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Die Lenggrieser Fachklinik soll zum 30. Juni geschlossen werden. Das Gebäude ist bereits verkauft.

Fachklinik Lenggries

Vorgehen von Asklepios „empörend“

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Lenggries - Nachdem der Asklepios-Konzern die Schließung der Lenggrieser Fachklinik bekannt gegeben hat, wird massive Kritik aus der Politik laut.

Die Schließungs-Ankündigung kam wie aus heiterem Himmel. Mitarbeiter und Betriebsrat wurden vor vollendete Tatsachen gestellt: Mit dieser Vorgehensweise, das Aus für die Lenggrieser Fachklinik zum 30. Juni bekannt zu geben, hat Asklepios Unmut auf sich gezogen. Kritik äußerten nicht nur wie berichtet die betroffenen Angestellten sowie der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl (CSU). Auch weitere Politiker lassen es nicht an deutlichen Worten mangeln.

„Meiner Wertevorstellung zur Zusammenarbeit und Umgang mit den Mitarbeitern und der Kommune entspricht das nicht!“ stellt Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) auf Facebook klar. Er selbst habe Anfang der Woche davon erfahren, dass die Klinik verkauft ist. „Die Schnelligkeit dieser Entscheidung und die Alternativlosigkeit zur sofortigen Schließung haben mich überrascht“, so der Landrat. Die Vorgehensweise von Asklepios sei „für die Gemeinde und vor allem für die Mitarbeiter nicht das, was man sich für einen kooperativen Umgang untereinander erhofft“.

Gleichzeitig erklärt Niedermaier, die Schließung sei „aus betriebswirtschaftlicher Sicht irgendwie nachvollziehbar“. Als Asklepios die Einrichtung 2013 übernahm, seien bei einer Überprüfung durch das Kreisbauamt schwere Brandschutzmängel am Gebäude zu Tage getreten. Die Behörde habe Asklepios enge Fristen gesetzt, um diese zu beseitigen. „Eine sofortige Nutzungsuntersagung konnte nur mit Mühe abgewendet werden.“ Seines Wissens habe der Konzern etwa 500 000 Euro in Sofortmaßnahmen investiert. Das Ergebnis sei aber lediglich ein „einigermaßen akzeptabler“ Sicherheitsstandard. Weitere millionenschwere Investitionen seien nötig.

Als „empörend“ bezeichnet der Kochler Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel (SPD), dass Asklepios die Mitarbeiter „aus heiterem Himmel und ohne klarzustellen, was die Gründe sind“, mit der Schließungsankündigung vor den Kopf gestoßen habe. Barthel, selbst langjähriger Gewerkschaftssekretär, kritisiert zudem, dass der Betriebsrat übergangen worden sei. Wie berichtet, erfuhr Betriebsratsvorsitzender Lothar Conrad erst eine Stunde vor dem Rest der Belegschaft von der Schließung. „Dieser Umgang mit einem gewählten Gremium spottet jeder Beschreibung“, sagt Barthel. Der Betriebsrat habe keine Möglichkeit zur Beratung und Mitbestimmung erhalten. Es gelte zu überprüfen, ob das Vorgehen von Asklepios überhaupt gesetzeskonform oder ob die Art und Weise der Schließung juristisch anfechtbar sei.

Barthel zieht Schlüsse für ein anderes aktuelles Thema der Kreispolitik. Die Ereignisse um die Fachklinik seien „typisch für das rein betriebswirtschaftlich geprägte Vorgehen privater Krankenhaus- und Pflegekonzerne gegenüber ihren Patienten und Beschäftigten“ und somit eine „neuerliche Warnung“ in Bezug auf die Pläne zur Privatisierung des Langgrieser Kreispflegeheims.

Völlig unabhängig von den Entwicklungen an der Fachklinik sieht Niedermaier die anstehenden Verhandlungen mit Asklepios über mögliche Zuschüsse des Landkreises für den Erhalt der Geburtshilfe an der Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz. „Wenn wir die Geburtshilfe erhalten wollen, geht das nur gemeinsam mit Asklepios.“ Es bestehe auch kein inhaltlicher Zusammenhang zwischen beiden Themen.

Barthel betont, dass der Landkreis im Fall einer finanziellen Unterstützung „verbindliche Regelungen“ mit Asklepios treffen müsse: „Es darf nicht sein, dass wir jetzt öffentliche Mittel reinstecken und Asklepios in ein paar Jahren sagt: ,Wir haben jetzt doch keine Lust mehr.‘“

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