Wie geht es am Reutberg weiter?

Interview

Das plant das Ordinariat auf dem Reutberg

Seit Ende Mai herrscht Eiszeit zwischen dem Ordinariat und der Sachsenkamer Gruppe. Die Unterstützer des Reutbergs und die Vertreter des Erzbistums haben sich nach der Absage eines Gesprächstermins zerstritten. 

Sachsenkam -  Die Redaktion der Heimatzeitung wollte wissen: Wie kann es nun weitergehen? Kurier-Redakteur Alois Ostler sprach im Ordinariat mit Generalvikar Peter Beer und mit dem Sachsenkamer Bürgermeister Hans Schneil.

-Wie können denn die beiden Seiten wieder ins Gespräch kommen?

Generalvikar Peter Beer: Es ist uns allen ein Anliegen, dass auf dem Reutberg etwas vorwärts geht. Wir wollen das Kloster als kirchlichen Ort erhalten und suchen deshalb gemeinsam nach geeigneten Wegen.

-Was ist denn nun konkret geplant?

Beer: Es gibt ein Konzeptpapier. Der neueste Entwurf (der der Redaktion vorliegt) ist vom 28. Mai. Er sieht vor,dass hier ein pastorales Zentrum entstehen soll. Es geht darum, eine priesterliche Gemeinschaft anzusiedeln, die für den Reutberg, aber auch für die Region die regelmäßige Messfeier garantiert. Die Priester sollen zudem als Seelsorger und Ansprechpartner für die Region zur Verfügung stehen. Das pastorale Zentrum soll Ort des Gebets, aber auch ein Tagungsort für die Pfarreien und Verbände werden sowie ein Zentrum für Familienpastoral. Und es soll das franziskanische Erbe mit aufgenommen werden an diesem Ort der Nachhaltigkeit. Geplant sind auch Veranstaltungen zum Thema Umwelt. Es gibt ganz unterschiedliche Ansatzpunkte, um die Räume in diesem Kloster zu nutzen.

-Das kommt mir bekannt vor. Sind das nicht Punkte aus dem Konzeptpapier der Reutberger Gruppe?

Beer:In das Konzept des Ordinariats sind unterschiedliche Ideen eingeflossen – auch Vorschläge, die der Freundeskreis eingebracht hat.

Generalvikar Peter Beer (re.) und Bürgermeister Hans Schneil im Gespräch.

-Wer ist nun diese Priestergemeinschaft, von der schon mehrfach die Rede war? Wer soll das Kloster mit neuem Leben erfüllen?

Beer:Ohne dem Abschluss der laufenden Gespräche vorzugreifen: Es werden ernsthafte, zielorientierte Verhandlungen geführt mit der Ordensgemeinschaft der Missionare von der Heiligen Familie. Einige Priester dieser Männerkongregation arbeiten bereits in der Seelsorge in unserem Erzbistum, nämlich im Raum Dietramszell. Die beiden Patres leisten dort gute Arbeit. Die aus Indonesien stammenden Ordenspriester sprechen alle Deutsch und sind auf ihren Einsatz bei uns vorbereitet. Es gibt bereits gute Erfahrungen.

-Wann könnte diese Priestergemeinschaft ihre Arbeit am Reutberg aufnehmen?

Beer: Das hängt jetzt natürlich davon ab, wie sich die weitere Entwicklung darstellt. Wir haben noch die ungelöste Frage nach der Zukunft der beiden verbliebenen Schwestern am Reutberg. Die Religiosenkongregation in Rom hat ja die Auflösung dieses Ordens angekündigt. Sollte keine Einigung auf dem Gesprächsweg erzielt werden, dann wird Rom eine Entscheidung fällen.

Lesen Sie auch: Brandbrief an Totengräber des Reutbergs

-Wie könnte die aussehen?

