Das Brautpaar Prinzessin Antonia und Kronprinz Rupprecht (vorne, Mitte) mit dem päpstlichen Nuntius Eugenio Pacelli (vorne links), rechts neben ihm die Brautmutter Großherzogin Maria Anna sowie am Tischchen Rupprechts Vater, der abgedankte König Ludwig III., der noch im selben Jahr verstarb.
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Das Brautpaar Prinzessin Antonia und Kronprinz Rupprecht (vorne, Mitte) mit dem päpstlichen Nuntius Eugenio Pacelli (vorne links), rechts neben ihm die Brautmutter Großherzogin Maria Anna sowie am Tischchen Rupprechts Vater, der abgedankte König Ludwig III., der noch im selben Jahr verstarb.

Historische Hochzeit

Vor 100 Jahren gaben sich Kronprinz Rupprecht und Prinzessin Antonia in Lenggries das Ja-Wort

Es war für Lenggries eines der letzten großen Ereignisse mit höfischem Glanz: Am 6. und 7. April vor genau 100 Jahren fand hier die Vermählung von Kronprinz Rupprecht von Bayern mit Prinzessin Antonia von Luxemburg statt.

Lenngries - Das Adelsgeschlecht der Nassau-Luxemburger, genauer gesagt die Witwe von Großherzog Wilheilm, Maria Anna residierte damals auf Schluss Hohenburg. Ihre sechs Töchter hatten Teile ihrer Kindheit und Jugendzeit dort verbracht, Antonia war auf Schloss Hohenburg geboren. Die Hochzeit von Rupprecht und Antonia wurde also sozusagen im Heimatort der Braut gefeiert. Und ganz Lenggries war auf den Beinen und feierte mit.

Ursprünglich war von Seiten des Brautpaares geplant gewesen, sich im engsten Familienkreis das Jawort zu geben. Kronprinz Rupprecht wollte nach den schwierigen Kriegszeiten und der im Zuge der Novemberrevolution von 1918 herbeigeführten Abschaffung der bayerischen Monarchie keine große Öffentlichkeit. Doch die Luxemburger-Familie und der Wittelsbacher Rupprecht waren bei den Einheimischen beliebt, die Beziehung des altersmäßig sehr ungleichen Paares galt als gewachsen und nicht als arrangiert. Die Gemeinde Lenggries bat also, die Eheschließung in die Pfarrkirche zu verlegen.

Luxemburger-Familie und der Wittelsbacher Kronprinz in Lenggries beliebt

Am Vortag um 17 Uhr hatte der Lenggrieser Bürgermeister, der Bäckermeister Georg Meßmer, auf dem Schloss die standesamtliche Trauung vorgenommen. Zahlreiche fürstliche Verwandte waren bereits eingetroffen. Dazu zählten unter anderem Prinz Franz von Bayern, die königlichen Hoheiten Prinzessin Helmtrud und Prinzessin Wiltrud, der Fürst und die Fürstin von Hohenzollern, der Herzog und die Herzogin von Braganza. „Trotzdem der festliche Abend mit regnerischem Wetter begleitet war, brachte der Lenggrieser Orchesterverein sowie die Liedertafel dem Hohen Brautpaare ein Ständchen dar. Der Gebirgstrachten-Erhaltungsverein erfreute durch gediegene oberbayerische Weisen“, war in einem „Eigenbericht aus Lenggries“ im Tölzer Kurier und in ähnlicher Weise in der Chronik des Trachtenvereins „Stamm“ nachzulesen. Überdies seien „zwei kleine humoristische Gedichte“ und „ein kleines Festspiel“ zur Aufführung gekommen.

Viele hoheitliche Gäste, wie Prinz Franz von Bayern

Am 7. April dann, es war ein Donnerstag, traf vormittags um 9 Uhr der vormalige König Ludwig III., der Vater des Bräutigams, ein. Zur Trauung in der Kirche wurde das Brautpaar nicht nur vom päpstlichen Nuntius, Monsignore Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., empfangen, der ein Freund der großherzoglichen Familie war und den erkrankten Kardinal Michael von Faulhaber vertrat. „Vom Kircheneingang bis zur Hauptstraße bildete die bunte Kompanie unserer Gebirgsschützen, an die sich sämtliche Vereine anschlossen, Spalier. Böllerschüsse meldeten die Ankunft der Hohen Hochzeitsgäste und des fürstlichen Brautpaares“, schilderte die Zeitung. Und ein weiterer Berichterstatter schwärmte: „Weißgekleidete Mädchen trugen festliche Girlanden, im Mittelschiff reihte sich Fahne an Fahne. Kopf an Kopf drängte sich das festfrohe Volk.“ Erhalten geblieben von dieser außergewöhnlichen Szenerie sind nicht nur Fotos, sondern auch ein Film, den der Lenggrieser August Maerz besitzt und hütet.

