Lebt jetzt im Mangfallgebirge: Auerhahn „Franz-Josef“. Bossert
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Lebt jetzt im Mangfallgebirge: Auerhahn „Franz-Josef“.

Balztoller Vogel umgesiedelt

Wanderer an Lenggrieser Hütte attackiert: Jetzt lebt Auerhahn „Franz-Josef“ an einem besseren Ort

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    VonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Er attackierte Wanderer an der Lenggrieser Hütte, weil er seinen Balzplatz verteidigen wollte. Das setzte Auerhahn Franz-Josef reichlich unter Stress. Jetzt lebt das Tier an einem besseren Ort.

Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach – Normalerweise sind Auerhühner sehr scheu. Doch zur Balzzeit – von März bis Mai – spielen die Hormone verrückt, und die Hähne versuchen, mit aufgeschlagenem Rad und klackerndem Gesang die Auerhuhndamen zu beeindrucken. In seltenen Fällen verliert ein Hahn dabei die Scheu vor dem Menschen und wird balztoll. Wenn das neben einer bei Wanderern beliebten Hütte passiert, kann es zu unangenehmen Begegnungen kommen. So geschehen im Frühjahr an der Lenggrieser Hütte am Seekar. Für den Hahn gab es nun aber ein Happy-End in einem neuen Rückzugsgebiet.

Ende März saß Auerhahn Franz-Josef plötzlich oberhalb der Lenggrieser Hütte

Irgendwann Ende März sei der Auerhahn einfach dagewesen, erinnert sich Hüttenwirtin Michaela Durach. Direkt oberhalb der Hütte habe „Franz Josef“ – so wurde der Vogel kurzerhand getauft – gesessen. „Jeder, der aus Richtung Grasleitenkopf kam, musste an ihm vorbei.“ Das Problem: Der Hahn, der sonst eigentlich in lichten Bergwäldern zu finden ist, hatte die Terrasse und den Umgriff der Hütte zu seinem Balzplatz erklärt und verteidigte diesen vehement gegen jeden vermeintlichen Konkurrenten. „Letztlich ist er zu jedem, der sich genähert hat, hingefetzt. Das war schon ein ziemliches Spektakel“, sagt Durach.

Einige der attackierten Wanderer seien ziemlich erschrocken, manche setzten sich zur Wehr. Das und der permanente Stress, das Gebiet verteidigen zu müssen, hinterließen Spuren. Franz-Josef war zunehmend erschöpft. „Das war ihm auch anzusehen, er hatte lange keine Zeit mehr für die Gefiederpflege und die Nahrungsaufnahme, da er rund um die Uhr mit der Verteidigung seines Balzplatzes beschäftigt war“, erklärt Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts.

Stress kann für die Tiere sogar zum Tod führen

Um dem Tier zu helfen, organisierten die Landratsämter Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen, die staatliche Vogelschutzwarte und die Forstbetriebe Schliersee und Bad Tölz gemeinsam eine Umsiedlung des balztollen Auerhahns. „Spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem die Berghütte für den Besucherverkehr öffnete, wäre der Hahn hier noch mehr unter Stress gestanden und sein Zustand hätte sich noch weiter verschlechtert, was bis zum Tode führen kann“, sagt Hannah Heither, Biodiversitätsberaterin am Tölzer Landratsamt.

Der Hahn wurde vorsichtig eingefangen und in ein ruhiges Gebiet im Mangfallgebirge mit weniger Besucherverkehr und geringer Konkurrenz anderer Hähne gebracht. „Am neuen Standort hat er sich erfreulicherweise sofort entspannt und merklich wohl gefühlt“, berichtet Florian Bossert, Gebietsbetreuer am Landratsamt Miesbach. Franz-Josef „verbrachte die erste Stunde in seinem neuen Lebensraum mit Fressen, der Pflege seines Gefieders und nutzte die ruhige Umgebung direkt für einen Erholungsschlaf. Dabei zeigte er keinerlei Balzverhalten oder Aggressivität.“ Ob er allerdings wieder rückfällig wird, bleibe abzuwarten.

Warum es bei manchen Tiere zu diesem fehlgesteuerten Verhalten kommt, ist unklar

Balztolle Auerhähne sind für die Population „verloren“, da sie nicht mehr von den Hennen akzeptiert werden und somit bei der Reproduktion keine Rolle spielen. Die Gründe für das fehlgesteuerte Verhalten sind nicht vollständig erforscht. Auffällig sei, dass balztolle Auerhähne fast immer an sehr frequentierten Stellen auftreten, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts. Wer auf einen balztollen Hahn stößt, sollte das sofort dem zuständigen Landratsamt melden, „damit das Tier gegebenenfalls gerettet werden kann“, bittet Elena Weindel von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen. Hüttenwirtin Michaela Durach vermisst Franz-Josef zwar ein bisschen, „aber ich freue mich auch, dass es ihm jetzt gut geht“.  

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