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„Kunst im Stoi“: Wenn der Kuhstall zur Galerie wird

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Zeigten ihre Arbeiten: (v. li.) Inge Friedl, Norbert Strixner, Elke Ederer, Nikolaus Trischberger und Claus Eder.
Zeigten ihre Arbeiten: (v. li.) Inge Friedl, Norbert Strixner, Elke Ederer, Nikolaus Trischberger und Claus Eder. © bib

Ein Wochenende lang präsentierten sieben Künstler ihre besonderen Werke bei „Kunst im Stoi“ in Reichersbeuern. Eine nächste Ausstellung ist geplant.

Reichersbeuern – „Kunst im Stoi“ ist zu einer beliebten Adresse für Holzkunstliebhaber geworden. Sieben Künstler aus dem Oberland stellten am vergangenen Wochenende in einem Kuhstall in Reichersbeuern ihre Aufsehen erregenden und berührenden Werke aus. An beiden Tagen herrschte reges Kommen und Gehen an der Raiffeisenstraße 15.

Viele kleine Werke auf dem größten Kunstwerk

Das größte Kunstwerk war selbst mit kleinen Werken vollgestellt: Unter einer großen Glasplatte faszinierte eine rotfarbige, weitverzweigte und glänzend polierte Wurzel. Diese hatte Sepp Jaud gestaltet, Mitinitiator des Formats „Kunst im Stoi“. Auf diesem Tisch stand eine außergewöhnliche Kommode, ihr Deckel wie ein Tonnengewölbe geformt. Kleinteilige Intarsien schmückten das Möbel und faszinierten durch die vielfältigen Farbtöne – geschaffen von Norbert Strixner, gebürtiger Lenggrieser.

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Hobbykünstler arbeitete drei Jahre lang an Werkzeugkasten

Der ehemalige Finanzmakler wohnt heute in Dortmund. „Aber Sepp, mein Kinderfreund vom Nachbarsgarten, hat mich bekniet, hier endlich einmal auszustellen.“ Eine Lehre oder einen Abschluss in Holzarbeit hat der Hobbykünstler nie gemacht. Was kaum zu glauben war angesichts eines – unverkäuflichen – Werkzeugkastens: Die geräumige Truhe enthielt in fünf Schubläden sowie auf zwei Ebenen im aufklappbaren Deckel modernes und historisches Werkzeug. Drei Jahre Arbeit steckten dahinter. „Meine beiden Söhne haben je eine bekommen“, sagte der Vater stolz.

„Isarengel“ aus Treibholz und Naturstein

Strixner verkaufte außerdem Küchenschneidebretter aus mehreren Holzarten und etwa 40 Zentimeter hohe Kästen, deren Machart Vorbilder in Japan hat. In diesen standen die kleinen „Isarengel“ der Lenggrieserin Elke Ederer – nur aus Treibholz und Natursteinen angefertigt. Schmuck und sogar Postkarten stellt die Künstlerin ebenfalls daraus her.

In einem Kunstwerk wurde ein Familienerbstück verewigt

Die Tölzerin Inge Friedl zeigte Bilder aus dem Zyklus „Genesis“, der im Lauf von 20 Jahren und mit Hilfe vieler Künstler entstand. Weltweite Freundschaften hält die Malerin bis heute. Eines ihrer eigenen Gemälde über das Thema Zeit zeigte eine alte Taschenuhr, verwachsen in einen Baum. Die Hintergrundgeschichte passte dazu: Friedl hatte ein Familienerbstück verewigt.

„Wia’s früher war“ nennt Claus Eder seine Bildbände. Das Büchlein „Sport und Freizeit“ zeigt sehr frühe Aufnahmen von Wintersportlern im Oberland. Der Band „Auf der Alm“ historische Aufnahmen von Berghütten. Was heutigen Betrachtern „romantisch“ vorkommt, war ein entbehrungsreiches Leben, das in manchen Gesichtern geschrieben stand.

Kunstvolle Lichtquellen aus Holz

Werner Kirschenhofer und Sarah Bourne konnten aus Krankheitsgründen persönlich nicht anwesend sein. Ihre Werke sprachen für sich: Die Malerin hatte im Raum verteilt kleine Vogeldarstellungen stehen, die wegen der Malweise sehr real wirkten. Für heimeliges Licht sorgten hohle, verwachsene Eibenstämme, die Kirschenhofer mit Glühbirnen zu raumhohen Lampen gestaltet hatte. Einen Stamm hatte er umgedreht und raffiniert an einem Karabiner an der Decke aufgehängt.

Ebenso wirkten die Zirbenlampen von Nikolaus Trischberger, Gaißachs Altbürgermeister. Die Holzzylinder waren bis auf einen Millimeter ausgehöhlt, sodass das Glühbirnenlicht orange hindurchleuchtete, verziert durch die natürliche Maserung des Holzes.

Infos

Informationen zur Ausstellung und zu den Künstlern sind erhältlich via Mail an jaudmo@magenta.de. Die nächste Schau findet voraussichtlich im Herbst statt.

VON BIRGIT BOTZENHART

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