+
Man sei sich der Verantwortung für die Wege im Brauneckgebiet bewusst, sagt die Sektion. Es gebe Begehungen und Arbeitseinsätze.

Wanderwege am Brauneck

„Vorhof zur Hölle“ statt Wanderparadies?

  • schließen

Der Zustand der Wanderwege am Brauneck sei schlecht, hieß es am Rande der jüngsten CSU-Versammlung. Verantwortlich für einen Teil der Steige ist der Alpine Skiclub München. Die Alpenvereinssektion fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Lenggries – Der Vorwurf klang durchaus drastisch. Das Brauneck werde von der Gemeinde zwar als „Wanderparadies“ beworben, sei aber eher „der Vorhof zur Hölle“, wie es Christoph Brenninger in der CSU-Versammlung formulierte. Der Chef der Lenggrieser Bergwacht bemängelte den Zustand einiger Wege. „Wenn wir auf solchen Steigen einen Verletzten holen müssen, dann macht das keinen Spaß.“ Zudem sei die Beschilderung an verschiedenen Stellen „katastrophal“. An einem Taferlbaum sei die Benediktenwand gleich mehrfach ausgeschildert – mit Gehzeiten zwischen eineinhalb und vier Stunden, kritisierte Brenninger.

Bürgermeister Werner Weindl kann die Kritik nachvollziehen. Für die Wege oberhalb von 800 Metern sei der Alpenverein zuständig. Am Brauneck sei das die Sektion Alpiner Skiclub München, der auch das Gipfelhaus gehöre. „Bei anderen Sektionen funktioniert das Herrichten der Steige gut“, sagte Weindl. „Aber die Wege am Brauneck sind kein Renommee.“ Dabei wäre die Gemeinde durchaus bereit, sich im Zuge einer gemeinsamen Aktion mit der AV-Sektion an der Steigsanierung zu beteiligen, betonte der Bürgermeister. Derartige Kooperationen habe es auch schon gegeben. „Aber alleine geht es einfach nicht.“ Der Alpenverein sei „kein armer Verein. Den kann man nicht einfach aus der Verantwortung rauslassen.“

Den Vorwurf aus Lenggries will Sektionschef Wolfgang Hübner nicht auf sich sitzen lassen und räumt als erstes einmal mit einem Irrtum auf. „Unsere Sektion ist ausschließlich für die Wanderwege, oftmals nur schmale Pfade oder Steige, die in der Alpenvereinskarte BY 11 eine dreistellige Wege-Nummer tragen, zuständig.“ Es gebe durchaus auch im Brauneckgebiet Wege ohne Nummer, die eben nicht in die Zuständigkeit der Sektion fallen. „Unser Arbeitsgebiet umfasst 39 Quadratkilometer. Dort sind zehn Alpenvereinswege in unserer Obhut – zusammen ist dies eine Wegstrecke von 55 Kilometern.“

In den vergangenen zwei Jahren hatte der Alpine Skiclub mit einigen Umbrüchen zu kämpfen. Nach einem Schlaganfall im November 2014 fiel der langjährige Wegewart aus. „Nun war es nicht ganz einfach, einen ehrenamtlich tätigen neuen Wegewart zu gewinnen“, erklärt Hübner. „Das ist uns erst bei der Mitgliederversammlung im April 2017 gelungen.“ Dennoch habe es auch in den beiden Vorjahren Begehungen gegeben. 2016 habe man sieben Aktionen organisiert. „Natürlich gibt es Wege, auf denen wir Staunässe oder Ausspülungen feststellen mussten. Letztere führen zu dem unangenehmen Phänomen, dass immer wieder neue parallele Trittspuren, die die Grasnarbe zerstören, entstehen“, so Hübner.

Das war auch der Auslöser für eines der aktuellen Sanierungsprojekte der Alpenvereinssektion. Im Frühsommer 2016 habe man Kontakt mit dem Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch aufgenommen. Vorgesehen ist die Sanierung des Wegs 471 zwischen Bratröhrl und der Vorderen Scharnitzalm. Allerdings können sich solche Planungen durchaus ziehen. Das hat Gründe: Da die Sektion mit ihren „nur“ 500 Mitgliedern derartige Projekte nicht alleine stemmen kann, ist sie auf Fördermittel angewiesen. Die gibt es vom Freistaat, aber auch von der Bayerischen Versicherungskammer. Die Beantragung sei aber „mit einer umständlichen und zeitraubenden bürokratischen Prozedur verbunden“, erklärt Hübner. So müssen unter anderem von mindestens drei Firmen dafür Angebote eingeholt werden. Dafür wiederum sind Ortsbegehungen notwendig. „Die Wegebegehungen wurden bereits durchgeführt, die Angebote stehen noch aus.“ 20 Prozent der Kosten muss die Sektion am Ende übrigens auf jeden Fall selbst tragen.

Dass es Defizite bei der Beschilderung der Wege gibt, weiß Hübner. „Es ist eine Aufgabe, die uns schon seit Jahren in Atem hält und nur als kontinuierlicher Prozess zu bewältigen ist. Auch 2016/2017 wurden wieder diverse Schilder montiert.“

Generell, ergänzt der Sektions-Vorsitzende, sei man sich der Verantwortung für die Wege bewusst. „Wenn wir bei Kontrollgängen sicherheitsrelevante Zustände feststellen oder darüber informiert werden, werden wir selbstverständlich tätig.“ Der Wanderer müsse sich aber auch bewusst sein, dass er sich in der freien Natur bewege – „und ihm wird hier nicht jeder Stein aus dem Weg geräumt.“

An diesem Donnerstag ist Hübner übrigens in Lenggries zu Gast. Auf Einladung der Tourist-Info sprechen er und andere Beteiligte über das künftige Wanderwegekonzept der Gemeinde.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das sind die Wirtschaftspreisträger des Landkreises
Eine Laudatio in Reimform, musikalische Leckerbissen und würdige Preisträger: In einer kurzweiligen Feierstunde wurden am Dienstag die Wirtschaftspreise des Landkreises …
Das sind die Wirtschaftspreisträger des Landkreises
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Mittwochabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Mittwochabend
Doppelmord von Höfen: Anklage steht kurz bevor
Die Ermittlungen zu dem Doppelmord aus Höfen sind offiziell abgeschlossen. Die Täter müssen mit Anklage wegen Mordes und Mordversuchs rechnen.
Doppelmord von Höfen: Anklage steht kurz bevor

Kommentare