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Konzentriertes Spiel: Andreas Kobinger bei seinem Klarinetten-Solo. Alois Leichmann dirigiert die Lenggrieser Blaskapelle beim Frühjahrskonzert in der Mehrzweckhalle.

Walzerlust und Ohrwürmer

Mit welchem Musikstück leitet man ein Konzert ein? Ein Konzert, das meistens den Höhepunkt im Jahreslauf einer Musikkapelle bildet? Die Lenggrieser Blasmusik unter Leitung von Alois Leichmann hatte sich als Auftakt für ihr traditionelles Frühjahrskonzert den Eröffnungsmarsch der Oper „Carmen“ von Georges Bizet vorgenommen und damit eine gute und imposante Wahl getroffen.

Lenggries – Überhaupt wartete am Palmsonntag einmal mehr ein abwechslungsreiches Programm in der Mehrzweckhalle auf die mehr als 300 Zuhörer. Zur Auswahl gehörte auch ein Komponist, der wohl bei keinem Konzert fehlt: Johann Strauss. Mit dem Titel „Indigo und die 40 Räuber“ kam aber nicht die berühmte Walzerlust des Walzerkönigs Johann Strauss zutage, sondern vielmehr die Richtung zum musikalischen Bühnenwerk. Mit Paukenschlägen eine geheimnisvolle Atmosphäre schaffen, mit Querflöte und Klarinette aufbauen und schließlich mit umfassender Instrumentierung im Wechsel bedrängte und leichtfüßige Stimmung vermitteln – die Aufführung dieser Ouvertüre mit Schwierigkeitsgrad vier (Oberstufe) war einer der Höhepunkte des Abends.

Wie immer mit viel Spannung erwartet wurden natürlich die Soli. Beim „Concerto per Clarinetto – Allegro con spirito“ des holländischen Komponisten Kees Vlak war Klarinettist Andreas Kobinger gefordert. Die anspruchsvolle Melodie- und Tonführung meisterte er gebührend. Das honorierte das Publikum mit großem Applaus.

Solistische Einsätze für Trompete (Christian Klar) und Saxofon (Hans Lindner) dagegen beinhaltete der „Jazz Waltz No. 1“, eine moderne Walzerinterpretation von Otto Schwarz.

Und dann gab es nach der Pause einen weiteren herausragenden Auftritt, diesmal für Christian Klar und Anton Demmel: Mit ihren Trompeten zauberten die beiden Trompeter mexikanisches Temperament auf die Bühne beim Stück „Zwei Mexikaner in Böhmen“. Schon der Titel lässt erahnen, dass Komponist Mark Sven Heidt hier zwei verschiedene musikalische Welten miteinander kombiniert hat. Und in Verbindung mit diesem Titel erinnerte Moderator Alois Ostler an die Mexiko-Besuche der Lenggrieser Musikkapelle und die von dort in den Isarwinkel mitgebrachten Eindrücke.

Einen Abstecher in die östliche Hemisphäre hatte das Ensemble bereits zuvor gemacht und mit instrumentaler Furore den dramatischen Ansturm der mongolischen Reiterheere vor dem geistigen Auge auferstehen lassen – „Dschingis Khan“, so die Überschrift des Werks, das ebenfalls aus der Feder von Kees Vlak stammt.

Nach der viel gespielten voluminösen Filmmusik von „Star Wars“ ging das Programm über zur Kategorie der Ohrwürmer, wie Ostler ankündigte. Das Medley „80er- Kult“ von Thiemo Kraas beinhaltete Schlager wie „Skandal im Sperrbezirk“, „Tausendmal berührt“ und das fetzige „Rock me Amadeus“. Darüber hinaus setzte das Ensemble mit „Salemonia“ und „Alpenwelt“ versiert die Marschtradition der Musikkapelle in Szene und ließ mit der Polka „Musikantenstolz“ Egerländer Stil anklingen.

Den Abschluss markierte ebenfalls traditionsgemäß der Hohenburg-Marsch in Erinnerung an den Lenggrieser Altbürgermeister Georg Meßmer. Nach den Zugabe-Märschen „Kaiserin Sissy“ und „Gruß an Österreich“ wurden die 39 Musikanten vom Publikum schließlich entlassen – hinein in den „Palmmontag“, den es laut Ostler fast ausschließlich in Lenggries gibt: „Das ist der entspannende Tag danach, wenn die vielen Proben mit aller Konzentration und Aufregung überstanden sind.“ Rosi Bauer

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