An seinem neuen Wirkungsort eingetroffen: Pfarrer Chummar Gracious Naralakkattukunnel vor der Kirche St. Nikolaus in der Jachenau, wo er für ein halbes Jahr im Einsatz sein wird. Foto: Arndt Pröhl

Seelsorge

Pfarrer aus Indien folgt dem Ruf des Ordens in die Jachenau

Von Kerala in Südindien in die Jachenau: Pfarrer Gracious hat einen weiten Weg zurückgelegt, um für eine Übergangszeit die Aufgaben des verstorbenen Seelsorgers Willi Milz zu übernehmen. Ein Kulturschock ist seine Ankunft in Bayern für den Geistlichen aber keineswegs.

Jachenau– Die Strecke von Kerala in die Jachenau ist über 9000 Kilometer weit. Pfarrer Chummar Gracious Naralakkattukunnel hat die Reise trotzdem recht spontan auf sich genommen. Am Freitag ist der Geistliche aus Indien an seinem neuen Einsatzort im Sonnental angekommen. Dass er hier ab 1. März für den verstorbenen Pfarrer Willi Milz einspringen sollte, das hatte er etwa eine Woche vorher erfahren.

Ein wenig kalt findet es der Pfarrer schon in der Jachenau. In seiner Heimat im Bundesstaat Kerala ist es aktuell etwa 33 Grad warm. Doch der 58-Jährige hat durchaus auch schon erlebt, was ein bayerischer Winter bedeuten kann – bei bis zu minus 25 Grad im Allgäu, wie er berichtet. Überhaupt: Der Geistliche erlebt dieser Tage alles andere als einen Kulturschock. „Ich kenne Deutschland schon gut.“ In der Jachenau sei er zwar noch nicht gewesen, aber Benediktbeuern und Murnau zum Beispiel hat der Pfarrer schon früher besucht.

Im Jahr 2000 hatte ihn sein Orden, die Missionsgemeinschaft vom heiligen Thomas dem Apostel, zum ersten Mal nach Bayern entsandt. „Der Orden hat mich gefragt, ich war bereit“: So einfach klingt dieser große Schritt aus dem Mund von Pfarrer Gracious, wie er sich hier nennen lässt. Ihm ist bewusst, dass sein Nachname den meisten Deutschen nicht sehr leicht über die Lippen geht.

Zum Auftakt feierte der neue Pfarrer in der Jachenau mit dem Handwerkerverein Jahrtag

Einige seiner bayerischen Einsatzorte dürften in indischen Ohren allerdings auch nicht gerade unkompliziert klingen: Klingmoos, Ludwigsmoos und Untermaxfeld zum Beispiel, wo er zuletzt bis Ende 2016 Pfarrer war. Seine erste Stelle in Deutschland hatte er als Kaplan in Mickhausen bei Schwabmünchen angetreten. Weitere Stationen waren St. Mang in Füssen sowie Trauchgau und Bayerniederhofen im Allgäu, wo er sieben Jahre Pfarrer war.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren unterrichtete Pfarrer Gracious in einem Priesterseminar in seiner Heimat Kerala. Es sei nun geplant gewesen, dass er im September wieder nach Deutschland gehen sollte, erklärt er. Dass er jetzt sechs Monate früher abreisen musste, hat den Geistlichen nicht aus der Bahn geworfen.

Die Missionsgesellschaft vom heiligen Thomas dem Apostel ist ein relativ junger Orden. „Er wurde 1968 in Kerala gegründet, ihm gehören etwa 350 Priester an“, erklärt Naralakkattukunnel. Die meisten Patres arbeiten ihm zufolge in Indien. Im Norden des großen Landes, wo kaum Christen leben, hat auch Pfarrer Gracious schon zehn Jahre lang gearbeitet. „Dort ging es darum, überhaupt eine Vorstellung von unserem Glauben zu vermitteln.“

Neuer Pfarrer der Jachenau spielt lieber Basketball als Langlauf

Viele seiner Mitbrüder seien auch in Brasilien, den USA, Schweden, Afrika und Australien im Einsatz – und einige eben auch in der Diözese Augsburg, mit der es einen Vertrag gebe. Naralakkattukunnels Gehalt geht übrigens direkt an den Orden, fließt dort in die Missionsarbeit und wird für wohltätige Zwecke verwendet.

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In seiner Heimat Kerala sind laut Pfarrer Gracious etwa 16 bis 17 Prozent der Bevölkerung katholisch. „Die Kirchen sind immer voll.“ Dass es hierzulande etwas anders ist, ist dem Seelsorger bewusst. Dennoch sei Bayern für einen katholischen Pfarrer wohl „der einfachste Ort in Deutschland“, meint er. „Hier werden noch Traditionen gepflegt, die Dörfer sind mit ihren Vereinen und Veranstaltungen sehr lebendig, und die Leute auf dem Land sind freundlicher als in der Stadt.“ Von all dem konnte sich der 58-Jährige gleich am Montag überzeugen, als er mit den Jachenauern den Gottesdienst zum Jahrtag des Handwerker- und Bauernvereins feierte.

Ansonsten sieht Naralakkattukunnel seine Aufgabe darin, zunächst alles so weiterzuführen, wie es die Gläubigen von seinem Vorgänger Willi Milz gewohnt waren. Das bedeutet unter anderem, weiter werktäglich um 19 Uhr einen Gottesdienst in St. Nikolaus abzuhalten, samstags um 19 Uhr die Vorabendmesse und am Sonntag die Messe um 9 Uhr.

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Nach der derzeitigen Planung bleibt der ÜbergangsPfarrer bis Ende August in der Jachenau. Wenn er frei hat, möchte er die Zeit in der schönen Umgebung gern für die ein oder andere Wanderung nutzen. Mit dem Langlaufen, für das die Jachenau ebenfalls noch beste Bedingungen bietet, hat er es dagegen nicht so. „Ich habe es vor Jahren einmal probiert – mit wenig Erfolg.“ Sein Lieblingssport sei eigentlich Basketball.

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In der Zwischenzeit wird die Jachenauer Pfarrstelle neu ausgeschrieben. Für Pfarrer Gracious steht fest, dass er danach in Deutschland bleibt. An welchem Einsatzort genau – da wird er erneut dem Ruf des Ordens folgen.

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