+
Eine neue Kinowerbung soll Jugendliche und Erwachsene ermutigen, sich gegen Masern zu impfen.

Interview mit Dr. Franz Hartmann

Masernschutz auch für Erwachsene

Bad Tölz – Ab sofort startet in vier oberbayerischen Landkreisen, darunter Bad Tölz-Wolfratshausen, Kinowerbung, die Jugendliche und Erwachsene ermutigen soll, sich gegen Masern zu impfen. Wir haben bei Dr. Franz Hartmann, Leiter des Gesundheitsamts, nachgefragt.

Warum wird gerade in unserem Landkreis geworben? Hat das einen Grund?
Nein. Ich kenne den Grund nicht. Wir sind vom Ministerium gefragt worden und unterstützen die Aktion.
Warum richtet sich die Aktion gerade an Erwachsene?
Weil viele in ihrer Jugend nur eine Impfung bekommen haben. Es kommt auf eine zweite Impfung an. Manche glauben fälschlicherweise auch, dass sie schon Masern hatten.
Kann man sich überimpfen?
Dr. Franz Hartmann, Leiter des Gesundheitsamtes
Nein. Da braucht man keine Angst zu haben.
Es handelt sich um eine Kombi-Impfung gegen Masern, Röteln und Mumps. Wer bezahlt sie?
Immer die Krankenkasse.
Sind die Folgen von Masern für Erwachsene schlimmer als für Kinder?
Das kann man so nicht sagen. Die Verläufe sind bei Kindern und Erwachsenen individuell. Es gibt aber eine hohe Komplikationsrate. In einem von 1000 Fällen, das ist viel, entsteht eine Hirnentzündung. An dieser sterben 10 bis 20 Prozent. Ein Drittel trägt Hirnschäden davon.
Die Krankheit ist meldepflichtig. Haben Sie Fallzahlen für den Landkreis? 
Ja. 2011 hatten wir 10 und 2013 13 Fälle. In 2012 und 2014 gab es keinen Masern-Fall. 2015 ist mir nichts bekannt.
Gibt es eine Dunkelziffer?
Nicht nennenswert. Wegen der Schwere der Erkrankung kann ich mir das bei uns auch nicht vorstellen.
Sind Sie für die Impfpflicht?
Eigentlich nicht. Es widerstrebt mir als Arzt, jemanden zu zwingen. Allerdings muss ich zugeben, dass man mit der Impfpflicht auch die Pocken ausgerottet hat. Dann gäbe es keine Masernepidemie mehr wie jetzt in Berlin. Und es geht ja nicht nur um einen selbst, sondern auch darum, dass diejenigen geschützt werden, die sich krankheitsbedingt nicht gegen Masern impfen können. Wir müssen eine Herdenimmunität erzeugen.

Die Fragen stellte Christoph Schnitzer

Auch interessant

Kommentare