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Moralt: Umzug nach Hausham besiegelt

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Neuanfang jenseits von Bad Tölz: Klaus Feile (li.), Vorstand der Moralt AG, nahm seine Belegschaft gestern zum künftigen Firmensitz in Hausham mit, wo Bürgermeister Jens Zangeneind die Truppe willkommen hieß. Foto: kn
Neuanfang jenseits von Bad Tölz: Klaus Feile (li.), Vorstand der Moralt AG, nahm seine Belegschaft gestern zum künftigen Firmensitz in Hausham mit, wo Bürgermeister Jens Zangeneind die Truppe willkommen hieß. © Thomas Plettenberg

Bad Tölz - Die Firma Moralt könnte heuer feiern, dass sie seit 100 Jahren an ihrem jetzigen Standort ansässig ist. Stattdessen verlässt die Traditionsfirma Bad Tölz in Richtung Hausham. Es ist kein Abschied im Guten.

Die Unternehmensführung habe „darum gekämpft, hier zu bleiben“, sagt Klaus Feile, Vorstand der Moralt AG. „Wir haben nichts unversucht gelassen. Aber wir müssen akzeptieren, dass man uns hier nicht haben will.“ Die Entscheidung ist gefallen: Die im Jahr 1900 gegründete Firma Moralt, einst Inbegriff des Tölzer Wirtschaftslebens, gibt ihren Standort an der Lenggrieser Straße auf.

In etwa einem halben Jahr ist der Umzug nach Hausham (Kreis Miesbach) geplant. Der Pachtvertrag für das Gelände, auf dem bis 2014 der Direktmailing-Anbieter Rotaform ansässig war, ist unterzeichnet.

Die jetzige Moralt AG ist 2012 aus einer Teilung des Unternehmens hervorgegangen. Der Konkurrenzbetrieb SWL hatte nach einer Insolvenz einen Teil von Moralt übernommen, arbeitet bis heute mit 50 Mitarbeitern auf dem Gelände – und bleibt auch dort. SWL produziert spezielle Stäbchenplatten, aus denen die Moralt AG (35 Mitarbeiter, Jahresumsatz 6,5 Millionen Euro) dann Türrohlinge für Hightech-Holztüren macht.

Der Abschied von Moralt aus Bad Tölz kommt nicht überraschend. Feile schildert ihn als langen Prozess, an dessen Anfang das Bemühen um eine Optimierung der Produktion stand. Bei den Überlegungen spielte der Brandschutz eine große Rolle. Bislang ist für das Gelände eine eigene Werksfeuerwehr nötig – „ein Kraftakt“, wie Feile sagt. Stattdessen plante Moralt, die Produktion auf den südlichen Teil des Geländes zu verlagern und dort eine neue Lagerhalle zu bauen. Parallel dazu verhandelte die Firma mit dem Grundstückseigentümer über einen neuen Pachtvertrag – der jetzige läuft Ende 2017 aus.

Doch es hagelte Rückschläge. Der Tölzer Bauausschuss lehnte Ende 2014 einstimmig den Bauantrag für die neue Lagerhalle ab. Die Begründungen – ungeklärte Erschließung, Lage im Außenbereich und vor allem fehlender Hochwasserschutz – bezeichnet Feile als „Ausreden“. So habe Moralt „hochwasserangepasst“ bauen wollen.

Der nächste „Nackenschlag“, wie Feile sagt: Grundeigentümer Hans Wehrmann habe nach langen Verhandlungen die Unterschrift unter einen neuen Pachtvertrag „verweigert“. Feiles Resümee: „Wir fühlen uns von den verschiedenen Beteiligten vorgeführt und hingehalten.“

Die derart Angegriffenen weisen die Vorwürfe zurück. „Es war die Firma Moralt, die am Ende klar formuliert hat, dass sie kein Interesse mehr an einem Pachtvertrag hat“, sagt Grundeigentümer Hans Wehrmann.

Wie geht’s weiter? Über den südlichen Teil an der B 13 laufen Wehrmann zufolge Verhandlungen über einen Mietvertrag mit SWL. Wenn diese abgeschlossen seien, werde er sich bezüglich des nördlichen Geländeteils „mit der Stadt in Verbindung setzen und deren Vorstellungen besprechen“.

Die sind nach Auskunft von Josef Janker recht klar: „Das ist Gewerbegebiet und bleibt Gewerbegebiet“, sagt der Bürgermeister. „Der Bedarf an Gewerbeflächen in Bad Tölz ist ja auch da.“ An der Abwanderung von Moralt tragen die Behörden aus seiner Sicht keine Schuld. „Weder die Stadt noch das Landratsamt sind hier die Bösen. Die rechtlichen Voraussetzungen für die Baugenehmigung waren einfach nicht gegeben.“ Andreas Steppan

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