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Ein Prost auf die schöne Zeit: Pächter Lutz Heumann (3. v. li.) stößt ein letztes Mal mit den Mitgliedern des Rentner-Stammtisches an. Seine Frau Marianne sitzt – wie sooft in der Vergangenheit – bei ihren treuen Stammgästen. 

Wirtepaar Hörmann hört auf

Abschied vom Reichersbeurer „Altwirt“ nach 32 Jahren

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Nach mehr als drei Jahrzehnten als Pächter des „Altwirts“ in Reichersbeuern verabschieden sich Lutz und Marianne Heumann nach diesem Wochenende in den Ruhestand. Obwohl für das Privatleben kaum Zeit blieb, geht das Paar nicht ohne Wehmut.

Reichersbeuern – Bestellen müssen die Stammgäste im „Altwirt“ nicht. Nach 32 Jahren als Wirtin weiß Marianne Heumann, wer was trinken möchte. Und ihr fällt sofort auf, wenn sich jemand länger nicht sehen lässt. „Da macht man sich gleich Sorgen.“ Die 68-Jährige ist Wirt mit Leib und Seele, genau wie ihr Mann Lutz. Knapp 32 Jahre lang führten sie gemeinsam die Traditionsgaststätte in Reichersbeuern. „Sonntag auf d’Nacht“ ist Schluss. Wann genau Feierabend ist, entscheiden wie immer die Gäste.

Wenn die „griabig“ beisammen saßen, blieb der „Altwirt“ auch mal bis 3 oder 4 Uhr morgens geöffnet. „Oft haben wir nicht mehr als drei bis vier Stunden geschlafen“, erinnert sich Marianne Heumann. Auch die freien Tage fielen mitunter der Arbeit zum Opfer: Eine Beerdigung oder einen runden Geburtstag könne man eben nicht verschieben. „Als Wirt hat man immer für die Leute da zu sein“, sagt die 68-Jährige. Gleich zu Beginn ihrer Zeit in Reichersbeuern wollte sie jedoch das Handtuch werfen.

Ende Juli 1986 haben die Heumanns den „Altwirt“ übernommen. Damals fand das Gaufest der Trachtler im Ort statt. Nicht alle Gäste verhielten sich vorbildlich. Einer döste auf der Bank am Stammtisch ein. „Der schläft hier immer“, erfuhren die verdutzten Wirtsleute. „Meine Frau hat gesagt: ,Hier bleiben wir nicht’“, verrät Lutz Heumann und lacht. 32 Jahre später sind beide froh, dass sie nicht gegangen sind: „Es war eine schöne Zeit“, sagt Lutz Heumann.

Leicht war es nicht immer. Das Rauchverbot vermieste den Wirtsleuten das Geschäft. Und auch das Ausgehverhalten der jungen Generation macht Wirtschaften wie dem „Altwirt“ zu schaffen: „Früher waren die Stammtische voll, weil man nur dort das Neueste erfahren hat“, sagt Lutz Heumann. Heute habe das Smartphone diese Aufgabe übernommen.

Als Koch legte Lutz Heumann stets großen Wert auf eine traditionelle bayerische Küche mit regionalen Produkten. Bevor er im Alter von 32 Jahren den „Altwirt“ pachtete, arbeitete er als Küchen-Chef auf der Kreut-Alm. Von dem großen Biergarten dort inspiriert, bekam auch der „Altwirt“ einen Außenbereich: Wo heute die Terrasse liegt, waren früher Parkplätze. Im Biergarten baute Lutz Heumann in der Weihnachtszeit gerne eine Modell-Eisenbahn auf – seine große Leidenschaft. Künftig will der gebürtige Münchner mehr Zeit in Hobbys wie dieses oder das Bergwandern investieren. „Als Wirtsleute blieb fürs Private kaum Zeit.“

Die Familie lebte sogar im „Altwirt“. Der Gastraum wurde über die Jahre zum zweiten Wohnzimmer der Heumanns. Als die Tochter und die beiden Söhne noch klein waren, machten sie hier ihre Hausaufgaben, spielten oder halfen beim Bedienen. Im ersten Stock hatte jedes Kind ein eigenes Zimmer, die Eltern teilten sich einen Raum mit Bad.

Nur an den wenigen freien Tagen zog sich die Familie in ihr Haus in Ohlstadt zurück. Hier liegen Marianne Heumanns Wurzeln, hier wollen sie und ihr Mann den Ruhestand genießen. „Wir freuen uns unwahrscheinlich darauf“, sagt Lutz Heumann. Der Abschied fällt ihnen trotzdem schwer. „Ich habe immerhin die Hälfte meines Lebens hier verbracht“, sagt der 64-Jährige.

Die Verbindung zu Reichersbeuern bleibt, da sind sie sich sicher. Nicht nur, weil zwei ihrer Kinder hier leben. Auch die Beziehungen zu den Menschen und den Vereinen binden die Heumanns an das Dorf. „Das ist Heimat.“

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