Sorgt für gute Stimmung: Birgitta Opitz, die das Seniorenfrühstück organisiert.

Zehn Jahre Seniorenfrühstück in Lenggries

Abwechslung im oft eintönigen Alltag

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Zum zehnjährigen Bestehen des Lenggrieser Seniorenfrühstücks hat Birgitta Opitz nachgerechnet: 1800 Semmeln und Laugenstangerl sowie je 200 Kilo Wurst und Käse hat der Verein „Nur a bisserl Zeit“ bislang ausgegeben. Doch das gute, kostenlose Essen ist nicht der Grund für den Erfolg des Angebots.

Lenggries – Der zweite und der letzte Donnerstag eines Monats stellt für viele ältere Herrschaften in Lenggries eine willkommene Abwechslung im ansonsten oft recht einsamen und eintönigen Alltag dar. Dann nämlich findet im Pfarrheim Sankt Jakob ein Frühstück speziell für Senioren statt. 35 bis 40 Rentner treffen sich im Schnitt, um gemeinsam zu essen und zu ratschen. Jetzt im Januar feiert das Seniorenfrühstück bereits sein zehnjähriges Bestehen.

Auch Herbert Fussek (96) und seine Frau Gertrud (88) freuen sich auf die regelmäßigen Treffen. „Wir sind froh, wenn wir uns mit anderen Menschen unterhalten können“, sagt der Vater des renommierten Pflegeexperten Claus Fussek. Da das Ehepaar nicht mehr gut zu Fuß ist, holt Birgitta Opitz es ab und bringt die beiden nach dem Frühstück wieder nach Hause. Fusseks Dankbarkeit ist groß: Den „Engel von Lenggries“ nennt er die Vorsitzende des Vereins „Nur a bisserl Zeit“ respektvoll.

Wer die Wahl hat, hat die Qual : Beim Seniorenfrühstück wartet ein großes Büfett auf di e Teilnehmer. Fotos: kn

Fussek spielt damit nicht nur auf den Fahrdienst an, den sich Opitz mit Regina Weindl teilt. Die 58-Jährige war es auch, die vor zehn Jahren die Idee für das Seniorenfrühstück in die Tat umsetzte. Schon bei der Organisation der Kleider-Basare war ihr aufgefallen, wie gerne die Senioren nach dem Einkaufen noch bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen beisammen saßen. Als dann auch noch der damalige Konrektor der Mittelschule auf sie zukam und nach einem Projekt fragte, in dem sich seine Schüler einbringen könnten, machte Opitz ernst.

Fanden die Treffen anfangs nur einmal pro Monat statt, weitete die Gemeinderätin das Angebot bald auf zweimal pro Monat aus, außer in den Ferien. Den Senioren gefällt die Mischung aus launigen Gedichten zu Beginn, gutem Essen und den neuesten Informationen aus der Gemeinde für ihre Generation. Ab und zu besuchen die Kindergartenkinder die Treffen und singen für die Besucher. Regelmäßige Auftritte von Musikgruppen aber lehnen die Senioren ab. Anfangs verstand Opitz nicht so recht, warum. Dann klärte sie ein älterer Herr auf: Musik hörten die meisten oft genug allein zuhause. „Hier wollen wir uns unterhalten“, sagte der Mann damals zu Opitz.

Bei solchen Unterhaltungen werden neue Kontakte geknüpft, hat Opitz beobachtet. Manchmal leben auch alte Freundschaften wieder auf, wenn man beim Seniorenfrühstück plötzlich die ehemalige Banknachbarin aus der Schule wiedersieht. Ganz selten entstehen sogar kleine Romanzen. Allerdings besuchen mehr Frauen als Männer das Frühstück, die Chancen auf einen zweiten Frühling sind also eher gering. Der guten Stimmung tue das keinen Abbruch, sagt Opitz. Überrascht stellte sie fest, wie gut sich Alt und Jung in der Regel verstehen. Ein Schüler stellte sich einmal an den Ausgang, das Geschirrtuch galant über den Arm gelegt. „Wir hoffen, es hat Ihnen gefallen und Sie beehren uns bald wieder“, rief der Bub. Die Senioren, sagt Opitz, lieben so etwas.

Ansonsten kümmern sich die Teilnehmer an dem Projekt „Schülerübungsfirma“ der Mittelschule vor allem um den Service und den Einkauf. 1800 Semmeln und Laugenstangerl sowie je 200 Kilo Wurst und Käse haben sie in den vergangenen zehn Jahren besorgt. Bezahlen mussten die Senioren dafür nichts: Die Lebensmittel finanziert der Verein „Nur a bisserl Zeit“ aus Spenden.

Neben den Schülern gibt es viele weitere Helfer: Einige Vereinsmitglieder bereiten schon ab 9 Uhr die Wurst- und Käseplatten vor, schneiden Obst auf oder den Kuchen in Stücke. Pfarrei und Gemeinde stellen die Räumlichkeiten gratis zur Verfügung. Die örtlichen Bäcker und Metzger gewähren Rabatte. Die Gärtnerei Epp steure jedes Mal gratis den Blumenschmuck bei. „Das alles ist keine Selbstverständlichkeit“, betont Opitz. „Vergelt’s Gott.“

Besonderes Treffen

Zum zehnten Geburtstag findet am Donnerstag, 25. Januar, ein ganz besonderes Seniorenfrühstück statt. Die Buben und Mädchen von dem Projekt „Schülerübungsfirma“ der Mittelschule haben Überraschungen und Lose vorbereitet. Das Frühstück beginnt um 10.30 Uhr im Seniorentreff des Pfarrheims und endet um 12 Uhr.

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