. Entsprechend günstig werden die Vier- und die Fünf-Zimmer-Wohnung an einkommensschwächere Familien vermietet. Bewerbungen nimmt die Gemeinde bis Ende März entgegen (gemeinde@lenggries.de). Beheizt werden die Wohnungen wie der Rest des Hauses über die Fernwärmeleitung von der Hackschnitzelheizung am Schulkomplex.

Rund acht Millionen Euro hat die Gemeinde in die Sanierung investiert. Außer für die Wohnungen gab es aber auch Fördermittel für den Kindergarten und den Mehrzwecksaal. Auf insgesamt 3,3 Millionen Euro an Zuschüssen darf Lenggries hoffen. Bürgermeister Stefan Klaffenbacher jedenfalls gefällt das Ergebnis. „Es ist ein stimmiges Konzept.“ Ein großes Lob spricht er den beteiligten Handwerksfirmen – viele kommen aus der Region – aus. „Es hat alles sehr gut funktioniert.“

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