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Gewusel herrscht im Lenggrieser Zustellstützpunkt. Elisabeth Rauchenberger (re.) und ihre Kollegen verteilen die vielen Weihnachtspakete auf zehn Bezirke in Lenggries und der Jachenau.

Zustellstützpunkt Lenggries

Das gelbe Christkind

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Lenggries – Bunte Umschläge, weihnachtliche Sticker und viele Pakete: Im Lenggrieser Zustellstützpunkt herrscht vor Weihnachten Hochbetrieb. So kommen die Geschenke unter den Christbaum.

Lichterketten, Tannenzweige oder Strohsterne, so etwas gibt es im Zustellstützpunkt nicht. Ein grüner Zettel an der Pinnwand erinnert an die Weihnachtsfeier, drei Ostereier baumeln verloren an einem Heizungsrohr. Für Adventsdeko ist keine Zeit. „Wir müssen ganz schön rödeln vor Weihnachten“, sagt Veronika Kaiser.

Gestresst wirkt die 49-Jährige trotzdem nicht, die Arbeit macht ihr Spaß. Sie ist eine von zwölf Zustellern, die in diesen Tagen dafür sorgen, dass die Weihnachtspost in Lenggries und der Jachenau ankommt. Über 2000 Pakete und 10 000 Briefsendungen sind es jeden Tag – doppelt so viele wie unterm Jahr.

Kaiser steht im Zustellstützpunkt, der seit gut einem Jahr an der Reiter-Säge untergebracht ist. Die zwölf Zusteller haben die ersten Pakete schon sortiert, als die Sonne noch gar nicht aufgegangen ist. Inzwischen ist es hell draußen und die zweite Lieferung des Tages kommt: Karten, Briefe, Kataloge und Zeitungen.

Das meiste wurde nachts schon in Kolbermoor maschinell sortiert. Die Maschine weiß bei jeder Adresse, in welchen der zehn Zustellbezirke die Post kommt. Manches kann die Maschine allerdings nicht lesen. Zum Beispiel die goldene Schrift auf dem roten Kuvert, der jetzt oben auf der gelben Postkiste liegt, auf der „G/Mbf Hand“ steht. Oder die geschwungene Schreibschrift auf der Weihnachtspostkarte.

Zusteller kennen Adressen auswendig

Elisabeth Rauchenberger (42) schnappt sich beides und legt es in das quadratische Holzfach im Regal, das eine Ecke im Zustellstützpunkt einnimmt. „02“ steht auf einem weißen Schild darüber – eine Liste über dem Regal erklärt, „02“ steht für Bahnhofstraße. Rauchenberger achtet nicht darauf. Sie kennt die Straßen und Bezirke auswendig. „Die schönen Briefe steigern sich. Dass Weihnachten näher rückt, sehe ich an den bunten Umschlägen“, sagt Rauchenberger lachend. Die 20 Prozent, die die Maschine in Kolbermoor nicht ordnen konnte, haben Rauchenberger und ihre Kollegen schnell im Regal verteilt.

Jetzt geht es ins Detail. Jeder der Zusteller nimmt sich die Post für seinen Bezirk, um die Briefe und Zeitschriften in die sogenannte Gangfolge zu bringen. „Das ist ein traditioneller Begriff, weil die Zusteller früher zu Fuß von Haus zu Haus gegangen sind“, erklärt Zustellstützpunktleiter Dieter Ritschl.

Heutzutage fahren die Postler mit dem Auto. Zwei Fahrräder sind noch unterwegs. Und das geht nur in der Lenggrieser Ortsmitte, weil dort so viele Pakete auszutragen sind, dass Franz Czerweny (19) sie extra mit einem kleinen Kleinlaster zu den Kunden bringt. Jetzt, in der Weihnachtszeit, sind es dort so viele, dass Teamleiter Birol Filiz (40) mit einem zweiten Lkw unterstützt. „Alleine würde es nicht gehen“, sagt Czerweny.

Veronika Kaiser fährt mit einem der Räder. „Ich mag das lieber“, sagt die 49-Jährige. Ihre Kollegen mit den Autos bringen nämlich neben Briefen auch alle Postpakete. „Die haben teilweise 30 Kilo“, sagt Kaiser entsetzt. Dafür muss sie bei Wind und Wetter durchs Dorf radeln. „Für uns ist es Massel, dass noch kein Schnee liegt.“

Sortierung im Regal: Veronika Kaiser und Andreas Glück ordnen Briefsendungen nach den Hausnummern im Ortszentrum ein.

