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Ein fast unüberwindbares Hindernis: Nach ihrem schweren Unfall kommt Magdalena S. nur mit Mühe die steile Stiege hinauf, die in ihre Wohnung führt. Der Weg nach unten ist für die 55-Jährige noch schwieriger zu bewältigen.

Wer kann helfen?

Ein falscher Schritt hat ihr Leben für immer verändert

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Im Sommer ist Magdalena S. eine sehr steile Stiege in ihrer Wohnung hinabgestürzt. Dabei wurde ihr Rückenmark zum Teil durchtrennt, die 55-Jährige kann nur noch mit Hilfe eines Rollators laufen. Sie braucht dringend eine neue Bleibe – ohne Treppen.

Diesmal geht es nicht ums Geld. Auch wenn Magdalena S. (Name von der Redaktion geändert) Spenden gut gebrauchen könnte. Zum Beispiel, um ihr Gebiss reparieren zu lassen. Im Moment kann sie nämlich nichts Hartes essen, so kaputt sind ihre Zähne – auch, weil sie unter Osteoporose im Endstadion leidet. Doch die 55-Jährige hat noch ein viel gravierenderes Problem: Sie kann nur mit Mühe und Not ihre Wohnung verlassen und braucht deshalb ein neues Zuhause, das sie sich auch leisten kann.

Denn im Juni dieses Jahres ist Magdalena S. die steile Stiege heruntergefallen, die in den ersten Stock des Bauernhauses aus dem 17. Jahrhundert führt, wo Magdalena S. seit 1983 lebt. „Zuerst habe ich wegen des Schocks gar nichts gespürt“, erinnert sich die Frau. Dann kamen die Schmerzen, die seither ihr ständiger Begleiter sind. Sie sind die Folge einer sogenannten „inkompletten Querschnittslähmung“. Die ehemalige Reinigungskraft kann sich seitdem nur noch mit Hilfe eines Rollators fortbewegen. „Daran wird sich auf lange Sicht auch nichts ändern“, sagt Kay Roslavlev.

Der Kochler wurde Magdalena S. als rechtlicher Betreuer zur Seite gestellt, weil sie körperlich so stark eingeschränkt ist. „Eine psychische Erkrankung liegt nicht vor.“ Dieses Detail ist Roslavlev wichtig, weil viele Vermieter Vorurteile gegenüber Menschen hegten, die einen Betreuer haben. Doch genau diese Personengruppe will Roslavlev mit diesem Artikel ansprechen: Jemanden, der seinem Schützling eine kleine Sozialwohnung im Erdgeschoss vermieten würde. „Sie muss nicht behindertengerecht sein“, unterstreicht Roslavlev. „Das kann man alles irgendwie hinkriegen.“ Wichtig sei, dass sie wegen der Sozialhilfe, die die 55-Jährige bekommt, nicht mehr als 360 Euro kalt kostet. Und dass sie möglichst bald bezugsfertig ist.

Denn der aktuelle Vermieter von Magdalena S. hat Eigenbedarf angemeldet, eigentlich müsste sie ihre Wohnung Ende Januar verlassen. „Ich habe Widerspruch eingelegt, um Zeit zu gewinnen“, sagt Roslavlev. Aber in naher Zukunft muss die 55-Jährige auf jeden Fall ihre Koffer packen, die Kündigung wegen Eigenbedarfs ist völlig legitim. „Aber es wird wehtun, hier auszuziehen“, sagt Magdalena S., die viele Erinnerungen mit ihrer Wohnung verbindet. Schließlich hat sie in diesen Räumen allein ihre Tochter groß gezogen.

Die lebt heute in der Nähe und hilft ihrer Mutter, soweit sie kann. „Sie fährt mich zum Einkaufen und holt mich ab, damit ich bei ihr zuhause duschen kann“, erzählt Magdalena S. Denn in ihre eigene Dusche kommt die Mittfünfzigerin nicht hinein, der Einstieg ist zu hoch. Auch beim Heizen müssen ihre Tochter beziehungsweise deren Ehemann helfen: Das alte Bauernhaus verfügt nur über einen alten Holzofen in der Küche, das Wohnzimmer wird mit Öl beheizt. Tragen kann Magdalena S. weder das Holz noch die Ölkanne, schon gar nicht die steile Holzstiege hinauf.

An einer neuen Bleibe führt also kein Weg vorbei. „Fürs Pflegeheim ist sie ja noch viel zu jung“, sagt Roslavlev. Auch wenn Magdalena S. deutlich älter aussieht, als sie ist. „Das Leben war nicht fair zu mir, nein“, sagt sie und blickt ins Leere. Recht viel mehr will sie nicht erzählen, Magdalena S. macht lieber einen Scherz. „Ich bin ein wandelndes Ersatzteillager, durch die Kontrolle am Flughafen würde ich nicht kommen“, sagt die 55-Jährige in Anspielung auf die vielen Schrauben und Platten, die ihr nach dem Sturz eingesetzt worden sind.

Es ist dieser Humor, der Roslavlev immer wieder beeindruckt. Und, dass sie „nie auf die Idee käme, etwas zu fordern“. Nur einen Herzenswunsch formuliert Magdalena S.: Ihre Katze „Jacky“ muss unbedingt mit in die neue Wohnung ziehen dürfen. „Und eine Terrasse wäre schön, wo ich mich einfach mal raussetzen kann.“

Wer kann helfen? Vermieter einer passenden Wohnung im Loisachtal können sich bei Kay Roslavlev unter der Telefonnummer 0177/3804745 melden.

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