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Jugendbild aus der Zeit kurz vor dem Unfall: Kaspar Gerg (li.) und Franz Wagner bei einem Feuerwehrfest in Wegscheid in den 1950er-Jahren.

Nach schweren Unfällen

Zwei Lebensretter und ihre Wallfahrt

Lenggries - Einen Tag nach „Christi Himmelfahrt“ haben sich Kaspar Gerg und Josef Wagner vor 58 Jahren gegenseitig das Leben gerettet. Seitdem gehen sie regelmäßig gemeinsam auf Wallfahrt.

Josef Wagner rettete Gerg das Leben – und hatte selbst großes Glück.

Der Tag nach dem Fest „Christi Himmelfahrt“ hat sich den beiden Freunden Kaspar Gerg aus Wegscheid bei Lenggries und Josef Wagner aus der Jachenau tief ins Gedächtnis eingebrannt. Jedes Jahr fahren beide Männer an diesem Tag zur Röhrlmooskapelle in Fleck, um dort zu beten. Nicht etwa, weil sie den katholischen Feiertag nachträglich feiern möchten. Der Grund für die Wallfahrt ist ein anderer. Zu diesem Datum vor 58 Jahren waren beide Zeuge eines schrecklichen Arbeitsunfalls, der Gerg fast das Leben gekostet hätte. In der kleinen Kapelle bedanken sich beide dafür, dass er es doch überlebt hat.

Kaspar Gerg erinnert sich noch gut an den schweren Unfall vor 58 Jahren.

Es war der 18. Mai 1958, an dem sich das Unglück ereignete. Als die beiden ehemaligen Forstarbeiter am Brauneck zugange waren, einen Baum zu fällen, wurde der damals 23-jährige Gerg mit der Motorsäge schwer verletzt. Der Muskel des rechten Oberarms, die Lunge und auch das Herz wurden von der Säge erwischt. „Ich lief noch ein paar Meter den Hang hinab, war dann aber am Ende“, erinnert sich der 81-Jährige heute.

Am Ende seines Leben gewesen wäre er tatsächlich, wenn sein damals 20-jähriger Kollege und Freund Wagner nicht schnell reagiert, den Berg hinunter gerannt und in Wegscheid Hilfe geholt hätte. „Der Sepp hat etwas fast Unmögliches geschafft“, sagt Gerg. „Innerhalb von einer halben Stunde ist er nach Wegscheid gelaufen und war dann mit einer Trage wieder bei mir am Unfallort. Wäre er nicht so schnell gerannt, wäre es wahrscheinlich zu spät für mich gewesen.“

Wagner, der seinen Einsatz als „ganz selbstverständlich“ bezeichnet, erlebte seine Heldentat wie in Trance. „Ich bin wie mechanisch losgelaufen und habe nicht lange überlegt. Mein einziges Ziel war es, Hilfe zu holen.“ Gemeinsam mit dem Bruder Gergs – der Wagner sofort zur Hilfe eilte – trug der heute 78-jährige seinen Freund mit der Trage den Berg hinunter, wo schließlich auch schon der Rettungs-Sanka wartete.

Obwohl die Ärzte Gerg keine Chance gegeben haben, überlebte er schließlich seine schweren Verletzungen. „Ich habe mich nicht unterkriegen lassen und habe mich zur Verwunderung aller wieder recht schnell erholt. Es war ein Wunder.“

Doch dieses Wunder ist nicht der einzige Grund, weshalb Gerg heuer zum 56. Mal in der kleinen Wallfahrtskapelle „dem Herrgott dankt“. Auf den Tag genau ein Jahr nach dem schrecklichen Unfall, drohte bei Holzarbeiten im Schwarzenbachtal ein weiteres Unglück für die beiden Freunde zu geschehen. Dieses Mal wurde es für Wagner brenzlig. Wieder beim Fällen eines Baumes wäre der Jachenauer beinahe von diesem erschlagen worden – hätte Gerg ihm nicht das Leben gerettet, indem er gerade noch rechtzeitig „schleich Dich“ schrie.

Gerg deutete die beiden Unfälle als Zeichen. „Für mich ist seitdem klar, dass ich am Tag nach Christi Himmelfahrt nichts arbeite“, sagt er. „Es ist mein persönlicher Feiertag der Dankbarkeit.“

Magdalena Kratzer

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