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Vor Gericht: Handgreiflicher Streit in einer Bar

„Es gab erhebliche Provokationen“

Eine Teenagerin (19) soll in einer Kneipe einen anderen Gast ins Gesicht geschlagen haben. Als eine Bekannte sich einmischte, bekam diese ebenfalls einen Schlag ins Gesicht, bei dem ihre Brille zu Boden ging. Nun trafen sich die an der Streiterei am 20. November vorigen Jahres beteiligten jungen Leute vor dem Jugendrichter in Wolfratshausen wieder.

Lenggries/Wolfratshausen Dort musste sich die 19-jährige Versicherungsangestellte wegen Körperverletzung verantworten. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt.

Zu vorgerückter Stunde hatte die angeklagte Lenggrieserin eine Bar im Ort besucht. Dort hielten sich auch ein ihr gut bekannter Heizungsbauer (20) und eine ehemalige Freundin (19) auf. „Er hat mich als Schlampe, Hure und Bitch bezeichnet, über eine Stunde lang, immer wieder“, erzählte die Angeklagte. Als sie den 20-Jährigen gefragt habe, „was sein Problem ist“, habe dieser ihr ein Weißbier über den Kopf geschüttet. In dem Moment habe sie ihm im Reflex ins Gesicht gegriffen und dabei wohl gekratzt.

Aus Sicht des jungen Burschen war der Ablauf etwas anders. „Sie hat erst mir eine Ohrfeige gegeben“, erinnerte sich der Zeuge. Dann habe seine Bekannte „eine Watschen gekriegt, dass ihr die Brille runterfliegt“. Das habe er nicht auf sich sitzen lassen und ihr „das Letzte, was ich noch im Weißbierglas hatte, drüber geschüttet“, sagte der 20-Jährige.

Und was war mit den Beleidigungen vorher? „Irgendwann habe ich das mit Sicherheit gesagt“, bestätigt er auf Frage des Richters.

Die Auszubildende, die sich kurzzeitig eingemischt hatte, hatte nur noch vage Bilder von dem Vorfall im Kopf. Die Angeklagte habe „von oben auf ihn eingeschlagen“, meinte sie sich zu erinnern. „Nach dem Weißbier hat sie mich nicht mehr interessiert“, sagte die junge Frau. Deshalb habe sie nicht mitbekommen, dass die Beschuldigte kurz darauf zusammengebrochen war.

Wie es dazu gekommen war, ließ sich nicht mehr rekonstruieren. Die Angeklagte behauptete, von dem Heizungsbauer „grob von hinten umklammert“ worden zu sein, was ihr „enorme Schmerzen“ bereitet habe. Im Krankenhaus wurden ein Steilnacken, ein Schleudertrauma und eine Rippenprellung diagnostiziert. Der 20-Jährige stritt ab, sie gepackt zu haben: „Mädels lange ich nicht an – das ist mein Grundprinzip.“

Eine neutrale und „mit keinem der Beteiligten befreundete“ Zeugin erzählte: „Wie es losging weiß ich nicht. Aber er hat ihr Bier über den Kopf geschüttet. Da ist sie ausgerastet…“. Alle drei Beteiligten waren mit Werten von 1,6 bis 1,8 Promille erheblich alkoholisiert.

Nach Anhörung aller Beteiligten und Zeugen waren sich Staatsanwältin, Verteidiger und Richter einig, dass es hier keiner Verurteilung bedurfte. Gegen Zahlung von 200 Euro an die Oberland-Werkstätten wurde das Verfahren eingestellt. „Es gab ganz erhebliche Provokationen“, hielt Jugendrichter Urs Wäckerlin der Angeklagten zugute. „Das war eine klassische Wirtshausstreitigkeit. Die hätte man früher ohne Verhandlung sang- und klanglos eingestellt.“  (Rudi Stallein)

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