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Am Almbauern-Tisch (v. li.): Bezirksalmbauer-Stellvertreter Nikolaus Kohlauf, Bezirksalmbauer Hans Probst, der neue AVO-Geschäftsführer Hans Stöckl, AVO-Vorsitzender Georg Mair, Kreisobmann Peter Fichtner, Bürgermeister Werner Weindl, Staatsforsten-Leiter Rudolf Plochmann und der Behördenleiter des Grünen Zentrums, Rolf Oehler.

Wieder mehr Rinder auf den Almen

Passables Wetter und keine Wolfsattacken: Die Isarwinkler Almbauern waren zufrieden mit dem Almsommer 2017. Auf einen relativ frühen Frühling hatte zwar im April ein Kälteeinbruch der Vegetation noch einmal einen Rückschlag versetzt. Danach aber hatte es einen guten Futterertrag gegeben, so Georg Mair, der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO), in seinem Rückblick bei der traditionellen Almbauernversammlung am Josefitag im Lenggrieser „Wieserwirt“.

Lenggries – Im Bereich des AVO sind demnach 22 900 Rinder aufgetrieben worden – das waren 675 Stück mehr als im Jahr zuvor. Man könne insgesamt von einer Trendwende sprechen, denn bis vor drei Jahren war die Anzahl einige Sommer lang rückläufig gewesen. Dabei sei es aber aufgrund der klimatisch bedingten längeren Vegetationsperioden und des kräftigen Aufwuchses notwendig, mit ausreichend Beweidung der Verbuschung vorzubeugen. Zugenommen hat auch die Zahl der Schafe auf den Almen, bei den Pferden allerdings waren es mit 473 um 81 weniger als im Vorjahr. „Schade“, meinte Mair dazu, „denn die Rösser haben als Almputzer auch eine wichtige Funktion.“ Ratsam sei eine Beweidung mit Augenmaß – wer das Futterangebot restlos ausreize, stünde im Falle von Wetterkapriolen vor dem Nichts. Almbewirtschaftung mit Augenmaß sei ebenso grundlegend für die Artenvielfalt wie auch für die touristische Attraktivität der Landschaft.

Dass die Angst vor Wolfsattacken einen Jachenauer Bauern veranlasst hatte, sein Vieh nicht aufzutreiben, fand Verständnis in der Versammlung. Es müsse ja gar nicht zu einem Riss kommen, es reiche schon eine Beunruhigung oder Panik in der Herde, um großen Schaden anzurichten, so Mair. Der AVO, der bereits verschiedene Exkursionen in Wolfsregionen benachbarter Länder unternommen hat, will sich weiterhin für wolfsfreie Zonen und die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht einsetzen. „Die vorgelegten Managementpläne bringen keine realistische Lösung für unsere Probleme“, erklärte der Vorsitzende. Es gäbe in Bayern 350 000 Hektar Weidefläche, die wiederum in 166 000 Flurstücke aufgeteilt ist. Für diese wären laut Fachinstitutionen 115 000 Kilometer Wolfszäune erforderlich, Kostenpunkt 350 Millionen Euro. Für das jährliche Nachrüsten seien 30 bis 40 Millionen Euro veranschlagt. „Und was die Almen betrifft, da ist das Zäunen und Eingraben in den Boden oft gar nicht möglich.“

Außerdem könnten dann auch noch die Landratsämter und Naturschutzbehörden ihr Veto einlegen: Dann nämlich, wenn es sich etwa um FFH-Flächen handelt, bei denen derartige Zäune der gewünschten ökologischen „Vernetzung“ entgegenstünden und somit keine Genehmigung bekämen, wie Mair erläuterte.

Die immer wieder propagierten Herdenschutzhunde – von denen man laut Berechnung 12 000 bräuchte – seien teuer und nicht ungefährlich für Wanderer und Touristen, die dann wiederum durch Zäune vor den Hunden geschützt werden müssten. Dass Theorie und Praxis nicht immer übereinstimmen, das könne man den Wolfsbefürwortern wohl am besten bei Begehungen draußen vor Ort nahebringen, stellte Mair fest. Die Almbauern hätten diesbezüglich mit dem Vogelschutzbund eine Tour auf den Roßstein unternommen.

Die Lenggrieser Bergwelt könnte übrigens im nächsten Jahr wieder Austragungsort der großen AVO-Almbegehung werden. „Denn da haben wir bis jetzt noch kein Ziel im Visier“, meinte der Vereinschef. Im Falle des Falles, so Bürgermeister Werner Weindl, sei die Gemeinde gerne zur Unterstützung bereit.

Rosi Bauer

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