Brachten Carl Orffs „Osterspiel“ auf die Bühne: Klaus Wittmann (li.) und Rainer Gruber. Foto: rbe

Lesung von Klaus Wittmann im Tölzer Marionettentheater 

Das Mysterium des Ostergeschehens in Literatur und Musik

Für die Kirche bildet die biblische Geschichte von Leiden, Tod und Auferstehung Christi den Höhepunkt des Kirchenjahrs. Zu allen Zeiten haben sich Künstler intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt – in der Malerei, der Dichtung und der Musik.

Bad Tölz – Man denkt dabei an Altarbilder, an Bachs „Matthäuspassion“, an Passionsspiele, vielleicht sogar an Wagners „Parsifal“, in dem man dem Thema von Erlösung durch Liebe, Entsagung oder Tod in abgewandelter Form begegnet. Auch der Münchner Komponist und Musikpädagoge Carl Orff, von dem es bislang nur die großartigen „Carmina Burana“ regelmäßig auf die Spielpläne in aller Welt schaffen, hat sich 1957 der Ostergeschichte aus einer sehr ungewöhnlichen Perspektive angenähert. Der gefragte Tölzer Sprecher Klaus Wittmann hat jetzt Orffs eher selten aufgeführtes „Osterspiel“ (der lateinische Titel lautet „Comoedia de Christi Resurrectione“) auf die Bühne des Marionettentheaters gebracht.

Es ist Nacht. Soldaten der römischen Besatzungsmacht bewachen das Heilige Grab. Eher naiv plaudern sie in bairischer Mundart – mal derb, mal ergriffen – über den Gekreuzigten und vertreiben sich die Zeit beim Kartenspiel. Neben ihnen lungert auf der Grabplatte unerkannt der Teufel, der die vorhergesagte Auferstehung mit aller Macht verhindern will. Ihn lässt Orff in gelehrigem Latein schwadronieren. Doch als er sich von den Landsknechten ablenken und zu einem Würfelspiel verleiten lässt, da erbebt die Erde mit Donnerschall – und so verpasst Luzifer prompt das göttliche Wunder.

Mit großer Vortragskunst und den vielen Facetten seiner Stimme gelang es Klaus Wittmann, in einer Person alle Tonlagen des dialogisch angelegten Textes zu treffen: hart skandierend die Rauheit der Soldaten; die verführerische und falsche Hinterlist des Leibhaftigen; das grausame Geschehen von Golgatha. Im eindringlichen Kontrast dazu wechselte er dann in zarte, leise Töne, wenn er den erwachenden Frühling schilderte.

Auch bei der Musik entschied sich Klaus Wittmann für eine Reduktion der Vorlage. Er verzichtete auf die ohnehin sparsame Orffsche Vertonung des Werks für Instrumente und Chor. Stattdessen ließ er sich in kleinstmöglicher Besetzung nur vom Tölzer Musiklehrer Rainer Gruber begleiten, der auf seinem Saiteninstrument und Akkordeon mit viel Lust an überraschenden Tonfolgen und Klangformen dazu frei improvisierte. Beide ernteten viel Beifall. Sie hatten gemeinsam etwas literarisch-musikalisch Besonderes geschaffen und ihr Publikum an das Mysterium des Ostergeschehens herangeführt. (Rainer Bannier)

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