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Missbrauch und Misshandlung: Salesianer verpflichten sich, Täter zu stellen

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Benediktbeuern - Die Salesianer Don Boscos wollen sich bewusst „den dunklen Seiten“ ihrer Geschichte stellen. Deshalb hat sich der Orden in einer Selbstverpflichtung eine „Kultur des Hinschauens und Handelns“ auf allen Ebenen verordnet.

Von einer „Zeitenwende in Sachen Missbrauch“ spricht Pater Claudius Amann, Direktor des Benediktbeurer Klosters: „Wer künftig Grenzwertiges bemerkt, wird den Mut haben, es anzusprechen, statt versteckte Anzeichen zu übersehen.“

Diesem „gravierenden Einschnitt“ in der Geschichte des Ordens vorausgegangen war ein Dammbruch: Nach Aschermittwoch schnellten die Zahlen der Opfer, die in pädagogischen Einrichtungen des Salesianerordens in Deutschland misshandelt oder missbraucht wurden, in die Höhe - insgesamt meldeten sich bislang 84 Opfer. Die Fälle reichen bis in die 1950er-Jahre zurück.

Viel Schlimmes in der Vergangenheit hätte vermieden werden können, wenn Täter gestellt und Verantwortliche und andere nicht zu- oder weggeschaut hätten. Diesem schweren Vorwurf stellten sich die 72 Delegierten in ihrer Selbstverpflichtung.

Vor allem in einem drastischen Fall bereuen die Verantwortlichen, nicht gleich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet zu haben, als sich vor 20 Jahren drei Opfer meldeten. Im Rahmen neuerlicher Nachforschungen kam nun heraus, dass ein Ordenspriester zwischen 1971 und 1990 insgesamt 46 Kinder und Jugendliche im Rahmen seiner heilpädagogischen Tätigkeit sexuell missbraucht zu haben. Er war zwar schon 1990, als sich drei Opfer meldeten, vom damaligen Provinzial aus der pädagogischen Arbeit entfernt worden. Man zeigte ihn aber nicht bei der Staatsanwaltschaft an - und inzwischen sind die Fälle verjährt. Im April wurde der Mann vom Priesteramt suspendiert.

„Heute würden wir aus Sorge um die Opfer alles tun, den Täter gleich zu stellen“, sagt Klosterdirektor Amann. Er sei sicher, dass künftig nicht mehr „toleriert, weggeschaut oder versetzt“ wird, wenn Zweifel aufkommen. Amann: „Aus heutiger Sicht bewerten wir vieles anders und wir werden dahinter nicht mehr zurück gehen.“

Susanne Sasse

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