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Milchviehhaltung soll sich wieder lohnen: Dafür setzt sich Hans Falter, Kreisvorsitzender des BDM, ein. Selbst hält der Biobauer auf dem Hof in Unterleiten um die 50 Kühe.

demonstration in München 

Milchpreis auf Talfahrt: BDM protestiert

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Milchpreis ist im Keller. Beim Discounter wird der Liter für 51 Cent angeboten – dementsprechend wenig kommt bei den Erzeugern an. In dieser Krisensituation erhebt auch der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) im Landkreis wieder die Stimme.

Hans Falter (53) sitzt am Terrassentisch seines Hofs in Unterleiten (Gemeinde Dietramszell) und legt Auszahlungszettel eines Kollegen auf den Tisch: Im Januar 2014 bezahlte die Molkerei noch 40,90 Cent für einen Liter Milch. Mittlerweile seien es weniger als 30, sagt der BDM-Kreisvorsitzende. Sein Stellvertreter Hans Hainz aus Hölching (Gemeinde Dietramszell) rechnet durch: „Im Landkreis hat der Durchschnittsbetrieb 30 bis 35 Kühe und produziert um die 250 000 Liter. Wenn der Milchpreis um acht Cent sinkt, bedeutet das im Jahr 20 000 Euro weniger an Einnahmen.“

Die aktuelle Milchpreiskrise treibt die Bauern wieder auf die Straße. Andernorts protestieren die Landwirte vor Aldi- und Lidl-Filialen, wo Milchprodukte zum Spottpreis verscherbelt werden. Im Landkreis ist die Stimmung vergleichsweise ruhig, weil viele Betriebe ihre Milch an die Molkerei Berchtesgadener Land in Piding liefern. Und die bezahlt trotz allem weiterhin 38 Cent pro Liter aus. Geschäftsführer Bernhard Pointner lässt sich in einer Pressemitteilung zitieren: „Unser Vorteil liegt nicht im günstigen Preis, sondern in der Qualität der Produkte.“ Die Molkerei schafft es, dass diese Botschaft beim Verbraucher ankommt, so dass die Kunden im Supermarkt 1,10 bis 1,20 Euro für die „Bergbauernmilch“ ausgeben.

Alle Milchbauern im Landkreis profitieren freilich nicht davon. Hainz bekommt von seiner Molkerei aktuell unter 30 Cent – und zieht Konsequenzen. „Ich stelle gerade um auf Bio, weil ich das nicht mehr mitmache.“ Der 42-Jährige hat wieder eine Rechnung parat: „Damit der Bauer in unserer Region auf einen Stundenlohn von 24 Euro kommt, bräuchten wir einen Milchpreis von 48,9 Cent“, sagt er. Die Realität sieht freilich ganz anders aus: Viele Bauern müssten heute außerhalb des Hofs arbeiten gehen, um sich die Milchviehhaltung noch leisten zu können.

Falter ist schon seit Jahren Biobauer und daher selbst von der aktuellen Krise nicht so stark betroffen. „Die Biomilch hat die Talfahrt zum Glück nicht mitgemacht“, sagt er. Das aber könne sich ändern. Wenn immer mehr Bauern auf Bioproduktion umstellen, werde auch in diesem Segment die Milchmenge auf dem Markt so groß, dass die Preise abstürzen, fürchten Falter und Hainz.

Dass die Preise im Keller sind, das liegt laut der Kreisspitze des BDM schlicht daran, dass zu viel produziert wird. Die Milchquote ist abgeschafft, und zur Vorbereitung wurde den Bauern schon vorher Stück für Stück eine höhere Produktion erlaubt. „Der Verbrauch ist nicht so schnell gewachsen wie die Erzeugung“, stellt Falter fest. „Es gab zu viel Euphorie, dass der Weltmarkt das schon alles aufsaugt. Aber manchmal ist weniger mehr.“

Weniger produzieren: Das wäre für die BDM-Aktiven ein möglicher Weg aus der Krise. Hainz erklärt seine Vorstellung von einem „Marktkriseninstrument“: Eine Monitoringstelle solle die Produktionsmengen genau erfassen und ein „Frühwarnsystem“ entwickeln, „das Marktverwerfungen frühzeitig anzeigt“. Im Bedarfsfall sollten die Bauern verpflichtet werden, die Produktion um ein bis zwei Prozent zu drosseln, um Krisen wie die jetzige abzuwenden. Ein „relativ sicherer Erzeugerpreis“, das Bewusstsein, nichts zu produzieren, was gar nicht gebraucht wird, und Einnahmen, die auch die im Landkreis vorhandenen Standards bei der Tierhaltung finanzierbar halten – all das wäre Hainz lieber als manche Subventionszahlung.

„Leider hat die Politik gar kein Interesse, etwas zu ändern“, sagt er. Auch deswegen beteiligen sich er und Falter am Dienstag an einer großen BDM-Kundgebung in München – und hoffen, dass sich viele solidarische Berufskollegen anschließen.

Demo in München

Los geht’s am Dienstag, 1. September, um 11 Uhr mit einer Kundgebung am Odeonsplatz. Von dort startet um 12.30 Uhr ein Marsch zur Staatskanzlei. Wer mitfahren will, kann sich vorab bei Hans Hainz, Telefon 0160/ 5 02 60 98, melden.

Andreas Steppan

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