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„Schaut, was ich gefunden habe.“ Taucher Martin Büschen präsentiert seine Beute.

Neuer Versuch

Nazigold: Schatzsuche am Walchensee

Mittenwald/Bad Tölz - Unzählige Schatzsucher waren bereits am Walchensee, um drei Tonnen vermisstes Nazigold zu finden. Alle erfolglos. Jetzt haben es fünf Taucher aus Bayern und Österreich wieder versucht – und sogar Interessantes entdeckt.

Was Hans Josef Veit und eine Gruppe amerikanischer Offiziere und Soldaten am 7. Juni 1945 finden, ist von gigantischem Wert. Veit führt die Amerikaner nach Einsiedl am Südwestufer des Walchensees, wo sie mit Minensuchgeräten auf ein Versteck voll Nazigold stoßen. Jede Menge davon. „In dem Loch befanden sich genau 728 Goldbarren“, schildert Veit in einem Zeitzeugenbericht. Insgesamt 9,1 Tonnen.

Der Walchensee ist seitdem das Ziel von Schatzjägern aus aller Welt. Die Vermutung: Es gibt noch mehr zu finden. Drei Tonnen Gold, vielleicht sogar Kisten und Säcke voll Juwelen, Schweizer Franken und US-Dollar gelten als verschollen. Ein paar Offiziere sollen sich durch eine enge Schlucht vom Forsthaus Einsiedl in Richtung Eschenlohe (Kreis Garmisch-Partenkirchen) von einem Muli-Transport abgesetzt haben, der einen Schatz der Reichsbank dabei hatte.

Nazigold: Bilder von der Schatzsuche am Walchensee

Nazigold: Bilder von der Schatzsuche am Walchensee

Auch am vergangenen Wochenende startete eine Gruppe Schatzsucher. „Eigentlich wollten wir nur zum Tauchen an den Walchensee“, sagte Martin Büschen (39), der mit vier Freunden aufbrach, der tz. „Aber durch Recherchen hatten wir erfahren, dass es hinter Eschenlohe noch zu Kampfhandlungen kam.“

Die Taucher folgen der Spur dreier junger Wehrmachtssoldaten, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs desertiert waren. Auf ihrer Flucht durch die Schlucht waren sie am 29. April 1945 quasi in die Arme des Goldtransports gelaufen. Drei Panzerfäuste hatten die Fahnenflüchtigen dabei. Als sie der Karawane begegneten, wurde einer von ihnen erschossen. Ein Marterl am Wegrand erinnert noch heute daran.

67 Jahre später macht sich die bayerisch/österreichische Gruppe mit 150 Kilo Tauchgepäck auf den selben Weg, den die drei Deserteure nahmen. Vier Stunden Fußmarsch sind es von Eschenlohe bis zur Gachentodklamm, wo das Gefecht stattfand. Die Taucher hoffen, Relikte von damals zu finden – und Hinweise auf das verschollene Gold.

Rund 35 Meter tief seilen sich die Taucher durch unwegsame Felsen ab. „Die Chancen stehen gut, dass wir die ersten sein werden, die dort suchen“, denken sie sich. In fünf Meter tiefen Gumpen – kreisrund ausgespülte Becken im Stein – taucht die Gruppe nach Gegenständen, die Rückschlüsse auf den 29. April 1945 zulassen. Die Taucher räumen den Grund der Gumpen frei. „Kurz darauf blitzt uns etwas rundes, rostiges zwischen den Steinen an“, schildern sie. Es ist das abgefeuerte Rohr einer Panzerfaust. Wahrscheinlich hat sie einer der Deserteure verwendet. Auch Teile alter Karabiner und Gewehre tauchen auf.

Die Taucher sind nun im Goldfieber – auch ohne Schatz. „Wir kommen wieder“, versprechen sie.

Johannes Markmann

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