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Millionenbetrug für Luxus-Leben?

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Bad Tölz/München - Ein Paar aus Bad Tölz soll ein großes Versicherungsunternehmen um 1,44 Millionen Euro betrogen haben. Der Mann hat Suizid begangen, die Frau steht seit Donnerstag vor Gericht.

Ein Betrugsfall großen Kalibers ist am Donnerstag vor dem Landgericht München II verhandelt worden. Eine frühere geschäftsführende Gesellschafterin einer Bad Tölzer Versicherungsgruppe soll ihren wichtigsten Geschäftspartner um 1,44 Millionen Euro betrogen haben: den Versicherungskonzern Deutscher Ring. Das Maklerbüro mit einst 40 Mitarbeitern ist bundesweit erfolgreich mit Spezialversicherungen für Erntehelfer und für Au-Pair-Mädchen. Die Verträge wurden im Namen des Deutschen Rings abgeschlossen. Der wiederum hatte sowohl das Inkasso der Beiträge wie auch die Abwicklung im Schadensfall an die Firmengruppe weitergegeben. 2005 begann, so geht aus der Anklageschrift hervor, der Betrug. Der Ehemann der 51-jährigen Angeklagten, der De-Facto-Chef im Unternehmen, hatte mit ihrem Wissen in den Abrechnungen an den Versicherer Beitragseinnahmen und Provisionsforderungen zu seinen Gunsten verändert. Das startete mit 33 000 Euro im Quartal und erreichte in der Spitze über 200 000 Euro. Erst im August 2009 endeten die Schiebereien.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Birgit K. von ihrem untreuen Ehemann bereits getrennt und der Deutsche Ring hatte bei einer Revision Wind bekommen von dem Betrug. Vergeblich versuchte die 51-Jährige noch – wie sie gestern vor Gericht tränenreich schilderte – zu einer Vereinbarung mit dem Versicherer zu kommen. Im Dezember, meldete die Firma Insolvenz an. Kurz darauf nahm sich Horst K. in seiner Wohnung in München das Leben, drei Tage später wurde die Angeklagte unter Betrugsverdacht festgenommen. Die Polizei und zwei auf Wirtschaftsstraftaten spezialisierte Staatsanwälte durchsuchten die Geschäftsräume der Makler-Gruppe.

Dass Birgit K. nicht verstanden habe, dass die Manipulationen an den Abrechnungen Betrug seien, nahm Martin Rieder, der Vorsitzende Richter der Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht, der Angeklagten gestern nicht ab. Vielmehr rechnete das Gericht der Mutter zweier erwachsener Kinder vor, dass sie stets auf großem Fuß lebte – mit einem Luxus-Wohnmobil für 500 000 Euro, großen Autos und dem großspurigen, längst völlig überschuldeten Wohn- und Geschäftshaus auf der Tölzer Flinthöhe. Dass sie bis zu 15 000 Euro netto im Monat verdiente und aus dem Vermögen der Firmengruppe an die 600 000 Euro entnommen hatte, bestätigte K. dem Gericht.

Inzwischen hat Birgit K. Privatinsolvenz beantragt. Auch nach dem Verkauf des Hauses bleiben ihr eine Million Euro Schulden, weitere drei Millionen Euro verlangt der Deutsche Ring von ihr. Ihre Versicherungsgruppe wurde verkauft.

Joachim Braun

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