Glückliches Ende einer Liebes-Odyssee

Die große Freude über diese Hochzeit ist durchaus verständlich, hätte doch die Vorgeschichte dazu wahrlich Stoff für einen schicksalsträchtigen Liebesroman gegeben. Kronprinz Rupprecht, geboren 1869, war 30 Jahre älter als Antonia und in erster Ehe mit einer Cousine Antonias, Herzogin Marie Gabriele in Bayern, verheiratet gewesen. Von fünf Kindern aus dieser Ehe erreichte einzig Sohn Albrecht das Erwachsenenalter. Durch die verwandtschaftlichen Kontakte seiner Frau war Rupprecht auch mit den Hohenburger Schlossherrschaften gut bekannt. 1912 Witwer geworden, brachte der I. Weltkrieg dann das Leben des Kronprinzen in seiner Funktion als Oberbefehlshaber der Bayerischen Truppen in neue, verantwortungsvolle und risikoreiche Bahnen. Die im Februar 1918 erfolgte Verlobung mit Antonia löste er wieder auf, als er nach der Revolution und dem Sturz der Monarchie mit falschen Papieren auf abenteuerlichen Wegen von der Westfront zurückgekehrt war und vor einer äußerst unsicheren Zukunft stand. Zudem befand sich auch das Großherzogliche Haus in Luxemburg in einer problematischen Situation. „...Aus der Heirat wird nun nichts, die Wirren der Nachkriegszeit sind über uns hinweggestürzt...“, schrieb Antonia in ihr Tagebuch.

In der Pfarrkirche Lenggries herrschte großer Andrang, als sich das Brautpaar das Ja-Wort gab.

Während sie sich von ihrer tiefen Erschütterung mit einer weiteren musikalischen Ausbildung abzulenken versuchte, ließ Rupprecht sich nach mehreren Stationen schließlich in Berchtesgaden nieder und wurde schriftstellerisch tätig. Der Seelenschmerz der beiden Entlobten blieb ihrer Umgebung jedoch nicht verborgen – letztlich beschlossen Antonias Mutter und deren Schwester, die zugleich Rupprechts vormalige Schwiegermutter gewesen war, dem Schicksal etwas nachzuhelfen.

Wiedersehen der Liebenden bei Alpenwanderung 1920

„Ganz zufällig“ und unerwartet begegneten sich die Getrennten im Spätsommer 1920 bei einer Alpenwanderung. Nachdem sich aufgrund des angebotenen Vermögensausgleichs zwischen der neuen bayerischen Republik und dem angestammten Königshaus auch die persönliche Lage des Kronprinzen inzwischen geklärt hatte, stand der Wiederverlobung im Februar 1921 und der Hochzeit im April nichts mehr im Weg.

Die Freude in der Bevölkerung über die Hochzeit von Kronprinz Rupprecht von Bayern mit Prinzessin Antonia von Luxemburg (links im Bild) war groß.

Unterstützt von Ortspfarrer Dr. Josef Holzner und Monsignore Graf Preysing zelebrierte der Nuntius nach dem Eheversprechen das Pontifikalamt, das der örtliche Kirchenchor mit der Schubert-Messe und Mozarts gefühlvollem „Ave verum“ mitgestaltete. Danach, so steht es in den Aufzeichnungen, nahm das Brautpaar in Schloss Hohenburg die Glückwünsche der Gratulanten entgegen. Und trotz des starken Schneefalls, der am Abend einsetzte, habe es sich die Bevölkerung von Lenggries nicht nehmen lassen, den Neuvermählten vor dem Schloss ein Ständchen zu bringen.

Zerrende Kriegsjahre

Nur wenige Tage später fand dort auch die Hochzeit von Prinzessin Sophie sowie im November 1922 die Vermählung von Prinzessin Elisabeth statt – die beiden Schwestern von Antonia wählten aber einen kleineren Fest-Rahmen. Das kronprinzliche Paar begründete seinen Hausstand zunächst im Brandholzlehen in Berchtesgaden. Zwei der insgesamt sechs Kinder aus dieser Ehe, Prinz Heinrich und Prinzessin Editha, wurden aber wie ihre Mutter wiederum im Schloss zu Lenggries geboren.

Während des Zweiten Weltkriegs lebte Rupprecht im Exil in Italien und musste sich vor der Gestapo verstecken. Antonia und die Kinder wurden 1944 ins KZ gebracht, überlebten aber. (Rosi Bauer) Quellen: Jean Louis Schlim, Stephan Bammer, Benedikt Demmel, Jakob Ertl.

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