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Autismus

Anders ist nicht falsch

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Reichersbeuern – Um Autismus geht es Samstagvormittag an der Max-Rill-Schule. Kinder kommen in den kleinen Klassen besser zurecht. Über Unterstützung beim Schulgeld entscheidet das Jugendamt.

Es ist ein Thema, das in der Öffentlichkeit kaum präsent ist. Die Max-Rill-Schule will das ändern und lädt heute zu einem Vortrag über autistische Kinder am Gymnasium ein. Peter Schmidt, Autor und selbst Autist, berichtet über seine Erfahrungen. Im Anschluss gibt es einen Gesprächskreis mit Betroffenen.

Die Idee zum Thema „Autistische Kinder am Gymnasium – wir machen das!“ kommt nicht von ungefähr. Die Max-Rill-Schule integriert seit 1996 Heranwachsende, die unter der tiefgreifenden Entwicklungsstörung leiden. „Wir haben fünf Kinder an der Schule, drei weitere haben angefragt“, sagt Carmen Mendez, Gesamtleiterin der Max-Rill-Schule.

Peter Schmidtpromovierter Geophysiker und Autor

Klausuren fielen Peter Schmidt (40) leicht, als er das Gymnasium in Ilsede (Niedersachsen) besuchte – Autisten sind meist sehr begabt. „Ich konnte mir aber keine Gesichter merken und spielte zum Beispiel beim Fußball auf das falsche Tor“, sagt Schmidt. Smalltalk in den Pausen und Kontakte knüpfen sei undenkbar gewesen.

Dadurch hätten es Autisten an staatlichen Gymnasien schwer, sagt Mendez. „Man muss die Zeit aufbringen, sie individuell zu begleiten, das ist bei der Klassengröße dort nicht möglich.“ Auch Schmidt begegnete Lehrern, die „nicht kapieren wollten, dass ich anders funktioniere“. Gleiches gilt für Mitschüler: Ein 14-Jähriger, der in Kürze neu an die Max-Rill-Schule kommt, sei etwa an seiner alten Schule wegen seiner Entwicklungsstörung geärgert worden, berichtet Mendez. „Wir würden das sofort merken, weil wir die Kinder sozial erziehen und Mobbing im Internat thematisieren“, so die Gesamtleiterin.

Allerdings müsse man bei jedem autistischen Kind kämpfen, dass es ins Reichersbeurer Internat gehen darf, sagt Mendez. Die Kosten von rund 3000 Euro können sich viele Eltern nicht leisten und sind auf Unterstützung angewiesen. „Der Staat sagt, das Kind kann ja auch auf eine staatliche Schule gehen“, sagt Mendez.

Da Autismus als seelische Krankheit gilt, entscheidet das Jugendamt darüber. „Das Verfahren ist sehr kompliziert. Wir schauen genau hin“, bestätigt Ulrich Reiner, Leiter des Amts für Jugend und Familie am Landratsamt. Zum einen, weil es immer Vorrang habe, dass das Kind bei den Eltern bleiben kann und nicht woanders übernachten muss. Zum anderen stünden die Jugendämter unter Beschuss. Im Landkreis seien die jährlichen Kosten in dem Bereich über eine halbe Million gestiegen, sagt Reiner. Es seien viele Hilfen gewährt worden, seit Eltern im Sinne der Integration entscheiden dürfen ob ein Kind auf eine Spezial- oder die örtliche Schule geht.

Da die Max-Rill-Schule als Privatschule ein deutschlandweites Einzugsgebiet habe, seien die jeweiligen Landratsämter zuständig. „Wir haben kein autistisches Kind dort, soweit ich weiß“, sagt Reiner. Von 20 000 Kindern und Jugendlichen im Landkreis fördert das Amt derzeit aber zehn Betroffene, die laut Reiner in stationären Einrichtungen oder von Schulbegleitern betreut werden.

Auch das Tölzer Seidl-Gymnasium besuchen laut Direktor Harald Vorleuter „weniger als eine Hand voll Kinder mit psychiatrischen Krankheiten“. Es sei richtig, dass sich Schulen mit kleineren Klassen leichter tun mit der Betreuung autistischer Kinder, es könne aber auch in größeren Klassen funktionieren. „Wir tun viel, die Inklusion an unserer Schule umzusetzen“, sagt Vorleuter. Die Grenze dabei: Auch die übrigen 28 Schüler der Klasse haben das Recht, ungestört zu lernen. „Das läuft vielleicht in einem Fünftel der Fälle schief“, so Vorleuter.

Vortrag und Gespräche

in der Aula des Max-Rill-Gymnasiums am heutigen Samstag um 10 Uhr.

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