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14 Meter wandert der Überbau der Brücke flussbwärts.

Unterhalb des Sylvensteindamms

Hier wird eine ganze Isar-Brücke verschoben

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Lenggries - Das sieht man auch nicht alle Tage: Seit Samstag wird unterhalb des Sylvensteindamms eine Brücke verschoben. 14 Meter isarabwärts wird sie "wandern". Und danach geht die Arbeit eigentlich erst richtig los.

„Das ist auch für uns nicht alltäglich“, sagt Michael Kordon, Leiter des Staatlichen Bauamts in Weilheim, beim Pressetermin auf der Baustelle am Sonntagvormittag. Zu diesem Zeitpunkt ist der Überbau der Brücke – quasi die bisherige Fahrbahn – schon ein ganzes Stück flussabwärts gewandert. „Etwa eineinhalb bis zwei Meter“ verschiebt sie die österreichische Firma pro Stunde, erklärt Sven Maertz, Abteilungsleiter Ingenieurbau am Bauamt. Die Vorarbeiten wurden in der Nacht zum Samstag erledigt. Am Nachmittag begann dann das Schieben. An den Seiten, wo die Brücke bislang auf den Widerlagern auflag, wurden Stahlkonstruktionen aufgebaut. Über gefettete Teflonplatten gleitet das über 50 Meter lange Betonbauwerk nach Norden.

Dort, 14 Meter weiter flussabwärts, wurden in den vergangenen Wochen bereits neue Widerlager und ein provisorischer Mittelpfeiler errichtet. Auch die neuen Zufahrten sind bereits fertig asphaltiert. Diese Vorbereitung soll dafür sorgen, dass die Totalsperrung der B 13 möglichst schnell wieder beendet werden kann. Angepeilt ist Dienstag. „Möglicherweise können wir aber schon am Montag aufmachen“, sagt Julia Schneider, Gebietsinspektorin am Bauamt. Sie hat sich im Vorfeld vor allem um die Verkehrsführung gekümmert. „Die ist hier ja durchaus spannend“, sagt Behörden-Chef Kordon. Das Problem: Bei einer Sperrung der Bundesstraße an dieser Stelle ist nur eine sehr weiträumige Umfahrung möglich. Wer beispielsweise von Fall nach Lenggries will, muss den über 40 Kilometer langen Umweg über den Tegernsee in Kauf nehmen. „Für die Bewohner ist das natürlich nicht angenehm“, sagt Kordon. Auch deshalb habe man sich bemüht, die Sperrung so kurz wie möglich zu halten. „Ursprünglich sind wir ja mal von sieben Tagen ausgegangen.“

Dafür, dass die Sperrung niemand übersehen kann, hat die Straßenmeisterei Bad Tölz weiträumig Schilder aufgestellt. Die halten aber nicht alle ab. Gerade hält ein großer Reisebus vor der Baustellen-Absperrung. Der Fahrer steigt aus. Doch, doch, die Schilder habe er schon gesehen, sagt der Mann. Aber irgendwer habe ihm gesagt, dass er schon noch durchkomme. Die Eng ist das Ziel der Reisegruppe aus dem Schwäbischen. Julia Schneider erklärt dem Fahrer, dass es hier wirklich nicht mehr weitergeht, weil es  im Moment keine Brücke gibt. Ob sie denn nicht schnell im Bus sagen könnte, dass das Bauamt die Sperrung erst am Vorabend beschlossen habe, versucht der Fahrer seine Haut zu retten. Das macht Schneider nicht. Aber sie klettert in den Bus und erklärt der Reisegruppe, was gerade gebaut wird. Umdrehen muss der Bus dann natürlich trotzdem. Das gilt auch für die beiden Autos, die wenig später halten. Er habe halt gedacht, dass er schon irgendwie vorbeikomme, sagt einer der Fahrer mit Tölzer Kennzeichen.

Frei ist der Weg zum Damm nur für Fußgänger und Radfahrer. Damit sich kein Auto den Weg über die Radlstrecke bahnt, wurde diese an einer Stelle mit einem Betonteil verengt. 

Sobald die Behelfsumfahrung über die verschobene Brücke diese Woche geöffnet ist, beginnen die eigentlichen Sanierungsarbeiten. Die bestehenden Widerlager müssen angepasst werden. Darauf wird dann die neue Stahlverbundbrücke aufgebaut. Bis zum Frühjahr 2017 dauern die Arbeiten. Der Bund investiert rund 2,6 Millionen Euro.

Während der Bauarbeiten ist der Bootseinstieg an dieser Stelle nicht möglich. Auch an dieses Verbot halten sich nicht alle. „An Fronleichnam sind einige gefahren“, erinnert sich Schneider. Danach habe man die Bootsverbände noch einmal darum gebeten, auf ihren Internetseiten auf die Sperrung hinzuweisen. „Das war hilfreich.“ Zusätzlich verhindern nun Zäune den Einstieg.

Unterhalb des Sylvenstein-Damms: Isarbrücke wird verschoben

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