Kulturerbe Leonhardi? Einige Gemeinden entscheiden gerade darüber. Foto: archiv

Leonhardifahrt als Weltkulturerbe: Ein weiter Weg bis zur Unesco

Bad Tölz-Wolfratshausen - Aktuell entscheiden verschiedene Landkreis-Gemeinden darüber, ob sie ihre Leonhardi-Fahrten und -Ritte für die Aufnahme auf die Liste melden wollen.

Sowohl über den Prozess der Bewerbung als auch über die Folgen einer Eintragung herrscht allerdings weitgehend Unklarheit. So hat es der Tölzer Stadtrat Mitte des Jahres abgelehnt, für die Leonhardifahrt eine Bewerbung als immaterielles Unesco-Weltkulturerbe abzugeben.

Dabei steht der Eintrag auf die Unesco-Liste gar nicht zur Debatte, zumindest nicht momentan. „Bis 30. November werden von den Bundesländern kulturelle Ausdrucksformen für die Landeslisten gesammelt“, sagt Benjamin Hanke, zuständiger Referent bei der Unesco in Berlin. „Danach trifft jedes Bundesland eine Vorauswahl und übermittelt zwei Vorschläge an die Kultusministerkonferenz.“ Dort werden eine Vorschlagsliste mit 32 Bewerbungen der Länder und zusätzlich zwei überregionale Bewerbungen erstellt. Dieser Vorschlag geht an Experten der deutschen Unesco-Kommission. Nach weiteren Prüfungen landet die Liste auf der Webseite dieser Kommission.

„Wer auf eine der drei internationalen Unesco-Listen möchte, muss zunächst auf die Deutschland-Liste kommen“, sagt Hanke. Jeweils zum 31. März kann die nationale Regierung Vorschläge an die Unesco senden, der Bewertungs- und Aufnahmeprozess dauert dann bis zum Ende des Folgejahrs.

Dann räumt Hanke mit einem Vorurteil auf, das auch vor der Entscheidung der Tölzer Stadträte die Runde machte: „Beim Weltkulturerbe steht der aktive Schutz und Erhalt von einzigartigen Stätten im Vordergrund. Aber aktuell, beim immateriellen Kulturerbe, geht es um Bräuche, um Traditionen, die von Menschen gelebt und überliefert werden, und die sich natürlich auch verändern.“

Laut Hanke sei es völlig abwegig, dass Bräuche durch die Aufnahme in eine Liste „festgeschrieben“, „überprüft“ oder sonst wie reguliert würden. „Es geht darum, eine möglichst treffende Zusammenstellung zu bekommen und das, was da ist, vor dem Verschwinden zu bewahren, nicht um Einmischung oder Regulierung.“ Der Tölzer Leonhardi-Lader Anton Heufelder hatte die Aufnahme in eine Liste abgelehnt, weil er Einmischung fürchtet (wir berichteten).

Die Aufnahme in die verschiedenen Listen ist ein fortschreitender und sich wiederholender Prozess. Bis 15. April melden die Länder an den Bund, bis Ende 2014 soll die erste Runde abgeschlossen sein. „Aber natürlich geht es dann weiter, denn Kultur, Brauchtum und Traditionen entwickeln sich ja ebenfalls weiter“, so Hanke. Damit gebe es keine endgültige Frist zu verpassen.

(Jens Hendryk Däßler)

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