Mit Gitarre auf der Bühne begeisterte Werner Schmidbauer seine Zuhörer im KKK.
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Mit Gitarre auf der Bühne begeisterte Werner Schmidbauer seine Zuhörer im KKK.

KKK

Werner Schmidbauer erfreut das Publikum solo mit „Bei mir“ in Lenggries

Liedermacher Werner Schmidbauer tritt vor 70 Zuschauern im KKK in Lenggries auf und erfreut sein Publikum mit „Bei mir“.

Lenggries – Erst war der Auftritt im Biergarten des Arabella-Brauneck-Hotels geplant, doch in kluger Voraussicht hatte sich Sabine Pfister dann doch einen Saal gesichert. Und tatsächlich war der nass geregnete Biergarten verwaist, während das Creaktivum so dicht gefüllt war, wie es die Corona-Richtlinien aktuell zulassen. „Werner Schmidbauer heute vor 70 Leuten – statt vor 3000“, sagte Pfister. Sie fühle sich geehrt, dass er unter diesen Umständen trotzdem nach Lenggries gekommen sei. Wie mittlerweile üblich gab es zwei Konzerte hintereinander, sodass es letztlich doch 140 Zuhörer waren, die in den Genuss von Schmidbauers Soloprogramm „Bei mir“ kamen. Gute 90 Minuten (ohne Pause) saß er da mit Gitarre auf der Bühne, sang und erzählte. „Griaß eich, wie schee: Richtige Menschen“, sagte er begeistert. Dass er den direkten Kontakt und die Rückmeldung seines Publikums genoss, war ihm im Verlauf des Auftritts immer wieder anzumerken. Es sei verblüffend, wie sich die Texte älterer Lieder in der Corona-Zeit quasi ganz von selbst verändert hätten, bemerkte der Liedermacher und Fernsehmoderator. Nach Lenggries habe er heute „ausschließlich Herzenslieder“ mitgebracht.

Herzenslieder und berührende Erzählungen

Und so besang er dann den „Momentnsammler“, der erkennt, dass es die schönen, kleinen, alltäglichen Momente sind, die ein gutes Leben ausmachen („Nix is so schee wia der Moment, wo ois so is, wias g’heert“), übte musikalische Kapitalismuskritik („I glaub’ ned an Geld, i glaub’ an Musik und an di“) oder erwies seiner Liebe zu den Bergen Reverenz. Diese Liebe habe der Vater schon früh geweckt, erzählte Schmidbauer. Doch in der Pubertät habe die Begeisterung, wenn der Vater am Wochenende um fünf in der Früh’ am Bett stand, um zum Aufbruch zu mahnen, doch spürbar abgenommen. „Für ihn hat gegolten: Wer vor neun Uhr morgens nicht auf dem Gipfel ist, der is a Preiss“, so Schmidbauer. Auf den Vater kommt er immer wieder zurück. Als Mittzwanziger sei er erstmals wieder mit ihm auf den Berg gegangen. An der nächsten geplanten Tour hatten den mittlerweile gefragten Musiker dann die Termine gehindert. Der Vater ging alleine – und verunglückte tödlich.

Liedermacher sonst mit Promis in den Bergen unterwegs

Dass dies ein Trauma bei dem Sohn hinterließ, wurde aus den Erzählungen deutlich. Anders als seine Spezln habe er den Rat des Vaters sogar als Pubertierender gesucht, erzählte Schmidbauer weiter. Und der habe auf seine unnachahmliche Art stets gemeint: „Mach’ nur, was du machst. Du machst es eh richtig…“ Diese Worte sind in ein Lied eingeflossen, das dem Vater gewidmet ist. Die Liebe zu den Bergen kann Schmidbauer auch in seiner Fernsehreihe „Gipfeltreffen“ im BR ausleben, in der er mit Promis aller Sparten einen bayerischen Gipfel bezwingt und diese dabei interviewt.

Auch über die Erlebnisse am Rande der Dreharbeiten plauderte er im KKK. So habe er bei einem Konzert in Garmisch einmal geäußert, wie gerne er sein Lieblingslied mal oben auf der Zugspitze spielen würde. Aber mit der Gitarre da rauf zu klettern, das war ihm dann doch zu anstrengend. Doch im Lockdown bekam er das Angebot, mit einer Materialfahrt nach oben zu dürfen. „Alleine auf der Zugspitze: Nur mein Kameramann und ich“, pries er das unfassbare Erlebnis. Und das Lied, das er da oben gesungen hat, gab er nun auch in Lenggries zum Besten. Es beschreibt das unglaubliche Glücksgefühl, das den Wanderer nach den Strapazen des Aufstiegs am Gipfel überkommt.

Bayrische Fassung von U2-Songs mit dabei

Neben den eigenen Kompositionen trug Schmidbauer auch ein paar Nummern bewunderter Kollegen vor, für die er eigene bayerische Fassungen gefunden hat, etwa „Oans“ nach dem Hit „One“ der irischen Rockband U2. Das Lied habe er in seinem ersten uralten Auto, in dem bloß die Stereoanlage neu war, in brutaler Lautstärke gehört. In der Version von Johnny Cash, der aus der Rocknummer eine zarte Ballade gemacht habe, sei es ihm dann später wieder lieb geworden. „Männer singen Liebeslieder nur, wenn sie frisch verliebt sind – oder sich getrennt haben. Aber ein Liebeslied über die Mitte einer Beziehung ist was ganz Besonderes“, meinte der Sänger und hub an: „Mia san oans, aber ned dieselben. Mia miassn uns ertrogn…“. Ein Corona-Klagelied hatte er übrigens auch dabei. Und der alte Lieblingssong, der auf den Ausspruch der damals zweijährigen Tochter zurückgeht: „Glück g’habt: Pferdln g’sehn!“ Wie weise seine kleine Tochter war, das Glück eben da zu suchen, wo es sich auch finden lässt, sei ihm gerade in der Pandemie erneut bewusst geworden. (Sabine Näher)

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