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Auch diese geschnitzte Erinnerung an das Dorf Alt-Fall dürfte bald im Sylvensteinsee versinken. Denn der Aufstau hat begonnen und schreitet in den kommenden Tagen voraussichtlich rasch voran.

Aufstau hat begonnen

Sylvensteinsee: Versunkenes Dorf versinkt noch einmal

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Lenggries - Die Grundmauern des versunkenen Dorfs Alt-Fall sind wieder im Wasser verschwunden – womöglich auf Nimmerwiedersehen. Seit einigen Tagen läuft der Aufstau des Sylvensteinsees. In einigen Wochen könnte wieder der gewohnte Pegel erreicht sein.

Es war ein Ereignis, wie es seit 1999 nicht mehr zu sehen war – und das es in absehbarer Zeit auch nicht mehr geben wird: Im November hatte das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim damit begonnen, das Wasser aus dem Sylvensteinsee abzulassen: immer weiter, bis der Pegel etwa 13 Meter tiefer lag als sonst um diese Jahreszeit üblich. Was zum Vorschein kam, entwickelte sich rasch zum Anziehungspunkt für tausende Ausflügler. Sie strömten in Scharen herbei, um durch die morastige Seegrund-Landschaft zu stapfen und mittendrin die letzten Grundmauern von Alt-Fall aufzuspüren, jenes versunkenen Dorfs, das 1959 für den Bau des Stausees verlegt wurde.

Das war freilich nicht Sinn und Zweck der Pegelabsenkung. Hintergrund waren vielmehr Bauarbeiten am Stausee. Das WWA setzte am Grundablassstollen ein Revisionsschütz ein – sozusagen einen Badewannen-Stöpsel in der Größe von vier auf fünf Metern. Wenn in dem Tunnel in Zukunft Revisions- oder Reparaturarbeiten anstehen, kann der Stollen damit verschlossen werden. Eine Absenkung des Seepegels wird also nicht mehr nötig sein – und die Reste von Alt-Fall bleiben womöglich für immer weit unter der Wasseroberfläche verborgen. „Eine weitere Absenkung ist nicht geplant“, bestätigt Andreas Bauer, der im WWA für Speicherbetrieb und -unterhaltung zuständig ist – nicht ohne ein Hintertürchen offen zu lassen: „Außer es steht wieder eine Baustelle an.“

Zuletzt hatte das WWA noch Rollen und Seile einbauen lassen, über die sich das Revisionsschütz öffnen und verschließen lässt. Das letzte Teil hatte die beauftragte Firma etwas verspätet geliefert. Inzwischen ist es aber eingebaut, und auch eine Testphase ist absolviert. „Natürlich wären wir gern ein bis zwei Wochen früher fertig geworden“, sagt Bauer. Insbesondere die Fischer hatten beklagt, dass der verzögerte Wiederaufstau zu Lasten der nächsten Fischgeneration gehe, weil die Niedrigwasserphase nun in die Laichzeit einiger Arten reiche. „Andererseits: Es wäre bis jetzt ohnehin kein Wasser für den Aufstau dagewesen“, so Bauer.

Schneeschmelze soll den See füllen

Nun aber kann sich der See dank der einsetzenden Schneeschmelze wieder füllen. Seit Donnerstag ist der Pegel bereits um drei Meter höher geworden, das Niveau stieg von 739 auf 742 über Normalnull. „Auf 750 Meter wollen wir wieder hinauf“, erklärt der WWA-Mitarbeiter. Das werde „in den nächsten Wochen“ erreicht sein. Wie lange es genau dauert, sei schwer vorauszusagen. „Wir müssen abwarten, wie es mit der Schneeschmelze weitergeht.“

Schon am Donnerstag könnte es einen richtigen Schub geben. „Für Donnerstag ist ja ein Wärmeeinbruch vorausgesagt, womöglich in Verbindung mit Niederschlag.“ Unter diesen Umständen würde viel Schmelzwasser den Speicher erreichen. „Der Zufluss könnte dann schon auf 70 bis 80 Kubikmeter pro Sekunde steigen“, prognostiziert Bauer. Gestern Nachmittag waren es 15 Kubikmeter, die jede Sekunde in den See strömten. „Bis Freitag ist es gut möglich, dass der Pegel noch einmal um zwei bis drei Meter steigt“, erklärt Bauer.

Und für den weiteren Verlauf ist ihm nicht bange. „Wenn man auf die Berge schaut, ist da genug Weiß“, stellt er fest. „Es sind also genügend Schneemassen vorhanden.“ Im schlechtesten Fall würde Föhnwind den Schnee einfach verdunsten lassen. Doch auch dann sei es lediglich eine „Geduldsfrage“, bis der Speicher wieder vollläuft.

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