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Hölzerne Zweiräder: Peter Stöckl auf dem Nachbau des ersten Motorrads. Links daneben das Laufrad – die „Draisine“.

Porträt

Wegscheider Zweirad-Tüftler fährt nach Tirol

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Er hat schon als zweijähriger Bub die Räder am großen Leiterwagen seines Vaters geschmiert. Als Rentner baut Peter Stöckl nostalgische Maschinen am laufenden Band. Seine neuesten Werke: Nachbauten des ersten Laufrads und des ersten Motorrads.

Wegscheid – „Heuer muss es etwas Besonderes sein“, hatte sich der Wegscheider vorgenommen. Anfang des Jahres feierte Peter Stöckl seinen 70. Geburtstag und orientierte sich an einem anderen runden Geburtstag. Vor 200 Jahren baute Karl von Drais das erste Laufrad. Die „Draisine“ von 1817 gilt als Urform des heutigen Fahrrads. So hat Stöckl kurzerhand das hölzerne Laufrad nachgebaut. „Ich habe ja 1962 mal als Zweirad-Mechaniker angefangen“, sagt der Tüftler.

Stöckl ist zudem gelernter Motorradmechaniker und Betriebsschlosser sowie Spezialist für Metzgereiausstattungen. Für die Firma Nieros war er europaweit in der Entwicklung und Montage tätig. „Das war beruflich meine schönste Zeit“, sagt der Wegscheider. „Da konnte ich viele Ideen verwirklichen.“ Und die Ideen gehen ihm nicht aus. „Ich baue jedes Jahr ein oder zwei Fahrzeuge.“

Detailansicht: Der Motor des „Reitwagens“ ist zwischen den Stützen und Kreuzstreben eingebaut.

Neben dem ersten Laufrad ist so heuer noch ein originalgetreuer Nachbau das ersten Motorrads der Welt entstanden. Konstruiert hat es Wilhelm Maybach im Jahr 1885. Stöckl schwärmt von den technischen Details. Der Versuchsmotor mit 440 Kubikzentimetern Hubraum brachte eine Leistung von lediglich 0,5 PS. „Heute bringen Maschinen in dieser Größe bis zu 200 PS auf die Straße“, sagt Stöckl. Der historische Daimler-Reitwagen hatte eine sogenannte Glührohrzündung und einen Oberflächenvergaser. „Der lief nur mit Benzindämpfen“, sagt Stöckl. Für ihn ist es „ein Wunder, dass man mit diesem Gefährt in der Ebene überhaupt etwas mehr als Schrittgeschwindigkeit erreichen konnte“.

Der Nachbau des Motors, der zwischen den Stützen und Kreuzstreben platziert ist, war für den „Daniel Düsentrieb“ aus Wegscheid keine große Herausforderung. Ein Nachbau steht in einem Museum in Amerang. Dort hat Stöckl Maß genommen und sich in seiner Werkstatt in Wegscheid an die Arbeit gemacht. Ein wenig Kopfzerbrechen hat ihm lediglich das Material für Rahmen und Räder bereitet. Der Fahrzeugrahmen ist aus Eschenholz, die mit Eisen beschlagenen Räder sind aus Ulmenholz. In die seit Jahren hinter Stöckls Haus gelagerten Brettervorräte hatte sich der Holzwurm eingenistet. „Ich habe dann Gott sei Dank noch ein paar unversehrte Holzteile aufgetrieben“, erzählt Stöckl. Jetzt ist der Reitwagen fahrbereit. Aber es sei nicht ganz einfach, ihn zu steuern. „Das Vehikel ist kopflastig“, hat Stöckl festgestellt. Wegen der seitlichen Stützräder ist das Reitrad meist in einer leichten Schräglage und „schlenkert ein bisschen“. Stöckls persönlicher Testbericht: „Das Motorrad fährt nicht ganz freiwillig geradeaus.“ Dennoch ist der Wegscheider von dem Unikat, in das er 280 Arbeitsstunden investiert hat, begeistert. „Es ist ein richtiges Prachtstück geworden.“

„Schmiermaxe“ am Hinterrad eines hölzernen Leiterwagens: Peter Stöckl im Alter von zwei Jahren.

Die beiden Holzräder treten jetzt eine Reise ins benachbarte Tirol an. Stöckl überlässt sie als Leihgaben der „Achenseer Museumswelt“ in Maurach am Achensee. „Dort sind sie in guter Gesellschaft“, sagt er. In dem Museum stehen bereits 13 kuriose Maschinen und Nachbauten aus der Werkstatt des Wegscheiders.

Bei der Achenseer Museumsweihnacht am Freitag, 8. Dezember, ab 12 Uhr stellt Stöckl seine neuen Fahrzeuge persönlich vor. Er freut sich schon wieder auf viele Besucher aus dem Isarwinkel.

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