Bürgermeister Hans Schneil: Die Gruppe will noch einen Brief nach Rom schicken, in dem der Erhalt des Konvents gefordert wird und dass weiter Schwestern am Reutberg bleiben können. Wir haben gehört, dass es sowohl in Salzburg als auch in Koblenz Schwestern geben soll, die Interesse am Reutberg haben. Diese Sorge um den Erhalt des Klosters kommt ja auch in den mittlerweile 6000 Unterschriften zum Ausdruck. Die sollen bald überreicht werden.

-Wie kann das zusammenpassen?

Beer: Dazu ist zu sagen: Wir haben am Reutberg keinen überlebensfähigen Konvent. Dort sind momentan nur noch zwei Schwestern.

Schneil: Aber es hat immer geheißen, es wollen wieder Schwestern hierherkommen.

Beer: Ich möchte hier folgendes deutlich machen: Wenn kein Konvent mehr da ist, kann niemand eintreten. Nachdem Rom erstmals 2013 gesagt hat, dass die Auflösung des Konvents in Reutberg unvermeidlich ist, können und dürfen sie niemanden aufnehmen. Der päpstliche Visitator hatte ja schon 2008 festgestellt, dass das klösterliche Leben am Reutberg bereits seit 20 Jahren nicht mehr angemessen wahrgenommen wird.

-Aber es gab Versuche für einen Neuanfang?

Beer: Ja, es gab einen Brief vom Ordinariat an die Vereinigung aller Klöster in Deutschland, ob eine neue Schwesterngemeinschaft Interesse am Reutberg habe. Und es gab auch eine Anfrage an einen polnischen Bischof. Wir haben in allen Fällen nur Absagen bekommen, wie Sie in den vorliegenden Briefen sehen können.

Schneil: Das war uns bisher so leider nicht bekannt. Ich bin dankbar, dass ich jetzt diese Details kenne.

-Wie geht es weiter?

Beer: Wenn wir den Reutberg langfristig und dauerhaft sichern und ihn für die Leute in der Region halten wollen, dann müssen wir ihn beleben. Das ist nach Überzeugung des Ordinariats mit dieser Priestergemeinschaft möglich, die ja in der Nachbarschaft in Dietramszell schon segensreich tätig ist. Aber wie gesagt: Wir müssen noch abschließende Gespräche führen.

- Bis die baulichen Voraussetzungen für den Einzug der Priestergemeinschaft gegeben sind, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen?

Beer: Monsignore Josef Beheim ist zwar als Spiritual entpflichtet, aber er kann weiterhin Gottesdienste am Reutberg feiern. Zudem hat ihm Stadtpfarrer Peter Demmelmair in Bad Tölz eine Wohnung angeboten. In Tölz könnte er so auch mit den dortigen Armen Schulschwestern die Messe feiern.

-Die Klosterkirche ist künftig also nicht zugesperrt?

Beer: Nein, in Reutberg wird nichts zugesperrt, und es gibt weiterhin Messen am Reutberg.

Schneil: Das klingt gut. Denn wenn das Kloster über einige Jahre leer stünde, dann wäre das ein Horror – nicht nur für Sachsenkam.

- Und wie geht es mit dem Kloster weiter?

Beer: Wenn der Verbleib der beiden Schwestern geregelt ist und die Diözese eines Tages das Gebäude übernimmt, dann ist es ja nicht so, dass wir uns damit bereichern. Wir wollen alles erhalten und die Räume für die Menschen vor Ort öffnen. Dazu müssen wir einiges umbauen und viel Geld investieren. Aber das pastorale Zentrum ist ja auch für die Gläubigen in der Region bestimmt.

- Warum geht das Kloster in das Eigentum des Erzbistums über?

Beer: Das hat der Konvent selbst so beschlossen und schriftlich verfügt, dass das Vermögen an die Diözese fällt. Der Orden wollte also, dass der Besitz in Händen der Kirche bleibt.

-Was passiert mit der alten Klosterapotheke?

Beer: Die wird für Besucher geöffnet. Und wir denken zudem daran, ein kleines Museum mit Reutberger Kunstgegenständen einzurichten. Wir wollen hier das franziskanische Erbe erhalten. Das Kloster wird ein wichtiger Ort der Erinnerung.

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