Das Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr Anger hat der VW-Konzern zurückgekauft. 
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Das Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr Anger hat der VW-Konzern zurückgekauft. 

Erstaunlicher Fall

VW kauft von Gemeinde Lenggries Feuerwehrauto zurück - und legt sogar noch Geld drauf

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Der VW-Konzern hat von der Feuerwehr Anger ein sieben Jahre altes Einsatzfahrzeug zurückgekauft. Zum Originalpreis - und am Ende noch einmal einiges draufgelegt. 

  • VW kauft von der Feuerwehr Anger ein Einsatzfahrzeug zurück.
  • Teile des Fahrzeugs entsprachen nicht den gesetzlichen Anforderungen.
  • Am Ende legte der Konzern sogar noch Geld drauf.
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Lenggries Die Feuerwehr Anger braucht ein neues Einsatzfahrzeug. Warum das so ist – die Geschichte ist einigermaßen kurios. Wie berichtet gab es für den 2013 gekauften Crafter Anfang des Jahres eine Rückrufaktion von VW. Dabei ging es aber nicht um die Reparatur eines schadhaften Teils, sondern um einen kompletten Rückkauf des Tragkraftspritzenfahrzeugs, das vor dem Erwerb durch die Gemeinde auf Messen gezeigt und dann im Internet zum Verkauf angeboten worden war.

Im Rahmen interner Überprüfungen habe man festgestellt, dass in einem bestimmten Zeitraum Fahrzeuge verkauft wurden, „bei denen der Bauzustand möglicherweise nicht dem zum Vermarktungszeitpunkt aktuellen Serienstand entsprochen hat“, heißt es in den Schreiben von VW an die Gemeinde Lenggries. Im Falle des Einsatzwagens könne man „nicht zweifelsfrei nachvollziehen, ob Einschränkungen einzelner Systeme vorliegen könnten“. Weitere Informationen gab es – trotz hartnäckiger Nachfrage der Gemeinde – nicht.

Lenggries: Das VW-Einsatzfahrzeug wurde bereits im Februar außer Dienst gestellt

VW bot für das sieben Jahre alte Einsatzfahrzeug den vollen 2013 gezahlten Preis, also knapp 89 000 Euro. Im Februar hatte der Gemeinderat beschlossen, das Rückkaufangebot anzunehmen, wie Kämmerer Michael Wenig in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Erinnerung rief. Noch im Februar wurde das Fahrzeug stillgelegt. Kurzfristig lieh die Lenggrieser Feuerwehr den Nachbarn ein Einsatzfahrzeug. „Mittlerweile haben wir als Übergangslösung ein TSF etwas älteren Baujahrs erworben“, sagte Wenig. Tatsächlich stammt das Fahrzeug aus dem Jahr 1991.

Feuerwehr Anger verhandelt mit VW nach und holt weitere 10.000 Euro raus

In der Zwischenzeit liefen aber auch noch einmal Verhandlungen mit VW. Die Feuerwehr möchte nämlich gerne den gesamten Aufbau behalten, „weil er einfach zu 100 Prozent dem entspricht, was sie brauchen“, so Wenig. Tatsächlich habe VW auch zugestimmt, dass die Sonderaufbauten demontiert werden können und nur das Fahrgestell zurückgegeben werden muss. Zudem habe der Konzern dank des geschickten Nachverhandelns auch durch den Kommandanten noch einmal 10 000 Euro auf den Originalkaufpreis draufgelegt, so Wenig.

Der Gemeinderat von Lenggries hat zwischen zwei Varianten für den Ersatz des Fahrzeugs entscheiden müssen 

Für die Neuanschaffung des Einsatzfahrzeugs gibt es nun zwei Möglichkeiten. Variante 1: Die Gemeinde kauft ein DIN-gerechtes Neufahrzeug. Dafür gäbe es Zuschüsse. Allerdings darf das Fahrzeug nicht mehr als 4,75 Tonnen wiegen. „Das alte Fahrzeug hatte aber schon fünf Tonnen“, verdeutlichte Wenig das Problem. Die Kosten, die die Gemeinde nach Abzug des Zuschusses und des VW-Betrags hier zu schultern hätte: rund 25 000 Euro. 

Variante 2: Der Aufbau wird weiterverwendet, die Gemeinde kauft lediglich ein Fahrgestell dazu und lässt einen Allradantrieb nachrüsten. Das wäre der dringende Wunsch der Feuerwehr. „Und es ist auch die wirtschaftlichere Lösung“, sagte der Kämmerer. Zwar gibt es dafür keine Zuschüsse, nach Abzug des Betrags, den man von VW bekommen hat, müsste die Gemeinde aber voraussichtlich nur noch rund 9000 Euro drauflegen.

VW-Deal mit der Feuerwehr: Gemeinderat und Bürgermeister stimmen zu

Bürgermeister Markus Landthaler (FWG) wollte die Rückrufaktion an sich „nicht weiter kommentieren. De facto brauchen wir ein neues Auto.“ Die Feuerwehr – allen voran der Kommandant – habe sich viel Arbeit gemacht, um die beste Lösung auszutüfteln. Der Vorschlag, alter Aufbau, neues Fahrgestell, „ist sehr gut durchdacht“. Zudem gebe es hier den Vorteil, „dass wir das Ganze in einem überschaubaren Zeitraum abwickeln können und dann wieder ein Fahrzeug haben, das man nutzen kann“, ergänzte Vize-Bürgermeister Franz Schöttl (CSU). Für Dritten Bürgermeister Günter Haubner (FWG) war „entscheidend, was die Feuerwehr selber will. Die muss schließlich mit dem Fahrzeug arbeiten“. Dem schloss sich der gesamte Gemeinderat an. Einstimmig wurde dafür gestimmt, Variante 2 umzusetzen.

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