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Das Interesse an der Podiumsdiskussion war groß.

„nochBerg – Der Jochberg bleibt

Pumpspeicherwerk: 500 bei Podiumsdiskussion

Kochel am See – Die Planungen sind im Moment gestoppt, die Argumente von Befürwortern und Gegnern bekannt. Eigentlich ist zum jetzigen Zeitpunkt alles über das am Jochberg geplante Pumpspeicherwerk (PSW) gesagt.

Und trotzdem kamen am Donnerstag über 500 Menschen in die Kochler „Heimatbühne“ zu einer Podiumsdiskussion der Initiative „nochBerg – Der Jochberg bleibt“. Für viele ging es dabei darum, eindringlich deutlich zu machen, dass sie nicht bereit sind, ein Stück ihrer Heimat einfach zu opfern.

NochBerg-Sprecher Friedl Krönauer hatte hochkarätige Gäste eingeladen: Ludwig Wucherpfennig, Vize-Präsident des Alpenvereins, Bund-Naturschutz-Landeschef Hubert Weiger, Markus Aufleger, Leiter der Abteilung Wasserbau an der Uni Innsbruck und Wolfgang Seiler von der Energiewende Oberland. Für die Energieallianz Bayern, die das PSW plant, nahmen Joachim Martini und Achim Thiel auf dem Podium Platz.

„Wir sind uns einig, dass wir die Energiewende wollen und brauchen. Das ist die gemeinsame Plattform“, fasste Martini zusammen. „Die Frage ist nur, wie ist der Weg dahin.“ Für Seiler führt der Weg auf keinen Fall über ein PSW. „Wir können nicht Technik von gestern einsetzen, um die Probleme von morgen zu lösen“, sagte er. Ein PSW könne Strom nur kurzfristig speichern. Es sei aber nicht geeignet, um die großen saisonalen Schwankungen auszugleichen. Es sei keine Frage, dass man Möglichkeiten brauche, Strom zu speichern. „Aber hier gibt es etliche Ansätze“ – beispielsweise die Umwandlung von Strom in Gas („power to gas“). „Sicher sind hier viele Dinge noch in der Entwicklungsphase, aber Entwicklung bedeutet, dass etwas besser wird, nicht schlechter.“

Wasserbau-Experte Aufleger war skeptisch. „Es wird eine ganz erhebliche Anzahl von Jahren dauern, bis power to gas wirklich zur Verfügung steht.“ Ohne Pumpspeicherkraftwerke werde es nicht gehen, ist Aufleger überzeugt. Der Jochberg sei ein „super Standort. Da passt vieles.“ Trotzdem betrachtet er das Projekt „mit Sorge“. Denn es gehe hier nicht so sehr um technische Fragen, „sondern um die Betroffenheit der Menschen. Und hier habe ich Angst, dass uns der Jochberg zu viel kostet.“

Das war das Stichwort für BN-Chef Weiger: „Wir müssen uns gemeinsam dafür einsetzen, dass die Energiewende nicht die Grundakzeptanz in der Bevölkerung verliert.“ Und das passiere, „wenn isoliert einzelne Projekte vorangetrieben werden und wir alles und jedes mit der Energiewende begründen.“

Bilder von der Podiumsdiskussion

Podiumsdiskussion zum PSW am Jochberg - die Bilder

Und genau hier zeigte sich, dass es noch eine weitere Gemeinsamkeit von Gegnern und Befürwortern des Projekts gibt – nämlich die gemeinsame Forderung an die Staatsregierung, endlich das lange geforderte Gesamtkonzept vorzulegen. Generell schließt Weiger übrigens „Pumpspeicherwerke nicht grundsätzlich aus“.

Die Fragen aus dem Publikum waren sehr spezifisch: Ob denn der Jochberg mit seinen eher losen Gesteinsschichten überhaupt als Standort geeignet ist, wollte ein Zuhörer wissen. Andere sorgten sich um die Auswirkungen auf den Tourismus, fragten nach dem Gewicht der Betonwanne, die das Oberbecken bilden wird oder nach der CO2-Bilanz des Projekts.

Antworten auf diese Fragen gibt es im Moment nicht. Martini von der Energiewende verwies darauf, „dass wir bei dem Projekt ganz am Anfang stehen“. Viele Untersuchungen – beispielsweise der Geologie – sind erst Teil des weiteren Verfahrens. „Auch bei uns gibt es noch viele Fragezeichen“, ergänzte Thiel. Kochels Bürgermeister Thomas Holz wollte die Energie-Allianz-Vertreter aber nicht so leicht aus der Verantwortung entlassen. „Sie haben das Projekt angestoßen. Haben Sie gedacht, dass wir hier sitzen und nichts sagen?“ Trotz des Planungsstopps müsste die Energie-Allianz Antworten liefern – beispielsweise auf die Frage, welche Auswirkungen die fünfjährige Bauphase und das Projekt selbst auf den Tourismus hat. Dass der Planungsstopp als „Beruhigungsphase“ bezeichnet werde, brachte Holz zusätzlich auf die Palme. „Wir sind hier keine Hinterwäldler, die sich beruhigen lassen. Sie müssen diese Untersuchungen machen, um die Zweifel zu zerstreuen.“

Veronika Wenzel

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