Kein Betrieb herrschte in diesem Winter bei der Brauneck-Bergbahn.
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Kein Betrieb herrschte in diesem Winter bei der Brauneck-Bergbahn.

Bergbahnen und Lifte standen den ganzen Winter still

Von Brauneck bis Herzogstand: Die Skisaison ist beendet

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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  • Melina Staar
    Melina Staar
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Schnee hätte es reichlich gegeben in diesem Winter. Aber die Bergbahnen und Lifte standen dennoch still. Jetzt wurde die Saison endgültig beendet.

Lenggries/Kochel/Gaißach – Die Schneebedingungen sind ein Traum – doch am Montag vermeldeten die Alpen-Plus-Partner, dass sie die Lifte an Spitzingsee, Sudelfeld und Brauneck in dieser Saison definitiv nicht mehr einschalten werden. Bis zuletzt habe man gehofft, wenigstens noch für ein paar Wochen Skibetrieb anbieten zu können, berichtet Geschäftsführer Peter Lorenz: „Von dieser Hoffnung mussten wir uns nun nach den Verlautbarungen aus Bund und Ländern, die aufgrund wieder ansteigender Zahlen weitere Öffnungsschritte ausschließen, endgültig verabschieden“, bedauert Lorenz.

Die Kunden, die trotz der unsicheren Lage einen Saisonskipass gekauft haben, sollen jedoch nicht für ihren Vertrauensvorschuss bestraft werden. Sie erhalten in den kommenden Tagen ein Schreiben, in dem sie über das Vorgehen zur Rückerstattung oder Übertragung ihrer Karten informiert werden.

Die Skigebiete hingegen bleiben auf ihren Verlusten sitzen. Und die fallen drastisch aus, erklärt Alpen-Plus-Sprecherin Antonia Asenstorfer. So habe man für Grundbeschneiung, Personal und Überfahrtspachten für die Pisten rund 50 bis 60 Prozent der Ausgaben einer normalen Saison verbucht, aber nur zwei Prozent der sonst üblichen Einnahmen. Letzteres auch nur, weil man im Verlauf des Winters auf einigen der von Tourenskigehern, Rodlern und Winterwanderern hoch frequentierten Parkplätzen Gebühren verlangt habe. „Normalerweise ist das im Skipass inkludiert“, erklärt Asenstorfer.

Die Hoffnung ruht nun auf einem baldigen Sommerbetrieb

Besonders hart treffe es das Sudelfeld, das bislang kein Sommerangebot hat und ausschließlich von der Wintersaison lebt. Erschwerend komme hinzu, dass die von Bund und Ländern zugesagten Hilfen für die Seilbahnbranche nur bedingt greifen. „Wie vielen anderen Betrieben wäre uns und unseren Mitarbeitern am meisten geholfen, wenn wir unsere im letzten Sommer erfolgreich erprobten Hygiene- und Schutzkonzepte umsetzen und wieder unserer Arbeit nachgehen dürften“, seufzt Lorenz.

Die Hoffnungen würden nun auf einer zügigen Impfkampagne und klugen Teststrategien liegen, um zumindest mit den Bahnen am Brauneck, Wallberg und Spitzingsee bald in den Sommerbetrieb starten zu können, sagt Lorenz. „Auch wenn wir die entgangenen Umsätze des Winters keinesfalls damit ausgleichen werden können.“ Eins jedenfalls hätten die auch ohne Liftbetrieb gut gefüllten Pisten aber gezeigt, fügt Asenstorfer hinzu: „Die Leute lassen sich nicht einsperren. Wenn sie in die Berge wollen, machen sie das auch.“

Jetzt stehen Revisionsarbeiten an

Für den Reiserlift in Gaißach hat die Familie Gerg die Skisaison für beendet erklärt. „Wir fahren normalerweise bis 31. März“, sagt Anna Gerg. Sie rechnet nicht mit Lockerungen. „Dieses Jahr wäre es besser gewesen als letztes“, trauert sie den guten Schneebedingungen hinterher. Jetzt stehen am Reiserlift die üblichen Arbeiten an – und das Hoffen auf einen schneereichen nächsten Winter.

Auch Michael Krinner von den Kochler Ötzliften hat für diesen Winter abgeschlossen. „Auf unserer Höhenlage kannst Du es vergessen.“ Es sei extrem bitter. „Letzter Winter ist wegen zu wenig Schnee ausgefallen. Wir haben alle auf diesen Winter gehofft. Und dann wird man so ausgebremst“, so Krinner.

„Die Wintersaison ist durch“, sagt Jörg Findeisen, Betriebsleiter der Herzogstandbahn. Es sei von vornherein klar gewesen, dass unter den vorherrschenden Bedingungen ein Winterbetrieb nicht realisierbar gewesen wäre. Besonders weh tue es, weil dieses Jahr „Traumbedingungen“ vorgeherrscht hätten. „Aber wir werden es überleben.“ Es sind nicht nur die Skifahrer, die in diesem Jahr fehlen. „Letzten Winter hatten wir bei wenig Skibetrieb eine unserer umsatzstärksten Saisons.“ Das zeige deutlich, dass der Herzogstand ein Ausflugsberg sei.

Die neun Mitarbeiter, die sich seit Anfang Februar in Kurzarbeit befinden, führen in der Zeit des Stillstands Revisionsarbeiten durch. Das Schwierige aber sei die Perspektivlosigkeit. „Wie es derzeit aussieht, müssen wir Ostern auch zu haben. Normalerweise hatten wir da extrem gute Umsätze.“ Und auch, ob der Betrieb an Pfingsten wieder losgehen kann, steht in den Sternen. „Es ist undenkbar, diese Verluste wiedergutzumachen.“

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