+
Am Freitag wurde die Jago von einem Autokran in den Walchensee gehoben.

Mission Kesselberg-Stollen: Mit dem Tauchboot durch den Tunnel

  • schließen

Walchensee - Gleich zwei Spektakel gab es am Freitag am Walchensee zu sehen: Oben die Sonnenfinsternis, unten das Einsetzen der „Jago“ in den See. Deutschlands einziges bemannte Forschungs-Tauchboot, das normalerweise in Kiel liegt, wird die „Mission Kesselbergstollen“ in Angriff nehmen.

Zwei Tage lang waren Teamleiterin Karen Hissmann und Pilot Jürgen Schauer unterwegs – mit einem drei Tonnen schweren Begleiter. Auf einem Spezialanhänger haben sie Deutschlands einziges bemanntes Forschungs-Tauchboot von Kiel nach Urfeld (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) transportiert. Die „Jago“. Am Freitag hat ihre Mission Kesselbergstollen begonnen.

Im Auftrag von Eon befährt das kleine gelbe U-Boot, in dem zwei Personen Platz haben, den 1,2 Kilometer langen Tunnel im Walchensee, um ihn auf Schäden zu überprüfen. Mit einem Autokran wurde das kleine Boot am Freitag über die Bäume hinweg in den See gehoben. An diesem Samstag sind einige Testfahrten angesetzt.

Alle zehn Jahre lässt Eon den Anfang der 1920er-Jahre gebauten Tunnel untersuchen. Dieser führt vom Walchensee zum sogenannten Wasserschloss. Der etwa 10 000 Kubikmeter Wasser fassende Bereich ist das Ausgleichsbecken für das 200 Meter tiefer liegende Kraftwerk. „Bei der letzten Untersuchung haben wir einen Tauchroboter eingesetzt“, sagt Eon-Sprecher Theodoros Reumschüssel. Die Bildqualität sei aber eher mäßig gewesen.

Das wird dieses Mal anders: Die Jago ist mit LED-Scheinwerfern und Foto- und Filmkameras ausgerüstet, berichtet Pilot Schauer. Mehr als 5000 Stunden hat er bereits am Steuer des Tauchboots, das eine Tiefe von bis zu 400 Metern schafft, verbracht. Gebaut wurde es 1989 für das Max-Planck-Institut, steht aber seit 2006 im Dienst des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel. Berühmt wurde es durch die Erforschung des Quastenflossers, jenes urzeitlichen Fisches, der lange als ausgestorben galt. „Es ist für uns die große Ausnahme, dass wir in Süßwasser tauchen“, sagt der Pilot. Obwohl er viel Erfahrung mit dem Manövrieren in engen Unterwasser-Höhlen hat, sei das Projekt am Walchensee sehr außergewöhnlich und anspruchsvoll. „Wir können zwischendurch eben nicht auftauchen“, sagt Teamleiterin Hissmann, die den Einsatz von der Oberfläche aus koordiniert.

Etwa eineinhalb Stunden wird die Fahrt durch den Tunnel mit einem Durchmesser von 4,80 Meter dauern. Zweimal wird die Jago die Strecke am Sonntag absolvieren. Am schwierigsten dürfte der Anfang werden: Am Beginn des Stollens sorgt normalerweise ein Rechen dafür, dass kein Treibholz in den Tunnel gerät. Die Stäbe können entfernt werden, nicht aber die Führungsschienen. Breite des Durchlasses: 2,19 Meter. Breite der Jago: 2,20 Meter. Aber auch dafür werde man eine Lösung finden, sagt Schauer zuversichtlich.

Bevor das Tauchboot in den Tunnel fährt, ist erst einmal das Team von „Submaris“ gefordert. Die Forschungstaucher müssen nämlich die Vorarbeit für die Mission leisten und eine Führungsleine durch den Tunnel legen. Diese hat im 50-Meter-Abstand Markierungen, die der Jago-Besatzung später die Orientierung erleichtern. „Wir wüssten sonst nicht, wie weit wir schon im Tunnel sind“, sagt Schauer. Auch Risse und andere Schäden können nur so verortet werden.

Für den Unterwasser-Archäologen und Forschungstaucher Florian Huber ist der Einsatz ein ganz besonderer: Der knapp 200 Meter tiefe Walchensee hat den Lenggrieser schon immer fasziniert. Schon lange versucht er beispielsweise herauszufinden, warum verschiedene Autowracks im See liegen. Außerdem vermutet er in großer Tiefe noch ein Flugzeugwrack, das er gerne näher unter die Lupe nehmen würde. Der Auftrag von Eon passte perfekt. Denn nachdem der erledigt ist, wird die Jago noch die ganze kommende Woche im Walchensee auf Tauchfahrt gehen. Auch Huber wird ab und zu mit an Bord sein. „Jede Minute da unten wird spannend“, sagt der 39-Jährige. „Dass meine erste Fahrt mit einem Tauchboot ausgerechnet im Walchensee stattfindet, hätte ich mir nie träumen lassen.“

Die Jago ist übrigens nicht das erste Tauchboot, das im Walchensee zum Einsatz kommt: Ihr Vorgänger-Modell, die Geo, war bereits 1988 in dem Bergsee unterwegs. Mit an Bord war auch damals schon Jürgen Schauer. Er begleitete den Meeresbiologen und Dokumentarfilmer Hans Fricke. Der Pöckinger verfolgte am Freitag vom Ufer aus das Einsetzen der Jago.

Das Forschungstauchboot Jago wird in den Walchensee eingesetzt

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brandschutz, Inklusion, Isar-Ranger: Diese neuen Stellen schafft das Landratsamt
Der Stellenplan sorgt jedes Jahr im Kreisausschuss für einige Diskussionen. So auch am Montag. Drei neue Isar-Ranger werden eingestellt, eine Social-Media-Kraft fürs …
Brandschutz, Inklusion, Isar-Ranger: Diese neuen Stellen schafft das Landratsamt
Tölz Live: Tipps gegen Langeweile 
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz Live: Tipps gegen Langeweile 
Pater Leo Weber feiert heute 90. Geburtstag
Er ist ein absoluter Kenner der Klostergeschichte. Für die bayerischen Gebirgsschützenkompanien war er über Jahrzehnte der „historische Beistand“. Und er galt als …
Pater Leo Weber feiert heute 90. Geburtstag
Noch eine neue Sechser-Sesselbahn fürs Brauneck
Am Brauneck laufen die Planungen für den Neubau einer Sechser-Sesselbahn. Sie soll den über 40 Jahre alten Finstermünz-Sessellift ersetzen. Baubeginn soll im Frühjahr …
Noch eine neue Sechser-Sesselbahn fürs Brauneck

Kommentare