Vor Gericht stand ein junger Mann, der im Rausch mehrere Straftaten begangen hat.
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Eine Wirtin aus Lenggries musste sich vor Gericht verantworte, weil sie einen Polizisten als dumm bezeichnet hatte.

Amtsgericht

Wirtin aus Lenggries bekommt nach Corona-Demo in Bad Tölz Ärger mit der Justiz

  • VonRudi Stallein
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Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung stand jetzt eine Wirtin aus Lenggries vor Gericht. Hintergrund war ein Vorfall bei der Demo „Danz di frei“.

Lenggries – Nach sieben Monaten Lockdown und To-Go-Verkauf wollte eine Wirtin aus Lenggries bei der gegen die Corona-Politik gerichteten Demo „Danz di frei“ Ende April in Bad Tölz nur ein bisschen tanzen und Spaß haben. Doch statt des erhofften Vergnügens bescherte das Event der Gastronomin (65) Ärger mit der Justiz. Sie musste sich wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Beleidigung vor dem Amtsgericht verantworten. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.

Laut Anklage: Ohne Maske und Abstand bei Corona-Demo in Bad Tölz

Für die Veranstaltung am 25. April galten die üblichen Corona-Auflagen. Doch die Frau habe, so heißt es in der Anklageschrift, keinen Mund-Nasen-Schutz getragen und auch den Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten. Nach einem entsprechenden Hinweis des Versammlungsleiters habe sie ihre Maske zwar kurz aufgesetzt, aber bald wieder abgenommen. Deshalb nahm sich ein junger Polizist der Sache an. Dessen Aufforderung, ihre Personalien anzugeben, sei die Frau nicht nachgekommen. Stattdessen habe sie sich abgewandt und das Gelände verlassen wollen.

Der Beamte packte sie am Oberarm, die Frau versuchte, sich aus dem Griff zu drehen. „Das lasse ich nicht mit mir machen“, soll sie gesagt haben, „nicht von einem Jungen, der so dumm ist.“ Vor Gericht betonte die 65-Jährige: „Ich fühle mich total unschuldig.“

Angeklagte Wirtin aus Lenggries sagt vor Gericht, sie fühle sich unschuldig

Nach ein paar Tanzschritten – vorschriftsmäßig mit Maske – habe sie die Lust verloren. „Es war mehr Polizei da als Tänzer. Es hat mir keinen Spaß gemacht, mit 20 Hanseln zu tanzen“, erklärte sie dem Gericht. Deshalb habe sie sich ganz ans Ende des Platzes begeben, dort habe sie ihre Maske abgesetzt.

„Ich wusste nicht, dass es noch zum Demogelände gehört, ich habe doch ganz hinten gestanden“, sagte die Beschuldigte. Absperrungen oder andere Markierungen gab es vor Ort nicht.

Als der Polizist (25) ihre Personalien aufnehmen wollte, weil sie keinen Ausweis vorzeigen konnte, habe sie „Schiss gekriegt“, erläuterte sie. Plötzlich sei sie von Polizisten umringt gewesen. „Es war nur noch schwarz um mich herum. Ich habe in der Nacht davon geträumt“, beteuerte die Angeklagte.

Demonstrantin entschuldigt sich bei Polizist: „Das ,dumm‘ habe ich nicht so gemeint“

Der Polizist bestätigte, dass sie die Frau „mit fünf, sechs Beamten umstellt“ hatten, um sie am Weggehen zu hindern. „Lauter Schwarzgekleidete mit Maske, da drehen Sie durch“, sagte die Frau. Zu dem Polizisten, der sie festhielt, habe sie gesagt: „Sie sind noch so ein junger, dummer Polizist.“ Aus Sicht der Justiz ist das eine Beleidigung.

Nicht jedoch für die 65-Jährige. „Wer jung ist, hat noch keine Lebenserfahrung“, das habe sie damit ausdrücken wollen. „Das ist bairisch“, meinte die Angeklagte.

„Sie ist eine gestandene Wirtin, sie muss in ihrem Lokal vielleicht auch mal Leute rauswerfen, da sagt man schon mal so was“, sprang Rechtsanwalt Josef Hingerl seiner Mandantin bei. Diese entschuldigte sich bei dem jungen Polizisten: „Das ,dumm‘ habe ich nicht so gemeint.“

Verfahren nach Corona-Demo wird gegen Geldauflage eingestellt

Der Beamte, der den Vorfall angezeigt hatte, nahm die Entschuldigung an, bekundete auf Rückfrage des Richters aber auch, dass ihm trotzdem daran gelegen sei, dass die Frau bestraft werde.

Das wurde sie nur indirekt. Mit Zustimmung aller Verfahrensbeteiligten stellte Richter Helmut Berger das Verfahren ein – als Auflage muss die Lenggrieserin 500 Euro an die Oberland-Werkstätten zahlen.

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