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Pikantes und Persönliches über Franz Marc

Kochel am See - „Franz Marc entdecken.“ Das können Interessierte bei Kunstspaziergängen zu Marcs Original-Malplätzen, die die Gemeinde Kochel ab neuerdings anbietet.

Ein bisschen ist es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Wer sich darauf einlässt, kann bei dem rund zweistündigen Rundgang ein Kochel wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdecken – Franz Marcs Kochel, so wie er die Seengemeinde bei seinen Malsommern gesehen und auf Leinwand gebannt hat: Die flatternde Wäsche vor einem Haus im Fischerviertel erinnert ebenso an ein gleichnamiges Bild von Marc wie die längs der Schlehdorfer Straße aufgetürmten „Strahdrischen“. Ihnen setzte Marc 1910 mit dem Bild „Heuhocken“ ein naturalistisches Denkmal – und begründete einen bis heute immer wieder von Unwissenden begangenen Fehler: „Sie bestehen nämlich gar nicht aus Heu, sondern aus Riedgras und Schilf aus dem Kochler Moos. Trotzdem nennen sie viele Heuhocken“, erklärt Dagmar Rauch, die die Führungen durchführt. Marc hat also sein Bild nach etwas benannt, was er gar nicht gemalt hat – aus Unwissenheit.

Der Weg vom Kochler Bahnhof vorbei an Marcs Grab, hinunter zum Kochelsee und zurück zum heutigen „Haberfellner“-Haus, wo Marc während seiner Aufenthalte logierte, ist als Kunstspaziergang mit neun farbigen Abbildungstafeln bestückt, die Werke des Künstlers erläutern. Auf diesem Weg erfährt der Zuhörer viel über Expressionismus, den „Blauen Reiter“, Marcs kunsttheoretische Arbeiten und die Farbsymbolik seiner Bilder.

Auch garniert Rauch den Weg mit amüsanten Episoden aus Marcs Leben und macht einen möglicherweise sonst langatmigen Bildungsspaziergang zu einem spannenden Ausflug: „Nur von Tafel zu Tafel zu rennen, wäre langweilig. Ich versuche, auch Bezüge zum Ort und zu anderen Künstlern herzustellen“, sagt Rauch.

Seit Monaten beschäftigt sich die Kochlerin mit Marc und dessen Zeitgenossen. Eine Arbeit, die zur Leidenschaft wurde, welche sie bereitwillig mit Zuhörern teilt. Wer Dagmar Rauch während des Fußmarsches entlang des Aspensteins zum Seeufer mit Marcs Akt der „Badenden Frauen“ eine Frage über den Künstler stellt, wird immer eine Antwort bekommen. Er muss nur damit rechnen, dass sie ins Schwärmen gerät und gerne auch mal etwas weiter ausholt. Etwa über Marcs pikantes Liebesleben, seine Kindheit als Malerssohn in München berichtet und darüber, was im letzten Liebesbrief an seine Frau stand.

„Die Führungen sind für jeden geeignet, der sich für Kunst interessiert und gerne durch die Natur geht. Sonst geht man besser ins Museum“, sagt Rauch. Doch genau das Erleben der Kunst inmitten der Landschaft, an ihren Entstehungsplätzen, ist das Besondere an den Spaziergängen. „Hier ist die Kunst hautnah. Man kann die Landschaft mit den Augen des Künstlers sehen.“ Auf der Kohlleite etwa wird man beim Sinnieren über Marcs Ölskizze „Zwei Frauen am Berg“, die hier 1906 entstand, von grasenden Pferden umringt und kann Marcs tieranatomische Studien am Original nachvollziehen.

Was hat man am Ende des Spaziergangs gewonnen? Auf jeden Fall natürlich Wissenswertes über die Malerei um 1900. Aber ebenso die Feststellung, dass Kochel auch 100 Jahre nach Franz Marc noch malerisch schön ist.

Wer an einem Kunstspaziergang teilnehmen möchte, muss kein trainierter Wanderer sein aber einigermaßen gut zu Fuß, da die Führung unter anderem den Aufstieg auf die Kohlleite umfasst. Führungen sind am 10. und 24. August sowie am 14. und 28. September. Anmeldung bei der Tourist-Info Kochel unter Ruf 0 88 51/338. Sonderführungen sind möglich. Die Führungen kosten fünf Euro, mit Gästekarte nichts.

(fn)

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