Der Müller und sein Pakt mit dem Teufel

Im Tölzer Land gibt es zahlreiche märchenhafte Plätze, zu denen es heitere, aber auch schaurige Geschichten aus der oberbayerischen Sagenwelt zu erzählen gibt. So manche Geschichte wird auch heute noch erzählt, andere sind in Vergessenheit geraten. Im Tölzer Kurier werden einige vorgestellt. 

Bad Tölz-WolfratshausenDie Tölzer Erzählerin Ursula Weber hat die Plätze aufgespürt. In loser Reihenfolge wird die Journalistin und Buchautorin in den kommenden Wochen im Tölzer Kurier diese Plätze und ihre Geschichten vorstellen. Alle Erzählungen tragen viel Lebensweisheit und oft auch eine große Prise Humor in sich. Zum Auftakt gibt es heute die Geschichte: Des Müllers unheiliger Handel mit dem Leibhaftigen – vom Teufelsgraben in Dietramszell.

Lang ist es her, da gab es im Dietramszeller Wald eine sagenumwobene Mühle. Sie lag genau zwischen zwei Flüssen: der Isar im Westen und der Mangfall im Osten. Vielleicht war es die Pelletsmühle, die es auch heute noch gibt, wer weiß? Dort lebte einst ein Müller, der war einer der reichsten im ganzen Oberland. Denn ein fröhlicher Bach floss vom Kirchsee direkt an seiner Mühle vorbei und drehte sein Mühlradl so geschwind, dass es eine wahre Freude war.

Der Müller wurde immer wohlhabender und sein Hof immer größer. Da gab es einen mächtigen Kuhstall, einen Schweinestall, Ziegen, unzählige Hennen und einen riesigen Gockel, ein wahres Prachtvieh. Der Müller lebte wie eine Maus im Vorratskammerl vom Himmelreich. Bis zu jenem Tag, als ihm der Petrus das Wasser abdrehte: Es regnete einfach nicht mehr! Nicht nur eine Woche, nicht nur zwei oder drei, nein, monatelang blieb der Regen aus. Und aus dem hüpfenden Bach vom Kirchsee wurde ein kleines Rinnsal. Das hölzerne Mühlrad vom Hof drehte sich noch ein Mal mit einem lauten Knarzen – und blieb dann einfach stehen. Nichts ging mehr!

Bald ließ deshalb der Müller jede Woche in der Kirche eine Messe lesen. Täglich stand er vorm Herrgottswinkel in seiner Stube und betete inbrünstig um Regen – aber vergeblich. Der Müller wurde ärmer und ärmer... Eines Tages, als er wieder einmal in seiner Stube zum Herrgott rief und sich nichts rührte, da schrie er schließlich erzürnt: „Mei, Herrgott, wenn du mia ned huifst, dann muaß mia hoit da Deifi heifn!“ Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, stand der Leibhaftige auch schon vor ihm: „Zu Diensdn, Herr Müller! Was brauchsdn?!“ Es dauerte eine Weile, bis der Müller seine Sprache wiederfand: „Ehm, ja … ja, guad, dass du da bisd, mei lieba Deifi! Es is nämli a so, dass ich koa Wassa mehr hab!“

Der Müller führte den Teufel nach draußen zum vertrockneten Bach: „I hab boid koa Geld mehr und auch meine Viecher san scho ganz hungrig!“ „Des is ja wirkli a Trauerspui!“, rief da der Teufel aus. „Aba woaßt was, i leg dir oafach an diafn Grabn an, von da Isar zua Mangfall nüber. Der führt direkt an deim Heisl vorbei! Da wirst du boid da reichste Müller in ganz Oberbayern sei! – Aba zuvor wär da no des Kleingedruckte, dass du mia dafür deine Seele überschreibst...“ Und dabei zog der Teufel einen weißen Zettel aus seiner Tasche. „Wie … was … also, des woaß i ned, ob i dafür mei Seei...“, stotterte der Müller verunsichert. Fieberhaft überlegte er, wie er den Graben bekommen, aber seine Seele zugleich behalten könnte. Schließlich sprach er: „Was hältst du davo, wenn mia a Wett abschließn, mei liaba Deifi? Nämli, dass du den Grabn bis morgen fria zum erstn Gockelschrei fertig ham muasd, damit du mei Seei griagst!“ Der Teufel lächelte den Müller ruhig an. „Was für a Depp!“, dachte er sich. „Der traut mia des Ganze in oana Nacht woi ned zua? Des wern ma seng!“ – „Ausgmacht is!“, rief deshalb der Teufel. „Hand drauf, Müller!“

Ja, und so kam es, dass der Müller an diesem Tag mit dem Teufel einen unheiligen Handel geschlossen hat. Zuerst war der Müller darüber ganz vergnügt. Als es jedoch abends dunkler wurde, da verdüsterte sich auch seine Miene: Was, wenn der Teufel es doch schaffen würde und bis zum ersten Hahnenschrei den Graben bis zur Mangfall fertig hätte? Bald drehten sich die Gedanken des Müllers wie sein Mühlradl zu seinen besten Zeiten. An Schlaf war nicht zu denken.

Der Müller rannte zum Fenster und zog den Vorhang zur Seite. Da traf ihn fast der Schlag: Hunderte von Höllengeistern waren draußen damit beschäftigt, einen tiefen Graben an seiner Mühle vorbeizuziehen. Und der reichte schon weit in den dunklen Wald hinein! Der Müller wurde kasweiß. Er wankte in seine Stube zum Herrgottswinkel und fiel auf die Knie: „Mei, mei Herrgott, du muasd mia heifn! I hab an großn Blödsinn gmacht! I hab mein Seelenheil verwettet für a bisserl Reichtum auf dera Weid. Bitte, huif ma! Schenk ma a Eingebung! Sag ma, was i dean soi, um da heil wieda rauszumkemma!“

Auf einmal hielt der Müller inne. Er hatte eine Idee. Ja, die Idee! Er sprang auf, lief zur Hintertür hinaus zum Kuhstall und klopfte kräftig dagegen, bis die Kühe laut muhten. Dann rannte er zum Schweinestall und haute auch gegen diese Tür, bis die Schweine wild aufquiekten. Dann zum Ziegenstall – was für ein Gemecker schallte ihm entgegen! Und schon war er beim Hühnerstall und weckte alle auf, bis die Hennen gackerten und schrien. Von all dem Lärm wachte auch endlich der Gockel auf und – obwohl es noch mitten in der Nacht war – ließ er vor lauter Schreck einen Gockelschrei los, der wohl bis nach Bad Tölz zu hören war: „Kiiiiickeeerrriiiiikkkkkiiiiii“. Und auf einen Schlag war der ganze Höllenspuk vorbei! Kein Teufelchen war mehr zu sehen oder zu hören. Zum großen Glück des Müllers. Der stolperte völlig erschöpft wieder in seine Stube. Ja, und dort, vor dem Herrgottswinkel, hat er vor lauter Dank und Erleichterung gebetet, wie er seinen Lebtag lang noch nie gebetet hatte.

Nun, den Müller gibt es schon lange nicht mehr. Möge er seinen ewigen Frieden gefunden haben. Den Teufelsgraben aber, den kann man bis heute noch sehen, wie er sich als tiefe Schlucht von der Isar bis fast hinüber zur Mangfall zieht – aber eben nur fast!

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