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Nach Alkoholexzessen an Leonhardi: Polizeichef fordert Konsequenzen

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Feuchtfröhliche Stimmung, die leicht entgleitet: So sieht die andere Seite von Leonhardi aus, die den Tölzer festtag in Verruf zu bringen droht. Foto: archiv

Bad Tölz - Katerstimmung trübt die Freude über Leonhardi. Nachdem die Alkoholexzesse das Maß früherer Jahre überschritten, herrscht Ratlosigkeit: Wie lässt sich verhindern, dass es wieder so ausartet?

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Aus dem Leonhardi-Bericht der Polizei

Leonhardi in Tölz: Alkoholexzesse wie nie

Dass sich etwas ändern muss, steht für Markus Deindl außer Frage. „Sonst bekommt Leonhardi noch einen komplett negativen Beigeschmack “, sagt der Chef der Tölzer Polizeiinspektion. In der Tat: Dass Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen nun auch überregional von den Entgleisungen im Umfeld der Wallfahrt berichten, wirft ein schlechtes Licht auf Tölz. Deindl mahnt daher, darauf zu achten, dass der „Charakter der Veranstaltung“ nicht entgleitet.

Bilder der Leonhardifahrt in Bad Tölz

Martina Rosenberg, Sprecherin des Bayerischen Roten Kreuzes, ergänzt: „Wenn sich die Helfer aggressiven Betrunkenen gegenüber sehen, befürchte ich, dass wir viele Ehrenamtliche nicht mehr motivieren können.“ So sei bei einem Notarztwagen im Einsatz der Außenspiegel abgetreten worden.

Reglementierung sei kein Allheilmittel, ist Deindl bewusst. „Aber man sollte für alle Gedankenspiele offen sein.“ Die 31 zugelassenen Freischankflächen im Stadtgebiet seien zumindest „in Frage zu stellen“. Denkbar sei auch ein komplettes Alkoholverbot am Kalvarienberg. „Es ist beschämend, wenn man auf dem Wallfahrtsweg Betrunkene mit Biertragl trifft, und wenn hinter der Kirche uriniert, gerülpst und gegrölt wird.“ 

Bürgermeister Josef Janker will zunächst überprüfen, ob sich die Wirte an alle Auflagen gehalten haben. Sie durften vor 11 Uhr nichts Hochprozentiges ausschenken. „Wer dagegen verstoßen hat, bekommt nächstes Jahr keine Genehmigung mehr.“ Allein: Ordnungsamtsleiter Peter Königbauer, der gemeinsam mit einem Verkehrsüberwaalle Stände überprüfte, hatte kaum Beanstandungen.

Peter Frech, Betreiber der Diskothek Blu, wehrt sich dagegen, den Wirten die Schuld in die Schuhe zu schieben - und sie büßen zu lassen, etwa durch eine Verlängerung der Sperrzeit an Leonhardi, wie sie sich Janker vorstellen kann. Das „Blu“ habe am Samstag zwar ab 13 Uhr offen gehabt. Die Betrunkenen tummelten sich nach Frechs Darstellung aber in erster Linie vor dem Lokal, auf dem großen Parkplatz. „Die Leute haben sich den Alkohol im Supermarkt und an der Tankstelle geholt.“

Die Stadt hat die Möglichkeit, das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit zu verbieten. Janker sieht allerdings ein Problem in der Überwachung. Das städtische Ordnungsamt hat außer Parküberwachern keine Außendienst-Mitarbeiter. „Und wenn wir einen Sicherheitsdienst engagieren, setzen wir uns dem Vorwurf des Überwachungsstaat aus“, meint der Bürgermeister.

Die Polizei könnte laut Deindl Verstärkung gebrauchen. „Wir waren nur die Feuerwehr bei Schlägereien und Sachbeschädigungen.“ Verschärfend kam dazu, dass die Bereitschaftspolizei, die die Tölzer sonst mit 35 Mann unterstützte, diesmal bei den Atomtransport-Protesten in Gorleben gebunden war.

(Andreas Steppan)

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