Bevor Kaiser alle Briefe für ihren Bezirk aufs gelbe E-Bike lädt, bringt sie die vielen Umschläge in ihre Gangfolge, also die Reihenfolge, die sie später abradelt. Dazu steht sie vor einem Regal mit vielen Gitterstäben. Zwischen jedem Gitterstab ist ein Fach – jede Hausnummer im Ort steht nacheinander darunter auf dem Regalbrett. Manchmal ist auch ein Brief ans Christkind dabei, wenn ein Kind Lenggries auf den Wunschzettel geschrieben hat. „Die leiten wir weiter ans Christkindlpostamt in 51777 Engelskirchen, wo sie beantwortet werden“, sagt Zustellstützpunktleiter Ritschl.

Otto Fuchs sortiert im Regal neben Kaiser. „I love Jachenau“, steht da auf einem Magneten. Fuchs trägt dort seit 21 Jahren die Post aus. „Da kriegt jeder seine Weihnachtskarten und Briefe“, sagt der 53-Jährige. Die zu ordnen, ist bei Fuchs wohl am aufwändigsten – die traditionellen Jachenauer Bruchzahl-Hausnummern kann die Maschine in Kolbermoor nämlich nicht lesen.

Für die Post ist das sogenannte Handverteilen zwar nicht wirtschaftlich, aber Fuchs kommt damit gut klar. „Ich könnte die Briefe auch nach Namen zustellen“, sagt er. Eines ist ihm in den vergangenen 21 Jahren besonders aufgefallen: „Früher hatte ich 30 Packerl am Tag, heute sind es 80, obwohl auch andere Paketdienste in die Jachenau fahren“, sagt Fuchs.

Nach Weihnachten wird es nicht ruhiger

Das liege an den vermehrten Internetkäufen, meint Ritschl. Und tatsächlich stammen die meisten Pakete aus Versandhäusern, die mit der dritten Lieferung des Morgens kommen. Die zwölf Zusteller warten auf den Lkw, der sie aus dem Paketzentrum in Aschheim bringt. Neun Rollcontainer – bis oben hin gefüllt mit Kartons – hat er heute dabei.

Pakete über Pakete: Franz Czerweny lädt die Sendungen in der Reihenfolge ein, wie er sie später im Dorf ausfahren will.

Er lädt das erste Paket aus, das nicht in die Rollcontainer gepasst hat. Ein ängstliches „Wer bekommt’s?“ ist zu hören. Das Paket ist so groß wie ein Fahrrad. Czerweny und Filiz laden es zu zweit aus. Und dann geht alles ganz schnell: Im Vorraum des Zustellstützpunkts packen alle mit an. Die Päckchen aus dem Rollcontainer kommen in andere Rollcontainer – einer pro Bezirk.

Elisabeth Rauchenberger lädt ihre Briefsendungen und Pakete ins Auto. Veronika Kaiser kann schon losradeln – eingepackt in die blau-gelbe Postjacke. Sie hofft bis 17 Uhr fertig zu sein. Da wird es dunkel. „Das wird knapp“, sagt Kaiser. Die Überstunden gleicht sie erst im kommenden Jahr aus. Nach Heiligabend wird es erstmal nicht ruhiger: Infopost, Jahresabrechnungen und die Kunden tauschen Geschenke um, die nicht gepasst haben.

Und dann düst auch Rauchenberger los. Sie muss nach Vorderriß. Selbst hat sie übrigens noch keine Weihnachtspakete verschickt. „Ich warte noch ein bisschen. Nicht, dass sie vorher ausgepackt werden“, sagt die 42-Jährige und lacht. Laut Ritschl hat sie noch bis Montag Zeit. „Am 21. sollte man Inlandspakete spätestens abgeben und Briefe am 22., damit sie noch bis Heiligabend ankommen“, sagt der Zustellstützpunktleiter. Und an diesem Tag sind die Leute besonders freundlich und ruhig, weiß Rauchenberger. „Da freut sich jeder, wenn ich noch am letzten Tag was bringe.“

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