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Gemeinsam gegen die Schweinepest: der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Wolfgang Morlang bei der Eröffnung der Hegeschau im Alpenfestsaal. Er erläuterte Maßnahmen gegen die stark zunehmenden Wildschweinpopulationen. 

Hegeschau eröffnet 

Wildschweine bringen die Schweinepest

Die Zunahme der Wildschweine und die Afrikanische Schweinepest waren die großen Themen bei der Eröffnung der Hegeschau im Lenggrieser Alpenfestsaal.

Lenggries Das Ergebnis des zurückliegenden Jagdjahres gab es am Wochenende im Lenggrieser Alpenfestsaal öffentlich zu besichtigen: Mit der Hegeschau vermittelte der Kreisjagdverband (KJV) Bad Tölz seine jagdliche Jahresbilanz, die das vorgegebene Abschuss-Soll diesmal nahezu zu 100 Prozent erfüllt.

Großes Thema bei der Eröffnungsfeier am Samstag aber war die Afrikanische Schweinepest und die Gefahr der Einschleppung und Ausbreitung durch die wachsenden Wildschweinpopulationen. Man habe zwar bisher in Deutschland keinen Seuchenausbruch, und es gäbe im hiesigen Umland auch keine größeren Schweinemastbetriebe, stellte Kreisjagdverbands-Vorsitzender Wolfgang Morlang fest. „Dennoch ist die Gefahr nicht zu unterschätzen.“

Die bisherigen Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Ausbreitung des Virus überwiegend durch den Transitverkehr mit betroffenen osteuropäischen Ländern begünstigt worden sei. Wildschweine würden entlang der Transitrouten weggeworfene kontaminierte Essensreste fressen und sich dabei anstecken. Der Ausbreitung der Krankheit müsse man nun mit gemeinsamen Anstrengungen begegnen. Der vom Bauernverband geforderte Einsatz von Nachtzielgeräten für eine erfolgreichere Wildschweinjagd sei laut Bundesgesetz verboten, wie auch der als Ehrengast anwesende Vorsitzende des Bayerischen Jagdverbandes, Prof. Jürgen Vocke, betonte. Immerhin sei bereits die Aufhebung der Schonzeit erfolgt – „der im Bundesjagdgesetz verankerte Muttertierschutz bleibt aber ganzjährig erhalten“.

Man müsse die Ängste und Forderungen der Bauern verstehen, appellierte BBV-Kreisobmann Peter Fichtner mit Blick auf die inzwischen von Osteuropa bis nahe an die deutsche Grenze herangerückten Schweinepest-Fälle. Es sei nicht die Frage, ob, sondern wann sie kommt. „Warum sollte sie ausgerechnet vor der deutschen Grenze Halt machen?“ Bei der Infizierung eines Schweines im Stall müsste der ganze Bestand gekeult werden, es würden Sperrbezirke ausgerufen, national drohe eine Sperre des unverzichtbaren Exports. „Die finanziellen Schäden durch wegbrechenden Absatz und die zusätzlichen Futterkosten in gesperrten Betrieben tragen alleine die Bauern. Nur amtlich angeordnete Keulungen würden von der Tierseuchenkasse übernommen.“ Man müsse deshalb alle Möglichkeiten nutzen, um die Gefahr zu stoppen.

Diesem Aufruf schloss sich auch Hans Killer, Vorsitzender des Waldbesitzerverbands Wolfratshausen, an. Und zwar nicht nur wegen der Seuchenabwehr, sondern auch wegen der gravierenden Flurschäden, die die Wildschweine anrichten. „Es gibt in Oberbayern schon Jagdgenossenschaften, die keinen Vorstand und in Nordbayern Reviere, die keine Pächter mehr haben, weil die Schäden so groß sind und die Regulierung nur Ärger bereitet.“

All diese abnormen Zustände gingen letztlich zu Lasten des ohnehin schon klimagestressten Waldes, „und das können wir überhaupt nicht brauchen.“ Die Sauenbestände einzudämmen sei absolut auch das Ziel der Jägerschaft, stellte Morlang klar. Es bedürfe dazu besonderer Maßnahmen: Jagd- und Fütterungskonzepte müssten überdacht, revierübergreifende Bewegungsjagden durchgeführt und nach Möglichkeit „schnelle Eingreiftruppen“ formiert werden.

Vorteilhaft sei zudem die Nutzung virtueller Kommunikation. Seitens der Landwirte müssten Schussschneisen angelegt werden. Eine weitere Alternative sei der Einsatz von „Saufängen“, die tierschutzgerecht aufgebaut und betrieben werden. Der Kreisjagdverband unterstütze zudem die Anschaffung und Ausbildung sautauglicher Hunde, staatlicherseits gäbe es eine Aufwandsentschädigung für Probenahmen.

Rosi Bauer

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