Debattieren ist ihre Leidenschaft: Clemens Lechner (hinten) sowie (v. li.) Severin Weingarten und Moritz Niehaus. fkn

Von Natur aus eine große Goschn

Benediktbeuern - Clemens Lechner hat schon als Kind viel diskutiert. Jetzt hat er zusammen mit Severin Weingarten die Deutsche Debattiermeisterschaft gewonnen.

Das Loisachtal ist offenbar eine bundesweite Hochburg der Diskussionskultur. Bei der Deutschen Meisterschaft im Debattieren in Heidelberg errangen die Benediktbeurer Clemens Lechner und Severin Weingarten den Titel. Beide bildeten zusammen mit Moritz Niehaus das Team der Universität Jena, wo sie studieren. Im Finale trafen sie unverhofft auf eine alte Schulfreundin: Pauline Leopold aus Bichl, die für die Uni Tübingen antrat. Was es mit dem wettbewerbsmäßigen Debattieren auf sich hat, erklärt Psychologie-Student Clemens Lechner (25) im Kurier-Interview.

-Herr Lechner, wie kommt es, dass die Loisachtaler so gut im Diskutieren sind?

Das muss an der guten Luft liegen. Nein, im Ernst: Wir waren auf einer ganz tollen Schule, dem Gymnasium Penzberg, wo uns die Lehrer Freiräume zum Diskutieren gegeben haben. Außerdem sind ja die Oberbayern keine ganz einfachen Menschen oder, besser gesagt, sie sind keine Ja-Sager und haben einen gewissen Widerspruchsgeist. Wenn man hier aufwächst, darf man nicht auf den Mund gefallen sein. Außerdem haben wir alle drei von Natur aus eine große Goschn.

-Aber wie bringt man es bis zum Deutschen Meister im Debattieren?

Mittlerweile gibt es an allen Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Debattierclubs. Man trifft sich wöchentlich, um das Diskutieren zu üben. Dann gibt es immer wieder kleinere und größere Veranstaltungen und Wettbewerbe. Im Turnier treten zwei Teams aus je drei Personen gegeneinander an. Eine Gruppe mimt die Regierung, die andere die Opposition. Die Standpunkte werden zugelost. An der Deutschen Meisterschaft nahmen über 200 Personen in 40 Teams teil. Im Finale mussten wir den Antrag verteidigen, dass alle Gesetze nur befristet gültig sein sollten. Eine Jury bewertet das dann nach Kriterien wie Auftreten, Mimik, aber auch Sachverstand und Urteilsvermögen.

-Geraten sich die gegegnerischen Parteien auch mal so richtig in die Haare?

Bisweilen gibt es schon heiße Debatten. Aber danach schüttelt man sich die Hände. Persönlich gibt’s nie böses Blut.

-Sind Sie im Freundes- und Verwandtenkreis auch als ewiger Debattierer bekannt - oder gar gefürchtet?

Meine Verwandten sagen, dass ich schon als Kind mit Gleichaltrigen viel diskutiert habe. Im Debattierclub lernt man auf alle Fälle, dass jede Sache zwei Seiten hat. Man bekommt ja eine bestimmte Position zugelost, und so findet man auch mal Argumente für Einstellungen, die man selbst eigentlich absurd findet. Deswegen hinterfrage ich viele Dinge - vielleicht mehr, als anderen angenehm ist. Aber gleichzeitig ist diese Eigenschaft für die demokratische Gesellschaft sehr wichtig.

-Wollen Sie Ihr Debattiertalent auch beruflich nutzen?

Standpunkte zu beziehen und gut zu vertreten, das bringt einen in jedem Beruf weiter. Zurzeit bin ich schon als Rhetorik-Trainer tätig, aber hauptberuflich strebe ich das nicht an. Es ist mir nur wichtig, das Debattieren an Schüler und jüngere Studenten weiterzugeben. (ast)

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