Müll am Ufer des Walchensees
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So sah es an manchen Tagen am Walchensee nach dem Besucheransturm aus..

Bürgermeister finden Vorstoß aus Kochel gut

Tagestouristen sollen zahlen: „Guter Ansatz“ – aber noch viele Fragezeichen

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  • Patrick Staar
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  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    Veronika Ahn-Tauchnitz
  • Alois Ostler
    Alois Ostler

Tagesausflügler sollen auch mit einem Kurbeitrag zur Kasse gebeten werden. Dieser Vorstoß aus der Gemeinde Kochel wird von anderen Bürgermeistern im Tölzer Land mit Interesse beobachtet.

  • Die Gemeinde Kochel am See will ab 2021 auch Tagesausflügler mit einem Kurbeitrag zur Kasse bitten
  • Die Bürgermeister aus den anderen Tourismusgemeinden im Tölzer Land sehen den Vorstoß mit Interesse, haben aber Zweifel an der Umsetzbarkeit
  • Statt auf einen Kurbeitrag setzt die Gemeinde Lenggries beispielsweise auf (höhere) Parkgebühren

Bad Tölz-Wolfratshausen Es war ein harter Sommer für die Gemeinden, die beliebte Wander- und Ausflugsziele bieten. Kochel am See, die Jachenau oder auch Lenggries wurden regelrecht überrollt von Tagestouristen. Zurück blieben jede Menge Dreck und der Ärger bei den Anwohnern über chaotische Verkehrsverhältnisse. Nun möchte die Gemeinde Kochel Tagesausflügler ab 2021 mit einer Abgabe zur Kasse bitten (wir berichteten). Die entsprechende Satzung ist beschlossen. Der Vorstoß wird in anderen Tourismus-Gemeinden positiv gesehen.

„Das ist ein guter, neuer Ansatz“, sagt der Gaißacher Bürgermeister

„Das ist ein guter, neuer Ansatz“, sagt der Gaißacher Bürgermeister Stefan Fadinger. Ihm gefällt es, dass mit dem Kochler Vorstoß „Bewegung in diese Sache gekommen ist“. Mit dem Plan, Kurbeiträge auch von Tagestouristen zu erheben, tue sich eine neue Sichtweise auf die vielen Probleme rund um die Naherholung im Oberland auf. Es gehe darum, die für die Gemeinden anfallenden Kosten von der Müllbeseitigung bis hin zur Instandhaltung von Wanderwegen gerecht aufzuteilen. Und daran müssen laut Fadinger auch die Naherholer beteiligt werden. Denn durch diese entstünden den Gemeinden ja auch mehr Kosten, ergänzt sein Lenggrieser Kollege Stefan Klaffenbacher. Und verweist beispielsweise auch auf den Unterhalt von ausreichenden Parkplätzen.

Kurbeitrag darf aber nicht als Freibrief verstanden werden

Fadinger sieht allerdings auch Gefahren. Daher ist es ihm wichtig, dass hier eine „Eigentums-respektierende Lösung“ gefunden wird. Sollte irgendwann ein Obolus von Tagestouristen kassiert werden, dann dürfen bei den Gästen keine Gedanken aufkommen wie: Jetzt darf ich in jede Wiese fahren, mein Auto dort parken und zum Wandern alle Weidezäune aufmachen und dann offenlassen.

Dass die neue Kochler Kurbeitragssatzung auf rechtlich sicheren Beinen steht, das hat nach Fadingers Ansicht „der Kollege Thomas Holz bestimmt juristisch genauestens beleuchtet“. Hat der Kochler Bürgermeister tatsächlich, zumindest bestätigt das bayerische Innenministerium auf Anfrage, dass die Erhebung von Kurbeiträgen von Tagesgästen rechtlich zulässig ist (➔ BAYERN).

Lenggrieser Bürgermeister sieht Probleme in der Umsetzung

Klaffenbacher ist allerdings noch nicht ganz klar, wie diese neue Abgabe konkret kassiert werden soll. „Von der Umsetzung her dürfte das schwierig sein.“ Er bezweifle, dass die Tagesausflügler freiwillig in die Tourist-Infos marschieren, um den Beitrag zu bezahlen. So sieht es momentan aber die Kochler Satzung vor. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Deshalb ist so etwas von unserer Seite momentan auch nicht angedacht“, sagt Klaffenbacher.

Ähnlich ist die Einschätzung des Jachenauer Bürgermeisters Klaus Rauchenberger: „Es geht doch niemand in die Tourist-Info rein und gibt sein Geld ab. Da wäre auch eine gewaltige Überwachung notwendig.“ Die Idee sei „vielleicht nicht uninteressant, aber ich bräuchte mehr Einblick in die Gedankengänge von Herrn Holz“.

Pargebühren in ganz Fall und höhere Abgaben für Wohnmobilisten

In Lenggries, so Klaffenbacher weiter, werde man daher erst einmal an den Schrauben drehen, auf die man Einfluss hat. So wird im Dorf Fall das Parken künftig überall kostenpflichtig sein, um die Erholungssuchenden, die an den Sylvenstein drängen, in geordnete Bahnen zu lenken. Wohnmobilisten, die den Nachtparkplatz nutzen, müssen zudem zehn statt vier Euro bezahlen.

Ähnlich könnte die Umsetzung tatsächlich auch am Walchensee aussehen, wie Kochels Bürgermeister Thomas Holz auf Nachfrage erklärt und auch einräumt, dass es bislang nur einen groben Plan gibt, wie die Gebühr konkret erhoben werden soll. Er könnte sich aber vorstellen, dass auf die Parkgebühren etwa am Parkplatz der Herzogstandbahn ein Kurbeitrag von zwei Euro draufgeschlagen wird.

Aktuell sorgt sich der Gaißacher Bürgermeister Fadinger übrigens, wo in den Weihnachtsferien die Menschen „aufschlagen“ werden, die um diese Zeit sonst nach Österreich fahren. Die Lage werde sich hier verschärfen, falls es in den nächsten Tagen schneien sollte.  ao/va/pr/dw

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