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Playmobil und die Geburt in einer Felsgrotte: Besondere Krippenausstellung in Walchensee

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„Weihnachtskrippen können dem geduldigen Besucher so viel erzählen“, sagt der Organisator der Ausstellung in der evangelischen Kirche Walchensee, Dr. Andreas Schulze. Zu sehen ist unter anderem die Sammlung von Claudia und Manfred Sommerauer. Sie besteht aus Figuren aus Südamerika (li.), einer Oberbayerischen Krippe (Mitte) und einer Böhmischen Krippe.
„Weihnachtskrippen können dem geduldigen Besucher so viel erzählen“, sagt der Organisator der Ausstellung in der evangelischen Kirche Walchensee, Dr. Andreas Schulze. © Arndt Pröhl

Wie sieht eine Weihnachtskrippe aus Peru aus? Das können sich Besucher ab Sonntag in der evangelischen Kirche in Walchensee anschauen. Zusammen mit elf weiteren Krippen ist diese zum ersten Mal dort zu bestaunen.

Walchensee - Die Krippen-Ausstellung in Walchensee wird an diesem Sonntag, 28. November, während des Gottesdienstes um 11.15 Uhr eröffnet. Der Tölzer Kurier ist tiefer in die wundervolle Welt der Weihnachtskrippen eingetaucht und hat dazu mit dem Organisator, dem Kinderarzt Dr. Andreas Schulze, gesprochen. Der 70-Jährige ist Krippen-Liebhaber, Gemeindemitglied in der evangelischen Kirche und gelegentlich auch als Organist zu hören.

Herr Schulze, was können die Besucher der Ausstellung genau besichtigen?

Dr. Andreas Schulze: Es können zwölf Krippen verschiedenster Herkunft, Region und Machart angesehen werden. Dazu gehören Krippen aus Oberbayern, aber auch zum Beispiel aus Lateinamerika, Böhmen und Thüringen. Die Weihnachtskrippe aus Peru ist in Form eines Flügelaltars eingebaut. Außerdem gibt es zwei Krippen für Kinder. Davon ist eine aus Playmobil-Figuren und eine weitere aus Holzfiguren, von einer Berliner Künstlerin dargestellt. Das Angebot für Kinder ist mir besonders wichtig.

Wie ist die Idee für eine Weihnachtskrippen-Ausstellung entstanden?

Dr. Andreas Schulze: Bisher gab es in unserer Kirche eine Krippe aus Wachsfiguren, welche leider einige altersbedingte Beschädigungen aufweist. Uns ist die Bewahrung der Krippentradition als Volkskunst in den Kirchen und Wohnungen daheim wichtig. So entstand die Idee für die jetzige Ausstellung auch als Rückbesinnung auf unsere Geschichte und unsere Wurzeln.

Weihnachtskrippe können „dem geduldigen Betrachter viel erzählen“

Welche Bedeutung spielt eine Weihnachtskrippe heutzutage noch für die Bevölkerung?

Dr. Andreas Schulze: Das allgemeine Interesse an der Krippentradition hat leider abgenommen. Dies haben mir auch einige Krippenvereine gesagt, mit denen ich für die Ausstellung zusammengearbeitet habe. Obwohl Weihnachtskrippen dem geduldigen Betrachter so viel erzählen können.

Wie meinen Sie das?

Dr. Andreas Schulze: Der Betrachter liest keine Geschichte, er sieht ein plastisches Bild einer Geschichte, das seine Fantasie herausfordert. Früher sollten damit besonders Menschen angesprochen werden, die nicht lesen konnten und denen Texte und Lieder in lateinischer Sprache unverständlich waren. Viele Krippen versetzen die Weihnachtsgeschichte in die heimische Umgebung.

Die Geburt von Jesus in einer Felsgrotte

Welche Unterschiede gibt es zwischen einer Krippe aus Bayern und einer aus Lateinamerika?

Dr. Andreas Schulze: Das unterschiedliche heimatliche Umfeld und die unterschiedlichen religiösen Vorstellungen werden dargestellt. Zum Beispiel haben Krippen in Oberbayern zumeist eine alpenländische Umgebung. In orientalischen Krippen wird die Geburt Jesu oft in einer Felsgrotte veranschaulicht.

Haben Sie eine Lieblingskrippe bei der Ausstellung?

Dr. Andreas Schulze: Ja, ich finde die Holzfiguren aus Oberammergau zum Beispiel von den Bildhauern Klucker und Pfaffenzeller oder auch der Werkstatt der Familie Lang besonders schön und individuell.

Wie alt ist die älteste Krippe in der Ausstellung?

Dr. Andreas Schulze: Das kann ich nicht genau sagen, weil die meisten ausgestellten Krippen nicht datiert sind. Ich denke, die Krippe aus Böhmen ist von Anfang des 19. Jahrhunderts und damit die Älteste.

Sind alle Krippen handgefertigt?

Dr. Andreas Schulze: Ja, alle sind handgemacht und individuelle Schöpfungen. Außer natürlich die Playmobil Krippe.

Einige Szenen werden zu Weihnachten umgestaltet

Werden an Weihnachten die Krippen anders arrangiert?

Dr. Andreas Schulze: Bestimmte Szenen, beispielsweise die Geburt Jesu, werden umgestaltet. Im Wesentlichen sehen die Besucher aber dieselbe Ausstellung von Anfang an. Vielleicht kommen noch Krippen aus Sachsen und Thüringen dazu. Diese konnten leider wegen Corona noch nicht geliefert werden.

Welche Krippe haben Sie daheim?

Dr. Andreas Schulze: Ich habe eine kleine Weihnachtskrippe aus Thüringen zu Hause. Eine ältere, thüringische Tradition ist es, Figuren aus Pappmaché herzustellen und reichhaltig zu bemalen.

Die Ausstellung: ist ab diesem Sonntag bis einschließlich 6. Januar außer montags von 16 bis 18 Uhr zu besichtigen. Es gilt die 3G-Regelung. Der Eintritt ist kostenfrei, um Spenden für die Renovierung des Kirchturms wird gebeten. (Stefanie Pfleger)

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